Kirchenbücher gewähren Blick in die Borgeler Geschichte

Joachim Rüffer, Hermann Oltmanns (beide Arbeitskreis Genealogie), Pfarrerin Petra Savvidis, Hans-Dieter Bödecker (Arbeitskreis) und Kirchmeisterin Irmhild Hansen mit den nun bestens lesbaren Kirchenbüchern. Foto: Schröter

BORGELN - Sieben Bände, die einen Blick in die Borgeler Vergangenheit gewähren, übergab nun der Arbeitskreis Genealogie des Soester Vereins für Geschichte und Heimatpflege an die Kirchengemeinde Borgeln. Es sind die Abschriften aus den mehrere hundert Jahre alten Kirchenbüchern, in denen Taufen, Hochzeiten und Todesfälle verzeichnet sind.

Eine interessante Lektüre für heimatgeschichtlich ambitionierte Leser – und eine tolle Hilfe für Ahnenforscher.

Nicht immer beschränken sich die Kirchenbücher auf die reine Statistik. „.Ein Wittwer und seit der Franzosen Zeit in den Jahren 1809 und 1810, wo sein Sohn Soldat werden mußte, wurde er ein Gottes u. Abendmahls Verächter. Er war sehr dumm u. hatte nicht viel getan“ , ergänzt der damalige Pfarrer den Todeseintrag des 1828 verstorbenen Ackerbauern. Auch Vermutungen zur Todesursache („Schwindsucht“, „Engbrüstigkeit“, „blutige Diarrhoe“) finden sich reichlich. Hauptsächlich handelt es sich bei den Einträgen aber um nüchterne Daten: Name, Wohnort, Datum der Taufe, des Todes oder der „Copulation“ (Heirat).

Daten, die so gesehen zwar nicht neu entdeckt wurden, aber dafür nun einfach zugänglich sind. Statt in den stark verfallenden Originalen die krakelige Handschrift des Verfassers entziffern zu müssen, können sich Geschichtsinteressierte und Ahnenforscher nun eine saubere Auflistung in gedruckten Tabellen durchlesen. Mehr noch: Ein Namensregister zu jedem im jeweiligen Band vorkommenden Nachnamen ermöglicht das schnelle Finden der Vorfahren – eine tolle Hilfe für den Blick zurück in die Geschichte der Familien aus „Bervike“, „Blomenrot“ oder „Hattropholzen“.

Verantwortlich dafür zeichnet der „Arbeitskreis Genealogie des Vereins für Geschichte und Heimatpflege Soest“, bestehend aus Hans-Dieter Bödecker, Hermann Oltmanns und Joachim Rüffer. Die versierten Heimatforscher übertragen bereits seit den 90er Jahren die Kirchbücher der Kreisstadt und der umliegenden Gemeinden. An den Borgeler Daten arbeiteten sie seit 2007, nach dem Vier-Augen-Prinzip: „Zunächst übersetzt einer von uns ein Buch nach bestem Gewissen, anschließend wird es von einem anderen kontrolliert und strittige Fälle besprochen. Dadurch erreichen wir eine hohe Genauigkeit“, erklärt Bödecker. Natürlich stoßen aber auch die Experten an ihre Grenzen, wenn Einträge unvollständig sind oder allzu verwirrend.

Dankbar für die herausragende Leistung ist auch der dorfeigene Arbeitskreis Heimatpflege Borgeln, der gerne intensiver mit den Soester Kollegen zusammenarbeiten möchte: „Da können wir ein Dorf mit Namen füllen, können bislang bekannte Dorf-Geschichte weiter ergänzen“, freut sich Ortsheimatpfleger Friedrich Hesse. Besonders, weil die Kirchenbücher bis ins Jahr 1689 zurückreichen, sind sie eine wertvolle Informationsquelle.

Die Soester Forscher haben derweil schon das nächste Projekt vor Augen: Aus Bielefeld haben sie die eingescannten Kirchenbücher der evangelischen Gemeinde Welver angefordert... - tob

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