Mit Pfarrer Klein-Doppelfeld verliert Welver eine Institution

Eberhard Klein-Doppelfeld starb in Essen im Alter von 77 Jahren.

Welver/Soest -  Wer nicht kritisch ist, kann auch nichts verbessern“, sagte Eberhard Klein-Doppelfeld vor einiger Zeit im Gespräch mit dem Anzeiger. Er war eine moralische Instanz, eine ehrliche Haut ,ein Seelsorger im wörtlichen Sinne. Seit Sonntag ist die markante Stimme von Eberhard-Klein-Doppelfeld verstummt. Er starb in Essen im Alter von 77 Jahren.

Welver trauert seitdem um eine seiner größten Persönlichkeiten. Sein Nachfolger, Pastor Andre Aßheuer, hat ein Bild des Geistlichen mit Blumengesteck und Kondolenzbuch in der Bernhard-Kirche platziert. Die Welveraner haben auch die Möglichkeit, eine Kerze anzuzünden. Der Sarg soll im Laufe der Woche aufgebahrt werden, so dass jeder die Möglichkeit bekommt, sich noch einmal von „EKD“ zu verabschieden. Seelenamt und Beisetzung in der Priestergruft sind für kommenden Samstag vorgesehen.

Es gibt in Welver wohl kaum eine katholische Familie, die nicht von einer Begegnung mit Eberhard Klein-Doppelfeld berichten kann. Über den Mann, der so erfrischend ehrlich seine Meinung – mitunter auch gegen die offizielle Haltung der Kirchenoberen – sagte, stets über den Tellerrand hinausblickte und für jeden ein offenes Ohr hatte. Wer er ihn fragte, bekam eine Antwort ohne Girlanden, aber mit viel Herz.

„Kritische Solidarität: Das ist meine Einstellung zu meinem Arbeitgeber“, hatte er einmal gesagt – und gelebt. So hat er schon lange vehement weibliche Priester gefordert. „Dass Frauen nicht zugelassen werden, das ärgert mich. Wo leben wir denn?“ Auch bei Ökumene war er dem Zeitgeist und erst recht vielen seiner Kollegen weit voraus. Dieses Jahr hätte ein ganz Besonderes für ihn werden sollen. Das 50-jährige Priesterjubiläum ist im im Kalender markiert und auch eine seiner beliebten Pilgerreisen stand an, diesmal nach Kroatien. Nach Vikariatsjahren in Menden und Schwerte wurde Eberhard Klein-Doppelfeld 1979 Pfarrer in Welver. Sein Amt füllte er leidenschaftlich und mitunter auch gewieft aus, wenn es um das Wohl seiner Sankt-Bernhard-Gemeinde ging.

2009 wurde er nach 30 intensiven Jahren verabschiedet. Seitdem lebte er einer Wohnung in der Soester Innenstadt, keineswegs zurückgezogen. Wichtig waren ihm nämlich immer „die vielen, guten Menschen“. Weihnachten hatte er in St. Patrokli noch eine eine Christmette zelebriert.

Zuletzt setzte sich Eberhard Klein-Doppelfeld mit aller Wucht für den Bau des Hospizes in Soest ein. So groß wie das Herz des Geistlichen für dieses ehrgeizige Projekt, das weitgehend auf Spenden angewiesen ist, so groß ist auch die Summe der Spenden, die Klein-Doppelfeld dafür überwiesen hat – insgesamt eine sechsstellige Summe. „Das Prinzip des Hospizes, nämlich Menschen beim würdevollen Sterben zu begleiten, ist ein zutiefst christliches Prinzip, das mein ganzes Leben entscheidend mitgeprägt hat“, erklärte er seinen wichtigsten Beweggrund. Er hat bis zum Tod mit der für ihn typischen Kraft gelebt. Sein Abschied nahte nach einer kurzen Krankheit, ohne langes Siechtum. Auf direktem Weg. Seinem Weg.

Trauerfälle und Kondolenzbücher unter www.trauer.nrw.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf soester-anzeiger.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare