Meningitis in Welver: Zwei Kleinkinder erkrankt

Gegen bakterielle Meningitis der Gruppe B ist ein rascher Therapiebeginn mit Antibiotika notwendig. Impfen kann man gegen diese Gruppe nicht.

WELVER ▪ Zwei Fälle eitriger Hirnhautentzündung (Meningokokken-Meningitis) bei Kleinkindern innerhalb einer Woche sind dem Gesundheitsamt des Kreises Soest gemeldet worden. Die beiden Jungen, neun Monate bzw. ein Jahr alt, wohnen in Welver, hatten aber nach den bisherigen Recherchen keinen direkten Kontakt miteinander.

Die Kinder werden derzeit noch im Evangelischen Krankenhaus in Hamm stationär behandelt, befinden sich aber nach dem Kenntnisstand des Gesundheitsamtes auf dem Wege der Besserung. Es wurden Meningokokken der Gruppe B nachgewiesen. Den Familienmitgliedern wurden im Krankenhaus die notwendigen Medikamente gegeben, um eine vorbeugende Behandlung durchzuführen. „Meningokokken müssen nicht krank machen. Viele Menschen haben im Normalfall diese Bakterien im Nasen- oder Rachenraum, werden aber dadurch nicht krank“, erläutert Dr. Frank Renken, Leiter des Gesundheitsamtes. „Warum es im Einzelfall dann doch zu einer Hirnhautentzündung oder einem anderen schweren Verlauf kommt, können die Experten bisher nicht vollständig erklären. Wahrscheinlich liegt eine individuelle Abwehrschwäche vor. “

Aus Sicht Gesundheitsamtes sei es auffällig, dass es in einer Gemeinde innerhalb eines kurzen Zeitraumes zu zwei Erkrankungen gekommen ist. Einzelfälle seien in dieser Jahreszeit häufig. Trotzdem gebe es bisher nur diese beiden Fälle im ganzen Kreisgebiet. Dr. Renken: „Nachdem wir die Laborbestätigung für den zweiten Erkrankungsfall erhalten haben, haben meine Mitarbeiter besonders sorgfältig recherchiert, ob es Kontakte zwischen den Familien gab. Das konnte bisher nicht bestätigt werden. Daher gehe ich noch von einem zufälligen Zusammentreffen der Fälle aus. Wir beobachten die Situation jetzt sehr sorgfältig. Es steht noch ein Untersuchungsergebnis aus dem Referenzzentrum für Meningokokken in Würzburg aus. Danach wissen wir, ob es sich jeweils um den gleichen Bakterienstamm handelt.“

Meningokokken der Gruppe B verursachen in Deutschland fast 70 Prozent der Erkrankungen. Man kann nicht gegen sie impfen. Die Übertragung der Meningokokken erfolgt durch Tröpfcheninfektion, etwa beim Sprechen, durch Anhusten, Niesen oder Trinken aus der gleichen Flasche. Die Bakterien überleben außerhalb des Körpers nur kurze Zeit, deshalb ist ein enger Kontakt zu Kranken oder einem Keimträger erforderlich, um die Bakterien zu übertragen. Ein Zusammentreffen von Menschen ohne engen Kontakt, wie etwa in Toiletten, Schwimmbädern oder ein flüchtiges Treffen in geschlossenen Räumen, führt im Normalfall nicht zu einer Ansteckung.

Die Zeit zwischen Ansteckung und Ausbruch der Krankheit beträgt meist zwei bis sieben Tage. Wer also zehn Tage nach Kontakt mit einem Erkrankten nicht erkrankt ist, wird es im Normalfall auch später nicht. Häufig gehen der Hirnhautentzündung akute Erkältungssymptome voraus. Ohne Übergang kann es plötzlich zu Kopfschmerzen kommen, die rasch stärker werden. Meist tritt hohes Fieber auf, der Kranke muss sich übergeben, leidet unter Nackensteifigkeit. Dies ist ein ganz typisches Symptom. Das Bewusstsein des Patienten kann sich eintrüben, er ist nicht mehr ansprechbar. Rot-violette Hautflecken signalisieren einen schweren Verlauf, in dem sich die Erreger über die Blutbahn ausbreiten (Sepsis). Entscheidend ist ein rascher Therapiebeginn mit einem geeigneten Antibiotikum.

In den letzten Jahren wurden in Deutschland durchschnittlich etwa 400 Meningokokken-Fälle pro Jahr registriert. Es ist eindeutig ein Erkrankungsgipfel in der kalten Jahreszeit zu beobachten. Kinder unter fünf Jahren sind am häufigsten betroffen, dann Jugendliche und junge Erwachsene bis 25 Jahre. In seltenen Fällen erkranken auch ältere Erwachsene.

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