„Mein schönes Welver“ - unterwegs auf der Burg

Meinolf Schultebraucks zeigt im Rahmen der Serie „Mein schönes Welver“ die Burg Vellinghausen.
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Meinolf Schultebraucks zeigt im Rahmen der Serie „Mein schönes Welver“ die Burg Vellinghausen.

VELLINGHAUSEN -  Wie verwunschen wirkt die Burg Vellinghausen, gesäumt von zwölf alten Linden und einer Trauerweide, die umgefallen aus der Gräfte wächst. Für Meinolf Schultebraucks strahlt die Burg eine besondere Atmosphäre aus.

Die Morgensonne taucht den gemauerten Torbogen in idyllisches Licht, der Tau bedeckt die Wiese und hinter dem Bogen erstreckt sich die Burg Vellinghausen, mit dem Torhaus im Fachwerk-Stil und der Trauerweide, die in der alten Gräfte wächst. „Ich sitze gern hier“, sagt Meinolf Schultebraucks, als er einen seiner liebsten Plätze auf der Burg vorstellt. Kein Wunder, wirkt dieser Ort doch ein bisschen wie aus einer anderen Zeit.

„Mit so einem Haus ist es wie mit einem Schiff: Wenn man einmal rum ist, kann man mit der Arbeit wieder von vorne anfangen“, sagt Meinolf Schultebraucks über die Burg Vellinghausen, auf der er mit seiner Familie lebt. Seit 1989 restauriert er hier liebevoll die alten Gebäude oder baut neue Dinge hinzu. Der Pferdestall, der sich heute hinter dem Torhaus in schwarz-weißem Fachwerk erstreckt, war zum Beispiel komplett eingefallen, als Schultebraucks die Burg Vellinghausen kaufte.

Den rotbraunen Torbogen, den Schultebraucks zu einem seiner Lieblingsplätze erkoren hat, baute er vor zwei Jahren selbst. So sitzt er oft an diesem Bogen und blickt durch ihn hindurch auf die alte Burg, die in dunklem grau hinter den großen, alten Linden zu sehen ist.

„Mein Schwiegervater ist Maurermeister und ich habe eine Meisterausbildung gemacht, um mich fachlich für die Denkmalpflege weiterzuentwickeln“, erklärt Schultebraucks. Eine Liebe zu alten Dingen, zu Denkmälern und Geschichte, hatte Schultebraucks schon immer. „Ich habe im Alter von 20 Jahren mit diesem Hobby angefangen.“ In seiner Heimatstadt Dortmund habe er schon ein Jugendstilhaus restauriert, schließlich folgte die Burg Vellinghausen.

Sein Hobby zum Beruf machen wollte er aber nie, Restaurator zu werden war keine Option. „Ich bin begeisterter Pädagoge“, sagt Schultebraucks und schlendert im Schatten der Trauerweide an der alten Gräfte entlang.

Bis vor Kurzem war er Schulleiter an der Schule an der Rosenau in Bad Sassendorf. „Ich kann mit Begeisterung verschiedene Dinge tun, aber die Pädagogik hat eindeutig den Schwerpunkt in meinem Leben ausgemacht.“ Sowohl in der Sonderpädagogik als auch im Denkmalschutz gehe es darum, etwas Gefährdetes – einen als schwierig geltenden Menschen oder ein altes Gebäude – zu etwas Positivem zu verhelfen.“

Gut gefüllte Tage und viele Projekte

Es sei ihm schwer gefallen, in der Schule aufzuhören und in den Ruhestand zu gehen, sagt Schultebraucks. Er werde noch weiter als sonderpädagogischer Berater tätig sein und außerdem müsse er keine Sorge haben, dass Langeweile aufkommen könnte. „Meine Tage sind gut ausgefüllt. Ich nehme mir für jeden Tag ein neues Projekt vor. Außer wenn die Sonne scheint, da lasse ich auch mal Projekt Projekt sein und setze mich eine Zeit lang auf die Terasse.“ Von dieser kann er das gesamte Areal überblicken: Die Grüne Wiese mit einigen Obstbäumen, zur Rechten einige Weiden mit Pferden, zur Linken Pferdestall, Torhaus und den geflasterten Hof.

Wenn Schultebraucks von seinem Beruf und seinem zeitaufwendigen Hobby erzählt, wirkt er dabei unglaublich zufrieden. Immer wieder schwenkt sein Blick begeistert über die Burg, die mit den alten Linden so verwunschen wirkt, und erkennt in der Gräfte ein Nest mit Wasserhühnern. Enten, Fische und Frosche schwimmen durch die Gräfte, die Äste der Weide bedecken an manchen Stellen das Wasser.

Für seine Ausgeglichenheit hat Schultebraucks eine einfache Erklärung: „Alte Gebäude strahlen für mich Ruhe und Geborgenheit aus. Innere Ruhe bei vielfältigen Aufgaben ist wichtig und kommt von so einem Ort.“ Frohgestimmt durchs Leben zu gehen sei seine Philosophie, dann sei auch Negatives besser zu schaffen. „Es gibt auch bei mir belastende Momente, sei es in der Schule oder beim Bauen. Es ist natürlich nicht schön, wenn man zum Beispiel wieder Schäden am Gebäude erkennt. Aber wenn man vieles gern tut, dann fällt auch die Einzelaufgabe leichter.“

Einzelaufgaben hat Schultebraucks einige angepackt in der Zeit, seit er auf der Burg Vellinghausen lebt. Gerade wird die Böschung an der Gräfte erneuert, in den Nebengebäuden sind durch seine Restaurationsarbeiten sechs Mietswohnungen entstanden und gerade hat er unter anderem noch eine Mauer zum Schutz vor Erdrutschen an der Gräfte gebaut. „Ich arbeite gern mit den Händen. Da sieht man die Ergebnisse, das ist schön“, erklärt er.

Er sei immer offen für Führungen und Veranstaltungen auf der Burg. „Das Interesse der Menschen an so einem Gebäude ist eine Art Anerkennung, ich freue mich, dass alles so geworden ist“, sagt er.

Burg als kultureller Punkt in Vellinghausen

Er erinnere sich besonders an den „Tag des offenen Denkmals“, der in diesem Jahr schon zum dritten Mal auf der Burg veranstaltet wurde. Außerdem hat die Avantgarde ihr 60-jähriges Bestehen hier gefeiert, und ein ökumenischer Gottesdienst wurde abgehalten. „Wenn man die Begeisterung für ein Baudenkmal spürt, tut das gut“, lächelt Schultebraucks. Vellinghausen sei seine Heimat, die Burg sehe er als einen wichtigen kulturellen Punkt im Ortsteil, aber auch in der Gemeinde.

Wenn es in der Familie etwas zu feiern gibt, werde das meist auf der großen Terrasse mit Blick auf die Gräfte und den Garten getan. „Ich bin gern draußen“, sagt Schultebraucks. Deshalb arbeitet er auch am Laptop, den er entweder mit in den Garten nehmen kann oder „zum Ärgernis meiner Frau“ auch auf dem Küchentisch deponieren könne. Jeden Nachmittag nach dem gemeinsamen Kaffeetrinken Schultebraucks, seine Frau und Tochter Lisa einen Spaziergang um die Burg oder das Gelände. „Dabei kann ich gut abschalten und denke dann nicht daran, was alles gemacht werden muss. Ich konzentriere mich immer auf die Dinge, die ich tue. Wenn ich spazieren gehe, gehe ich eben spazieren. Was man macht, muss man auch voll tun.“ - lau

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