"Man konnte nur falsch handeln"

Neue Vorwürfe im Welveraner Schulbus-Streit

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Zu wenig freie Plätze im Schulbus sorgten kürzlich in Welver für Ärger.

Welver  - „In dieser Situation konnte man nur falsch handeln.“ Annette Zurmühl, Pressesprecherin des Regionalverkehrs Ruhr-Lippe (RLG), bedauert den Fall des von der Polizei in Welver gestoppten Schulbusses, macht dem Busfahrer aber keine Vorwürfe. Aus der betroffenen Elternschaft kommen dagegen weitere Vorwürfe.

Weil der Taxibus eines privaten Busunternehmens, das im Auftrag der RLG die Strecke bedient, für die Kinder aus Flerke nicht genügend Plätze hatte, informierte eine Mutter die Polizei, die am Donnerstag die Fahrt Richtung Schule stoppte.

„Der Standpunkt unseres Unternehmens ist ganz klar, dass keine Schüler an der Haltestelle stehen bleiben sollten. Gerade bei Grundschülern wäre das sehr problematisch“, verteidigt Zurmühl den Busfahrer. Das Problem sei, dass man die genaue Anzahl der mitfahrenden Kinder zu Beginn eines Schuljahres nie hundertprozentig einschätzen könne. 

Es war nur die Hälfte der Kinder gemeldet

Im konkreten Fall seien von der Schule für die Fahrt zunächst nur sechs Kinder gemeldet gewesen. An der Haltestelle waren es dann aber zwölf Schüler, die in das zu kleine Fahrzeug einsteigen wollten.

Die Schule habe die RLG zwar zuvor noch informiert, dass mit mehr Kindern zu rechnen sei. Diese Information habe das Unternehmen aber zu spät erreicht.

"Jeden Tag Probleme"

Eine betroffene Mutter, deren Name nicht in der Zeitung stehen soll, erklärte aber gegenüber dem Anzeiger, dass es seit Beginn des Schuljahres jeden Tag Probleme mit dem Bus gegeben habe: „Das zuständige Unternehmen hat gewechselt. Der Busfahrer kannte nicht einmal die Strecke und es wurden nicht alle Haltestellen angefahren.“ Darüber hätten die Eltern noch hinwegsehen können. 

Aber dass es weder Kindersitze noch Sicherheitsgurte für alle Kinder gegeben hätte, habe man nicht mehr tolerieren können. „Der Bus fährt auch über eine Landstraße, wo 100 gefahren werden darf. Wenn da gebremst wird, fliegen die Kinder durch die Scheibe.“

Dann wurde die Polizei verständigt

Mehrfach seien Busfahrer und Unternehmen auf die Missstände aufmerksam gemacht worden. „Spätestens Anfang letzter Woche hätte es einen geeigneteren Bus geben müssen.“ Da dies nicht der Fall gewesen sei, habe man die Polizei verständigt. 

Inzwischen bringt ein größerer Sprinterbus die Kinder sicher zur Schule. Generell eine Reserve für nicht gemeldete Kinder einzuplanen, sei für die RLG nicht möglich gewesen. „Wir versuchen unsere Fahrzeuge im gesamten Kreisgebiet so ökonomisch wie möglich einzusetzen. Aber dass sich die Schüleranzahl verdoppelt, damit kann man nicht rechnen“, meint Annette Zurmühl.

"Sind auf Hinweise angewiesen"

Regelmäßige Kontrollen von Schulbussen führt die Polizei übrigens nicht durch. „Das würden wir nicht hinbekommen. Wir sind daher auf Hinweise auf zu volle Busse angewiesen“, sagt Polizei-Pressesprecher Wolfgang Lückenkemper. 

Gerade zu Schuljahresbeginn hätten die Beamten aber sehr wohl ein Auge auf die Schulwege der Kinder. „Das betrifft dann vor allem das sichere Einsteigen in den Bus und die Schüler, die zu Fuß oder mit dem Rad zur Schule kommen.“

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