Schätze in alten Pfarrhäusern

Königsbesuch in Dinker: Pfarrer Werner Vedder findet alte Dokumente

Dinker – Viele Pfarrhäuser sind wahre Schatzkammern. Häufig liegen auf den Dachböden oder in den Archiven Dokumente, die nicht nur besonders geschichtsinteressierte Menschen ansprechen. Ein ganz besonderer Fundort ist in dieser Beziehung Dinker. Hier hat Pfarrer Werner Vedder schon so manches Schätzchen gehoben.

Zum Beispiel liegt dort die vermutlich älteste Bibel des Kreises Soest. Zu den Besonderheiten gehören aber auch eine Urkunde, eine Kirchenagende und diverse Einträge, die davon zeugen, dass der preußische König Friedrich Wilhelm III. in Dinker war. „Das war 1821“, weiß Vedder und präsentiert das entsprechende Schriftstück, das Zeugnis vom Besuch seiner Majestät gibt: „Der König hat im damals noch neuen Pastorat übernachtet.“ 

Der Besuch in der Börde hat ihm so gut gefallen, dass er der Kirchengemeinde ein Altarkruzifix mit den dazu passenden Leuchtern aus Gusseisen geschenkt hat. Der Hintergrund für diesen Besuch lag ein paar Jahre zurück, wie Geschichtsforscher Vedder weiß. Im September 1817, zum 300. Jubiläum des Thesenanschlags von Luther, hat der preußische König Friedrich Wilhelm III. die Union zwischen reformierten und lutherischen Christen verfügt. 

Vedder: „Dinker tritt der Union noch im gleichen Jahr bei.“ Vier Jahre später folgt der König-Besuch bei den treuen Untertanen. Ihre Verbundenheit zu seiner Majestät beweist die Kirchengemeinde auch in den folgenden Jahren: 1821/22 lässt der Monarch eine neue unierte Kirchenagende für die Hof- und Domkirche zu Berlin herausgeben. 

Diese Agende sollte in allen preußischen Gemeinden eingeführt werden. „Dinker“, so Vedder, „nimmt sie bereits 1824 an und wird vom König mit einer Goldschnittausgabe des Agendenbuchs belohnt.“ Das Buch trägt neben dem königlichen Logo die Nr. 25. Vedder: „Von allen gedruckten Exemplaren, die in Preußen vertrieben wurden, erhielt Dinker also eine der ersten Ausgaben. Dazu noch versehen mit einer persönlich vom König unterzeichneten Widmung.“ 

Werner Vedder findet die Beschäftigung mit der Kirchengeschichte seiner Gemeinde so spannend, dass er es nicht nur bei der eigenen Recherche belassen will: „Für das Wintersemester 2020/21 habe ich ein Kontaktstudium in Münster beantragt, um diese Entwicklungen unserer heimischen Gemeinde noch genauer studieren zu können.“ Text: Hans-Albert Limbrock (Sprecher des ev. Kirchenkreises Soest)

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