Kirche bezieht Stellung in der Funkturm-Diskussion

SCHWEFE ▪ Der Leserbrief von Otto Häckel („Der Wahrheit die Ehre“) zum Thema Funkmast in Schwefe veranlasst die Kirchengemeinde, in diesem Zusammenhang über Hintergründe zu informieren, die zur Kündigung der Funkantenne im Kirchturm im Jahr 2009 geführt haben.

Das Presbyterium, Pfarrerin Dr. Petra Savvidis und Kirchmeister Heinrich-Georg Trelle äußern sich in ihrer Stellungnahme wie folgt:

„Bereits seit dem Jahr 2002 wurden aus der Gemeinde Bedenken und Sorgen an das Presbyterium gerichtet. Hierbei wurde auf mögliche gesundheitliche Folgen der Funkanlage im Kirchturm hingewiesen. Diese Befürchtungen wiederholten sich in den kommenden Jahren. Auch Eltern von kleinen Kindern äußerten ihre Sorge. Das Presbyterium hat diese Sorgen ernst genommen und eine Prüfung der Strahlungsbelastung beantragt.

Eine Auswertung des Betreibers, der T-Mobile Deutschland GmbH vom 28. Oktober 2002 kam zu dem Ergebnis, dass die in Deutschland geltenden Grenzwerte bei der Anlage in Schwefe deutlich unterschritten werden. Ein weiteres Gutachten des unabhängigen Institutes ECOLOG vom Mai 2003 bestätigte diese Aussage, empfahl allerdings der Kirchengemeinde, die vom Betreiber gewünschte Aufrüstung der Anlage ab dem Jahr 2010 wegen der dann eintretenden Mehrbelastung zu untersagen.

Die evangelische Kirche von Westfalen, zu der alle Kirchengemeinden im Kirchenkreis gehören, hat sich in dieser Frage deutlich geäußert und 2001 und 2003 in Publikationen empfohlen, keine neuen Anlagen zu installieren und die Verlängerung bestehender Anlagen daraufhin zu überprüfen, ob Ausweitungen geplant seien. Der Nutzungsvertrag der Anlage im Schwefer Kirchenturm war bis zum November 2009 befristet. In zwei Verhandlungsgesprächen machte der Betreiber eine Vertragsverlängerung unmissverständlich von einer damit verbundenen Aufrüstung der Anlage abhängig. Die Kirchengemeinde schloss sich der Empfehlung des Gutachtens an und untersagte eine solche Aufrüstung. Die Konsequenz daraus war die Vertragsauflösung zum 30. November 2009. Die wurde im Februar 2008 beschlossen und der Betreiberfirma mitgeteilt, damit ausreichend Zeit zur Verfügung stünde, einen alternativen Standort zu finden. Dass das nicht gelungen ist, ist nun tatsächlich nicht der Kirchengemeinde anzulasten.

Die Entscheidungen des Presbyteriums in Schwefe sind einstimmig gefasst worden. Das Presbyterium folgte seinem Auftrag, nämlich für das Wohl der Menschen in der Gemeinde tätig zu sein. Über die gesundheitliche Gefährdung durch Strahlungsbelastung kann man unterschiedlicher Auffassung sein. Es ist weder zu belegen, dass sie ungefährlich ist, noch dass sie gefährlich ist. Die Sorgen von Gemeindegliedern aber sind ernst zu nehmen. Die Kirchengemeinde hat das Wohl der Menschen über die Frage nach dem Geld gestellt. Tatsächlich ist die Kirchengemeinde dringend angewiesen auf die hervorragende Arbeit des Fördervereins, aber nicht, weil sie den Vertrag für die Mobilfunktantenne nicht verlängert hat, sondern weil die Kirchensteuern nicht mehr so reichlich fließen und die Gebäude hohe Kosten verursachen. Das Presbyterium bemüht sich ständig, einzusparen und neue Geldtöpfe zu erschließen, aber eben nicht um jeden Preis. Dass Menschen in der Gemeinde sich um ihre und ihrer Kinder Gesundheit sorgten, war für das Presbyterium ein zu hoher Preis. Seit 2002 betreibt die Kirchengemeinde ein Windrad und „erntet“ dafür in jedem Jahr doppelt so viel Geld als die Mobilfunkanlage es je eingebracht hat. Dies ist eine zukunftsweisende Perspektive.“

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