Serie: Welvers Ortsvorsteher

Als Ortsvorsteher von vier Dörfern löst Michael Schulte Probleme oft auf dem kleinen Dienstweg

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Michael Schulte ist Ortsvorsteher von Nateln, Berksen, Hündlingsen und Hacheney.

Nateln - Michael Schulte ist in Welver Ortsvorsteher von gleich vier Dörfern: Nateln, Berksen, Hündlingsen und Hacheney. Als solcher hat er oft mit den Problemen der Bewohner zu tun. Viele dieser Probleme lassen sich auf dem kleinen Dienstweg lösen.

An einem Wegekreuz auf einer Anhöhe südlich von Nateln überblickt Ortsvorsteher Michael Schulte (53) seinen Wirkungsbereich, die Ortschaften Nateln, Berksen, Hündlingsen und Hacheney und schaut darüber hinaus nach Süden bis auf den Haarstrang. Der schicke Wegweiser hinter ihm zeigt in die Richtung der verstreuten Höfe und Siedlungen. Doch wer dort hin will, muss holprige, wellige und löchrige Wirtschaftswege überwinden. 

So ist auch für Schulte, der sich als Kümmerer für die Belange seiner 207 Leute begreift, die Reparatur des Wegenetzes ein zentrales Anliegen. Der „Zustand vieler Wege ist schlecht und wird immer schlimmer“, klagt Schulte. Man muss nur wenige Kilometer herumfahren um Nateln, dann gilt das als bewiesen. „Wir brauchen nicht hier ein bisschen Splitt und dort einen Streifen Asphalt, wir brauchen tiefgreifende Maßnahmen, die die Wege für den heutigen Bedarf auch im Untergrund stabilisieren“, klagt Schulte. „Denn unsere Wege wurden zu Zeiten gebaut, als es solche Schwerverkehre wie heute mit Bussen, Müllautos, Tankwagen und großen Landmaschinen noch gar nicht gab.“ 

Konzept für Wirtschaftswege 

Und Michael Schulte hat auch schon einen Plan, wie er das umsetzen will: mit Hilfe eines ländlichen Wegenetzkonzeptes. Erst einmal sei eine umfassende Bestandsaufnahme mit Klassifizierung der Wege zu erstellen. Danach müsse festgelegt werden, welche Wege wichtig, notwendig und überflüssig seien mit entsprechender Bürgerbeteiligung. So seien dann die Investitionen zu verteilen, statt nach dem Gießkannen-Prinzip. Überflüssige Wege seien einzuziehen. Dann sei ein Wirtschaftsweg-Verband nach Beispiel der Wasser- und Bodenverbände zu gründen, um mit breiter Bürgerbeteiligung und mit finanzieller Beteiligung auch der Anlieger die Wege dauerhaft und nachhaltig instand zu halten.

Der verhinderte Kurort

Eine spannende Geschichte aus der Historie Natelns hat Michael Schulte auch noch parat. Nahe seiner Heimat an der Ahsebrücke in Nateln sprudelte vor langer Zeit eine Solequelle. Anfang des 19. Jahrhunderts wurde dort von einer Bergwerksgesellschaft nach Kohle gebohrt und eine Sohle-Ader angestochen. Von dort sprudelten fortan rund 57 Kubikmeter Sole pro Minute in die benachbarte Ahse. Doch anstatt einen Kurort zu gründen und mit Bad Sassendorf zu konkurrieren, propfte man einen Betonklotz auf die Quelle und die Ahse wurde wieder zum Süßwasser-Flüsschen. 

Starke Bande nach Dinker

Der demographische Wandel mit der Landflucht macht auch vor Nateln und seinen Satelliten-Orten keinen Halt. Kulturell und gesellschaftlich ist Nateln auch deshalb traditionell stark mit dem Nachbardorf Dinker verwoben. Das bezeugen der Schützenverein Dinker-Nateln-Dorfwelver und die Landjugend Nateln-Dinker sowie der Männergesangverein Friedrich-Wilhelm aus Dinker und die Landfrauen. 

Die befreundete Nachbarschaft hat auch geholfen, dass die Löschgruppen nach der Verschmelzung zufrieden ins neue Domizil nach Dinker eingezogen sind. Wenn die Natelner irgendwo der Schuh drückt, dann wenden sie sich oft in erster Instanz an ihren Ortsvorsteher. Sei es wegen eines Schlaglochs, fehlender gelber Säcke oder wegen einer verschmutzten Fahrbahn. Oft gelingt es Michael Schulte, das Problem mit einem Anruf oder auf dem kleinen Dienstweg aus der Welt zu schaffen. 

Etwas größere Probleme wie das Anschaffen von Buswartehäuschen für Hündlingsen und Dinker brauchen dann vielleicht Anträge oder mehr Unterstützung aus der Verwaltung oder Politik. Aber auch da konnte für die betroffenen Schüler Schutzraum errichtet werden. 

Zurzeit geht es darum, ein neues Domizil für die Landjugend Nateln-Dinker zu finden, zum Beispiel im alten Gerätehaus in Dorfwelver oder im ehemaligen Gerätehaus in Nateln.

Die Serie
Sind Ortsvorsteher als Sprecher und Botschafter ihrer Dörfer im Zeitalter von Internet und Sozialen Netzwerken noch zeitgemäß und sinnvoll? Diese Frage stellte sich unlängst unseren Lesern. Der Anzeiger stellt daher in loser Folge Welvers Ortsvorsteher und ihre Wirkungsbereiche mit ihren Problemen und Vorzügen vor. Heute: Michael Schulte, Ortsvorsteher von Nateln, Berksen, Hündlingsen und Hacheney.

Bereits erschienen:
Hubert Kaiser, Ortsvorsteher von Scheidingen



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