Neuer Anlauf für „carekauf“

WELVER ▪ Der Vorschlag ist nicht neu, aber immer noch aktuell: Die Welveraner Grünen bringen im Bauausschuss am Mittwoch die Errichtung eines „sozialen Supermarktes“ im ehemaligen Sparmarkt wieder auf die Tagesordnung. Obwohl das Thema lange ruhte, ist das Interesse des Investors noch da.

Im Frühjahr 2011 hatten die Grünen ihre Vorschläge zur Umnutzung der seit langer Zeit leer stehenden Immobilie gemacht, die grundsätzlich auf Zustimmung gestoßen waren: „Als wir das grobe Konzept des 'carekauf-Supermarktes' im Hauptausschuss im April vorgestellt haben, bekamen wir eine Menge Zuspruch. Auch im Nachhinein gab es immer wieder Anfragen, ob es schon Fortschritte gebe“, sagt der Fraktionsvorsitzende Bernhard Weber.

Der „soziale Supermarkt“ war ihre Alternative zum umstrittenen Projekt auf dem nahe gelegenen Raiffeisen-Gelände, bei dem ein Investor ein großes Einkaufszentrum mit einem Vollsortimenter und einem Discounter entwickeln wollte. Als dieses Groß-Unternehmen schließlich scheiterte (Weber: „Das hielten wir ohnehin für maßlos“) , bekundete die Initiative für Jugendhilfe, Bildung und Arbeit Lippstadt (INI) als Träger nochmals ihr Interesse an einer „carekauf“-Ansiedlung in Welver.

„Im Herbst haben wir dann Bürgermeister Teimann darüber in Kenntnis gesetzt und darauf hingewiesen, dass die INI auf ein positives Signal aus dem Welveraner Rathaus warte“, berichtet Weber weiter. Umso enttäuschter sei seine Fraktion dann gewesen, als sich herausstellte, dass bislang seitens der Verwaltung nichts geschehen sei: „Wir finden das unverständlich. Jahrelang hat man sich um eine Entwicklung aus dem Bestand bemüht. Jetzt, wo sich eine Chance abzeichnet, passiert nichts.“

Bauamtsleiter Markus Hückelheim erinnert hingegen daran, dass es hierzu keinen politischen Beschluss gebe, auf der anderen Seite aber einen Auftrag des Rates, das Raiffeisengelände zu entwickeln. „Und in diesem Zusammenhang wäre die Planung ja so, dass man den Sparmarkt abreißt und diesen Bereich als Zufahrt nutzt.“ Beide Varianten müssten nun gegeneinander abgewogen werden. Daher habe man den Grünen empfohlen, ihr Anliegen noch einmal offiziell als Antrag vorzubringen: „So lange verhalten wir uns neutral dazu.“

Die Umwelt-Partei informierte sich derweil persönlich in einem bereits laufenden „carekauf“-Supermarkt in Lippstadt: Bernhard Weber sowie Cornelia Plaßmann und Johannes Kimmel-Gross vom Ortsverband ließen sich vom INI-Vorsitzenden Andreas Knapp, Geschäftsführer Reiner Venjakob und Marktleiterin Eva Kemper durch die Filiale führen. Ihr Fazit fiel dabei ausgesprochen positiv aus: „Der carekauf-Supermarkt hat mich richtig begeistert. Das breite Sortiment, die Freundlichkeit der Mitarbeiter, einfach die gute Einkaufsatmosphäre“, so Plaßmann. „Außerdem ist in Sachen Barrierefreiheit an alles gedacht“, ergänzt Kimmel-Groß, „an unterschiedliche Einkaufswagen für Rollatorschieber oder Rollstuhlfahrer, Lupen für Sehbehinderte am Einkaufswagen oder Hörhilfen an der Kasse.“

Ebenso wichtig sei, dass der soziale Supermarkt nicht nur für den Einkauf von Menschen mit Handicap besonders geeignet sei, sondern vor allem auch als Arbeitsplatz: Carekauf-Läden sind Integrationsbetriebe mit einem hohen Anteil von Mitarbeitern mit einer Schwerbehinderung. Als kooperatives Einkaufszentrum wurde carekauf zuerst von der Caritas Gelsenkirchen (ca-) und Rewe (-re) gegründet.

Die carekauf-Organisatoren halten den Standort in Welver für „ideal“: Insbesondere der Standort Ortsmitte und die behindertengerechte Erreichbarkeit sowie die Aufwertung der Ortsmitte und damit die Verbesserung der Lebensqualität in Welver sprächen für die Einleitung eines solchen Vorhabens. Und Bernhard Weber ergänzt: „Auf dem Raiffeisengelände verbliebe ausreichend Platz für andere Maßnahmen: für Mehrgenerationenhäuser, für einen Mehrgenerationenspielplatz, für eine Grünanlage und/oder anderes.“

Ob sich der Markt jedoch wirtschaftlich rentiert, muss zunächst ein Gutachten zeigen. „Die INI Lippstadt würde dieses in Auftrag geben, wenn die Gemeinde Welver signalisieren würde, dass sie eine solche Entwicklung positiv begleiten würde“, so Weber.

Außerdem gebe es das Angebot der INI an alle Parteien und deren Fraktionen, sich vom carekauf-Supermarkt in Lippstadt ein Bild zu machen und im Gespräch ihre Fragen beantwortet zu finden. ▪ tob

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