Besitzer vermutet Brandstiftung

Nach Großbrand in Scheidingen: Das sagen die Beteiligten

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Der Löschschaum musste in großen Mengen verteilt werden.

[Update: 16.55 Uhr] Welver - Nach dem Großbrand auf dem Gelände einer Abfallverwertungsanlage im Industriegebiet Am Bierbäumchen in Welver tappt die Polizei auf der Suche nach der Brandursache im Dunkeln.

Beim Brand der Abfallverwertungsanlage Am Bierbäumchen in Scheidingen kam es zu einem erheblichen Sachschaden. 

Die Brandursache ist ungeklärt. Am Sonntagmorgen stand eine Großzahl von Altreifen in Flammen, wobei ein Gebäude auf dem Grundstück ebenfalls beschädigt worden ist. Die Feuerwehr, die mit zwei Löschzügen und einem Messwagen zur Kontrolle der Umweltbelastung vor Ort war, beendete den Einsatz am Nachmittag gegen 16 Uhr, eine Brandwache sicherte die Gefahrenstelle. 

Das Feuer war nach rund zwei Stunden gelöscht. Für die Wehr war es nach dem Brand des Autohofes in Klotingen der zweite größere Einsatz innerhalb von nur sechs Tagen. Aufgrund des Rauches wurden die Anwohner gebeten, Fenster und Türen geschlossen zu halten. Die Übermittlung durch die App NINA, ein System für Warnmeldungen und Bevölkerungsschutz des Bundesamts, habe gut geklappt, freute sich so Carsten Habicht, Pressesprecher der Feuerwehr Welver.

Großeinsatz in Scheidingen: Alte Reifen in Brand

Die Meldung sei auf diesem Wege schnell bei den Bürgern angekommen. Auch Ortsvorsteher Hubert Kaiser spricht von „Glück im Unglück“. Der Wind habe günstig gestanden, so dass der Rauch sich nicht in Richtung Welver, Illingen oder Scheidingen entwickelt habe, sondern sich in östlicher Richtung ausgebreitet habe. Für die Bevölkerung sei es jetzt aber „ein beunruhigendes Gefühl, dass man nicht genau weiß, was da passiert ist.“ 

Lob für Einsatzkräfte 

Lob hatte er für die insgesamt knapp 80 Feuerwehrleute des ersten und dritten Löschzuges, die schnell eingriffen und Unterstützung durch Nachschub aus Soest und Werl bekommen hätten. In der Debatte um einen Ausbau des Gewerbegebietes in Scheidingen wird der Brand wohl keine Rolle spielen, obwohl ein solches Gebiet „immer ein gewisses Störpotenzial birgt“, so Kaiser. 

Der Löschschaum musste in großen Mengen verteilt werden.

Nun ist die untere Wasserbehörde des Kreises Soest dafür zuständig, Messungen auf Schadstoffe durchzuführen, um den Umweltschutz zu gewährleisten. Der Löschschaum wurde allerdings sofort von einer vom Kreis beauftragten Firma abgesaugt. Norbert Hurtig, Abteilung Umwelt und Sachgebiet Wasserwirtschaft beim Kreis Soest, erklärte am Montag: „Das Löschwasser ist nicht in das Regenrückhaltebecken gelangt, somit ist auch kein kontaminiertes Wasser in die Kanalisation gelaufen. Durch Kontrollen wurde sichergestellt, dass keine Gefährdung besteht.“ 

Betriebs-Chef geht von Brandstiftung aus

In den nächsten Tagen werde man weitere Prüfungen veranlassen und, falls erforderlich, entsprechende Maßnahmen einleiten. „Wenn wir im Wasser Brandrückstände feststellen, werden wir es in eine Kläranlage leiten. Dann wird es gereinigt, sodass wir danach sauberes Wasser haben.“ So sollen keine Spuren der Altölrückstände vorzufinden sein. Herbert Schmalenbach, Besitzer des Entsorgungsbetriebs, geht von vorsätzlicher Brandstiftung aus: „Reifen zünden sich nicht einfach selbst an, erst recht nicht bei den winterlichen Temperaturen.“ „Hätte schlimmer kommen können“ 

Der Betreiber vermutet zudem, dass der Vorfall noch glimpflich ausging. „Es hätte viel schlimmer kommen können, es sind zum Glück keine Gasflaschen explodiert.“ Am Ende wurden zwei große Maschinen Opfer der Flammen sowie ein Gebäude mit Sanitäreinrichtungen. „Das ist alles Schrott, bis auf die Grundmauer komplett abgebrannt. Eine weitere Halle, in der wir unter anderem Benzin lagern, wurde zum Glück nur leicht vom Feuer erfasst“, erklärte der Eigentümer des Recyclingsunternehmens. 

Schaulustige ärgern Schmalenbach

Besonders ärgert sich Schmalenbach über die zahlreichen Schaulustigen: „So viele Zuschauer hatten wir noch nie, manche davon waren extrem dreist.“ Die Ermittlungen der Kriminalpolizei haben aber bislang kein Ergebnis gebracht. „Aufgrund der bereits vorgenommenen Aufräumarbeiten konnte keine Brandursache ermittelt werden“, heißt es in einer Pressemitteilung der Polizei. Die Spezialisten hatten keine Hinweise mehr gefunden, denn der „Tatort“ war, in Absprache mit der Polizei, wegen des Löschschaums aus Umweltgründen zügig bereinigt worden. 

Doppelt getroffen

Kurios: Auf dem Gelände waren auch die 15 abgebrannten Fahrzeuge abgestellt, die am vorherigen Dienstag bei einem Gebrauchtwagenhändler im Ortsteil Klotingen bereits durch Brandstiftung zerstört wurden.

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