Maststall-Bau zwischen Illingen und Scheidingen beginnt

Illingen - Illingens Ortsvorsteher Helmut Peters ist sauer. Er beobachtet Baggerarbeiten auf der Ackerfläche zwischen Scheidingen und Illingen.

Dort soll der neue Hähnchenmaststall für 29 000 Tiere nahe der alten Bahntrasse errichtet werden. Offenbar würden hier die Zuwegung und das Fundament des zukünftigen Hähnchenstalls gebaut. Die Gemeinde Welver hatte per Beschluss dazu mit Mehrheit von SPD, Grünen, FDP und Fraktion Welver 21 eine Zustimmung verweigert.

Der Kreis Soest als zuständige Baubehörde hat inzwischen aber das Einvernehmen ersetzt und Mitte Juli die Baugenehmigung erteilt. Dazu erläutert Pressesprecher Wilhelm Müschenborn: „Mit der Baugenehmigung haben wir das gemeindliche Einvernehmen ersetzt. Dagegen kann die Gemeinde klagen und hat dabei die übliche Monatsfrist. Klage und Widerspruch haben bei Baugenehmigungen keine aufschiebende Wirkung. Auch nach Klageerhebung der Gemeinde bis zu einer gerichtlichen Entscheidung dürfte der Stall weiter gebaut werden.“

Dagegen will Helmut Peters jetzt vorgehen: „Wir sind es den Scheidingern und Illingern schuldig, diesen Landschaftsbereich so zu erhalten, wie er ist und es ist doch Unsinn am Salzbach Renaturierung zu betreiben und 500 Meter weiter einen Maststall neben ein bestehendes Biotop zu bauen. Er will mit Bürgermeister Schumacher und den Fraktionsvorsitzenden von SPD, FDP und Grünen sowie Mitgliedern der neuen Fraktion „Welver 21“ einen Dringlichkeitsbeschluss fassen und einen Baustopp herbeiführen. Auch Mitglieder aus der CDU und BG-Fraktion möchte er möglichst mit ins Boot holen.

Noch bis Mitte August hätte die Gemeinde Zeit gehabt, eine Klage gegen die Baugenehmigung einzureichen. Doch lange bevor die Frist abgelaufen ist, haben die Baumaschinen die Initiative übernommen. „So werden Tatsachen geschaffen, ehe über eine Klage überhaupt entschieden worden ist“, hinterfragt Helmut Peters den Sinn eines solchen Vorgehens.

Wird Artenschutz zu wenig berücksichtigt?

Er kritisiert nach wie vor, dass Belange des Artenschutzes gegenüber der Gemeinde Welver überhaupt nicht erläutert worden sind. „Hier werden Lebensräume vieler Arten zerstört“, befürchtet der Ortsvorsteher. Ein Artenschutz-Gutachten für die Umgebung habe er in der Auseinandersetzung bisher nicht gesehen.

Beispielsweise befindet sich unmittelbar neben dem Bauplatz ein Biotop, das Helga und Manfred Biermann vor über zehn Jahren angelegt haben. Auf dem 8 000 Quadratmeter großen Areal haben sie nach eigenen Angaben sogar Vorkommen des seltenen grünen Laubfrosches gefunden. Sie zeigen sich darüber höchst irritiert, dass der Kreis Soest sie bei der Artenschutz-Überprüfung scheinbar übersehen hat. „Wir wurden nicht befragt und unser Biotop wurde nicht einmal besichtigt“, kritisieren sie eine solche Baugenehmigung.

Peters hat Bürgermeister Schumacher aufgefordert, jetzt an dem Dringlichkeitsbeschluss mitzuwirken und für den Baustopp einzutreten. Auch müsse die Klage von einem Fachanwalt ausgearbeitet und umgehend eingereicht werden, um den Maststall noch zu stoppen. Einer gerichtlichen Auseinandersetzung sehe er gelassen entgegen. Weiterhin müsse die Politik nunmehr dazu kommen, auch Außenbereiche der Gemeinde Welver weitgehend zu überplanen, um zukünftig besser gegen solche Bauvorhaben vorgehen zu können.

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