Michael Heyder: Modellflieger mit Bodenhaftung

Nateln - Der Mann am Steuerknüppel scheint den Moment zu genießen, das breite Grinsen unter seinem schmucken Schnäuzer ist in der Cockpitkanzel kaum übersehbar. Gelenkt wird die Maschine aber von einem anderen: Michael Heyder.

Der Natelner ist seit seiner Jugend begeisterter Modellbauer und -flieger – obendrein ebenfalls Bartträger. Der Nachbau eines polnischen Segelflugzeugs im Maßstab 1:3 zählt zu seinen Lieblingsmodellen. Gekauft hat er den leisen Gleiter mit einer Spannweite von immerhin 4,66 Metern vor einigen Jahren in Thüringen. Der 59-Jährige besitzt fünf Flugzeuge in dieser Größenordnung. Alles fing für den gebürtigen Hammer als Kind bei Spaziergängen mit dem Opa an. „Jeder Sonntagvormittag führte uns zum Segelflugplatz“, erinnert sich Michael Heyder. Fasziniert von den Fluggeräten, kaufte er sich als Grundschüler bald die ersten Modelle und klebte sie zusammen. „Das waren dann kleine Nachbauten von Revell oder Airfix“. Jeder Mann, der heute im mittleren Alter ist, kennt diese Bausätze und den Frust, wenn man zwei Teile falsch zusammengepappt oder bei der Lackierung geschlampt. Diese Modelle können nicht viel, schon gar nicht fliegen. Das änderte sich ein paar Jahre später als er im Teenageralter tatsächlich die ersten Flugzeuge in den Himmel manövrierte. Allerdings leider oft auch wieder ungeplant hinunter – „und zwar schneller als ich wollte“.

 Leicht frustriert wandte er sich zwischendurch dem Schiffsmodellbau zu, was ihm bald zu langweilig wurde. „Die können nämlich weder Rollen noch Loopings“. Mit wachsendem Alter mischten sich Erfahrung und zunehmendes Geschick zur einer deutlich materialschonenderen Flugtechnik. „Man braucht gute Reflexe und ein ordentliches räumliches Vorstellungsvermögen“, weiß der Maschinenbauingenieur. Links und rechts können innerhalb eines Flugmanövers in sekundenschnelle die Seiten tauschen. „Irgendwann hat man das drauf und dann lässt es einen nicht mehr los“, sagt Michael Heyder, räumt aber schmunzelnd ein, dass bis dahin „das eine oder andere kaputt geht“. 

Die Erfahrung einer Bruchlandung haben schon alle hinter sich. Die Maschinen sehen zwar sehr robust aus, sind aber äußerst fragil. Das Innenleben der Flügel seines polnischen Seglers besteht zum Beispiel größtenteils aus Styropor – verstärkt mit ausgewählten weiteren Werkstoffen. Die Außenhaut besteht aus Kunstharzen. Die Farbe hat ein professioneller Autolackierer aufgetragen. Wenn man das Hobby so aufwändig betreibt wie Michael Heyder, kostest es eine Menge Zeit und auch einige Euro. Der Einstieg in den Flugmodellbau gibt es aber auch günstig. 300 bis 400 Euro muss man für ein kleines Fluggerät investieren. Solch ein Modell ist dann auch schnell zusammengebaut: Karton aufmachen, Teile zusammenstecken, losfliegen. 

Wo man das darf und welche Beschränkungen für welche Modelle gelten – das ist in Deutschland klar geregelt und wird in der heimischen Region vom Regierungspräsidenten in Münster überwacht. Seit dem Boom der Drohnen, die mittlerweile in jedem Baumarkt zu kaufen sind, schauen die Aufsichtsbehörden noch genauer hin. Michael Heyder versteht das, denn „Regeln sind wichtig“. Er registriert aber auch, dass durch die Jedermann-Drohnen der Flugmodellbau gleich mit in ein schlechtes Licht gerückt wird. Er bedauert: „Früher haben einen die Leute am Rand der Flugplätze gefragt, welches Modell man gerade fliegt. Heute wollen sie wissen, ob man dafür eine Erlaubnis hat.“ 

 Hat er. Sein Hobby kann er trotzdem nicht so ausüben wie er will. Heyder und seine rund 40 Mitstreiter vom MFC Richthofen haben vor drei Jahren ihren angestammtes Flugfeld bei Klotingen verloren, nachdem dort der Besitzer gewechselt hat. Seitdem weichen die Vereinsmitglieder auf umliegende Anlagen in Schoneberg, Ense oder Soest aus. Das geht ohne großes Theater. „Unter den Modellfliegern geht’s zum Glück familiär zu“, weiß der MFC-Vorsitzende. Er schaut dabei auf sein Lieblingsmodell mit der zufrieden dreinblickenden Figur in der Kanzel – und da huscht auch dem wahren Piloten des polnischen Seglers ein Lächeln übers Gesicht. 

Wer ein geeignetes, rund ein bis zwei Hektar großes Gelände für den MFC Richthofen bereitstellen will, möge sich unter der Email-Adresse info@mfc-richthofen.de melden.

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