Margret Edingloh aus Dinker

Diese Erzählerin lässt Märchen aufleben

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Margret Edingloh (rechts) erzählte den kfd-Frauen Märchen - natürlich vor der Corona-Krise.

Welver-Dinker - „Es war einmal...“, so beginnen die meisten Märchen. Und so begann auch das Dasein als Märchenerzählerin von Margret Edingloh aus Dinker.

„Vor sechs Jahren besuchte ich ein Märchenerzähler-Event in Dinker und das freie Erzählen hat mich so sehr in den Bann gezogen, dass ich es selbst einmal ausprobieren wollte“, sagt Edingloh. Sie belegte danach viele Seminare in der VHS Bönen und auch heute trifft sie sich noch jeden Mittwoch mit anderen Märchenerzählern, um die Geschichten einzuüben. 

„Es gibt Zeiten, da schwelgte ich nur in Märchen und konnte an nichts anderes denken, als die Prinzen, die die Prinzessinnen befreien oder gegen Drachen kämpfen“, erklärt Edingloh und fügt hinzu, dass es für einen professionellen Märchenerzähler Vieles zu beachten gibt: „Es ist wichtig, Atem- und Sprechübungen zu machen. Auch die Mimik und Gestik müssen zum Märchen stimmig sein, sonst geht die Ausstrahlung verloren.“ 

Geschichten für alle Anlässe

Margret Edingloh ist Gründungsmitglied des Erzählkreises Hamm. Auf der Internetseite (www.erzaehlkreis-hamm.de) kann man die Märchenerzähler für unterschiedliche Anlässe buchen auch im Kreis Soest. Da ist es ganz egal, ob nun zu Hochzeiten oder Kindergeburtstagen. Aus etwa 16 Erzählern könne man frei wählen, manchmal seien auch mehrere Märchenerzähler verfügbar. Die Märchen können je nach Anlass ebenfalls ausgesucht werden, damit sie thematisch passen. Zum Frauentag bei der kfd Welver (vor der Corona-Krise) trug die 70-Jährige zum Beispiel Fabeln vor, in denen Mädchen und Frauen die Hauptrolle spielen. Aus ihrem breiten Repertoire wählte Edingloh so unter anderem eine orientalische Liebesgeschichte, das kluge Gretel aus der Sammlung der Brüder Grimm und ein chinesisches Märchen. 

Kleine Runde wurde immer größer

Als Edingloh mit der Ausbildung zur Märchenerzählerin angefangen hat, wurden Märchen in einer kleinen Runde vorgetragen. Daraus entwickelten sich rund 60 Märchen aus aller Welt, auf die die Dinkeranerin inzwischen zurückgreifen kann. Edingloh betont, dass nicht-deutsche Geschichten andere Themenschwerpunkte wie Freundschaft oder Güte haben. Im Ausland sei die Mentalität der Menschen anders, was sich dann auch in den Märchen widerspiegele. 

Im Raum Hamm findet seit fünf Jahren meist im Mai auch der Fabelfrühling mit dem Motto „Sieben Orte, 1000 Worte“ statt – für einen guten Zweck. Aber auch privat lädt Edingloh gern zu Erzählkreisen ein. Die Veranstaltung „Märchen unter Birken“, bei der rund 60 Personen in ihrem eigenen Garten eine Stunde lang ausgewählten Geschichten lauschen, erfreut sich in der Region großer Beliebtheit, war bei der fünften Auflage im vergangenen Jahr früh ausverkauft. 

„90 Prozent meiner Zuhörer sind Erwachsene. Sie genießen die Entschleunigung und das bloße Zuhören“, freut sich Edingloh. Das Märchenerzählen könne noch schöner gestaltet werden, wenn Musiker dabei sind. „Die Klänge einer Harfe, einer Kalimba oder eines Cellos sind für die Zuhörer ein Highlight.“ 

Bei den Grimmschen Märchen gebe es übrigens einen Ehrenkodex unter den Märchenerzählern, erklärt Edingloh, diese werden auswendig und wörtlich wiedergegeben. Sie freut sich schon darauf, ihrem kürzlich geborenen Enkel diese Geschichten zu erzählen. 

Wichtig ist Edingloh, dass jeder Erzähler unterschiedlich ist: „Sie können dieselbe Fabel von verschiedenen Erzählern vorgetragen bekommen und es sind immer noch Unterschiede zu erkennen. Jeder hat seinen eigenen Stil.“ Die Märchenerzählerin aus Leidenschaft ist glücklich über das Revival alter Geschichten. Sie hofft, dass sich immer mehr Menschen dafür begeistern.

VON VANESSA MOESCH

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