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Lärm an der Bahn kostet Anwohnern den Schlaf

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Von: Dirk Wilms

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Die Arbeiten an der Schallschutzwand an der Bahnlinie in Welver sind mit reichlich Lärm verbunden.
Die Arbeiten an der Schallschutzwand an der Bahnlinie in Welver sind mit reichlich Lärm verbunden. © Dirk Wilms

Manfred Möller wohnt seit fast einem Vierteljahrhundert am Sperberweg in Welver, nur einen Steinwurf von der Ladestraße entfernt. Und damit auch nur einen Katzensprung von der Bahnlinie, wo die Züge aus dem Welveraner Bahnhof kommend in Richtung Osten Fahrt aufnehmen oder in der Gegenrichtung abbremsen. In all den Jahren hat er die stählernen Ungetüme, die entweder Passagiere oder Frachtgut von oder nach Soest oder Hamm befördern, kaum gehört.

Welver - „Ich habe früher in Duisburg in der Nähe der Bahn gelebt, in den ersten zehn Jahren in Welver an der Hermann-Löns-Straße waren die Gleise auch nicht weit entfernt“, ist er die Geräusche, die mit dem Betrieb der Eisenbahn unweigerlich verbunden sind, längst gewöhnt. Derzeit aber bringt ihn der Lärm, der mit der Bahn verbunden ist, um den Schlaf. Denn der Bau von Schallschutzwänden entlang der Gleise ist mit erheblichen Unannehmlichkeiten für ihn und seine Nachbarschaft verbunden.

„Ich kenne es schon seit vielen Jahren, dass die Lastwagen, die Edeka beliefern, viel Krach machen. Jetzt aber ist der Lagerplatz für die Baustelle an der Bahn direkt bei uns gegenüber. Da wird spätabends und nachts rangiert und abgeladen. Wenn die Lkw rückwärts fahren, machen sie einen Piepton“, ist der Welveraner von dem Lärm genervt. „Wir können jetzt im Sommer kaum mit offenem Schlafzimmerfenster schlafen“, beklagt er eine massive Störung der Nachtruhe.

Und es ist nicht der Lärm allein, der auch mit dem Rammen der Stahlträger für die Wände in den Erdboden verbunden ist. Vielmehr stören auch die Flutlichter, die nachts die Baustelle erleuchten. „Das ist taghell“, ist er seit Wochen vielfach um den Schlaf gebracht, sehnt den Tag herbei, an dem die Bauarbeiten endlich vollzogen sind.

Danach sollte es für ihn und alle Welveraner nördlich der Bahnlinie deutlich ruhiger werden. Denn die Deutsche Bahn errichtet zurzeit zwei Schallschutzwände entlang des Bahnkörpers in Welver. Die Wände haben eine Gesamtlänge von rund 1,8 Kilometern. Sie verlaufen in erster Linie auf der südlichen Seite der Bahn in etwa vom Aldi in der Ladestraße über den Haltepunkt Welver bis zum Ortsausgang in Richtung Hamm über die Straße Im Mühlenfeld. Startschuss der Arbeiten war bereits im Februar. Seit Anfang Juli laufen die Hauptbauarbeiten.

Wie ein Bahnsprecher erläuterte, erfolgt der Bau aufgrund des bestehenden Zugverkehrs in der Nacht. Deswegen kommt es noch bis Freitag, 24. September, jeweils von 21 Uhr bis 5 Uhr in der Frühe zu den von Manfred Möller geschilderten Lärmemissionen.

In diesen Tagen richten die Fachfirmen hauptsächlich die Pfosten auf. Zwischen diesen Pfosten entsteht später die Wand, bestehend aus einem Sockelelement aus Stahlbeton und den Aluelementen. „Während der Arbeiten ist mit Lärm zu rechnen, vor allem beim Rammen der Rohre“, hat die Bahn schon im Vorfeld per Postwurfsendung die angrenzenden Haushalte informiert.

Auf der Südseite sorgt der schon seit Jahrzehnten bestehende Wall entlang Ostbusch und Schwarzem Weg dafür, dass die Anwohner kaum etwas hören von den Bauarbeiten. Die Anwohner im südlichen Abschnitt des Pferdekamps müssen derweil weiter mit den Geräuschen vorbeifahrender Züge leben. Für Anwohnerin Helga Kruse aber kein Problem. „Wir nehmen die Züge weniger wahr als manche Autos, deren Fahrer oft nochmal richtig Gas geben, wenn sie noch über die Gleise fahren wollen, ehe die Schranke runtergeht.“ Die Bauarbeiten sind dort kaum zu hören.

Die Bahn plant ihrem Sprecher zufolge, die abschließenden Arbeiten im Herbst vorzunehmen, und zwar von Freitag, 5. November, bis Freitag, 19. November. In diesem Zeitraum ist – wie auch derzeit – mit Sperrungen der Bahnstrecke zwischen Soest und Hamm zu rechnen. Danach aber sollte die Fertigstellung der Wände erfolgt sein und auch Manfred Möller wieder ohne Lärmbelästigungen in den Schlaf finden.

Die Deutsche Bahn investiert allein in Welver rund drei Millionen Euro. Die Maßnahme ist Teil des Programms „Lärmsanierung an bestehenden Schienenwegen der Eisenbahnen des Bundes“, das seit 1999 finanziert wird. Rund 1,7 Milliarden Euro wurden seither investiert – rund 146 Millionen Euro waren es allein im vergangenen Jahr. Maßnahmen an bislang 2039 Streckenkilometern wurden umgesetzt, unter anderem wurden 680 Kilometer Schallschutzwände errichtet.

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