Hauptschule Welver: Der Letzte macht das Licht aus

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Bye, bye alte Schule: Fast alle Hauptschüler kennen schon ihre nächste Bildungseinrichtung in Soest, Hamm oder Werl. 

WELVER - Im Sommer wird an der Welveraner Hauptschule ein letztes Mal der Pausengong ertönen. Von Endzeitstimmung ist an der Hauptschule jedoch noch keine Spur. Eine besondere Atmosphäre herrscht an der Wolter von Plettenberg Straße trotzdem...

„Auch wenn andere Schulen schon wegen Mobiliar angefragt haben, hier geht kein Stuhl und kein Tisch raus, bevor die Schule nicht das Licht aus gemacht hat“. Heike Verspohl (51), schon seit 1997 als Lehrerin an der Ganztags-Hauptschule in Welver und seit 2013 für den nach Bönen gewechselten Schulmeister Reinhard Engler die kommissarische Rektorin, verspricht allen 97 verbliebenen Schülern, dass an der Wolter von Plettenberg Straße bis zum letzten Schultag in der 26. Kalenderwoche 2015 „Schulbetrieb as usual“ durchgezogen wird. Keiner, weder Schüler, Eltern noch Lehrer, soll in den letzten Monaten und Wochen das Gefühl haben, dass die Schule nur noch abgewickelt wird.

Leerer Schulhof: Ein Bild, an das sich Welver gewöhnen wird. Was aber kommt nach der Ganztags-Hauptschule?

Zurzeit arbeitet das Kollegium an den vorletzten Zeugnissen in der 46-jährigen Geschichte der Hauptschule. Erstmals 1968 wurde die weiterführende Schule in der Gemeinde Welver eingeführt, 1990 erfolgte dann der Umbau zur Ganztagsschule. Fast ein Vierteljahrhundert später kommt jetzt das Aus. Doch gibt es zurzeit noch sechs Klassenverbände und vier Jahrgänge in der Schule. Die Jahrgangsstufen neun und zehn sind mit je zwei Klassen und die Stufen acht und sieben mit je einer Klassenstärke vertreten.

„Es wird immer leerer“

Für die kommissarische Rektorin Heike Verspohl ist es von großer bedeutung, dass der Schulbetrieb bis zum Schluss gut läuft.

„Es wird immer leerer, Platz greift immer mehr um sich. Das Besondere an der Abwicklung der Schule in Welver ist, dass in dem Schulgebäude keine andere Schule nachwächst“, erklärt Schulleiterin Heike Verspohl die leicht gedrückte Stimmung bei Schülern und Lehrern. Ärger und Enttäuschung über die Entscheidung, die Schule dicht zu machen, sind einigermaßen verflogen. Man hat sich arrangiert. Die Lehrer allerdings wissen im Gegensatz zu den meisten Schülern noch nicht, wo es für sie weiter geht. Sie hoffen, dass sie vom Schulamt wohnortnah an ihre Wunschschulen versetzt werden, so weit dies möglich ist. Für die jüngeren noch einmal der chancenreiche Start in eine neu Zukunft, für die Älteren hoffentlich ein angenehmes Klima vor dem Ruhestand. Immerhin muss kein Pauker die Arbeitslosigkeit befürchten. Von ihren Schülern weiß Heike Verspohl, dass über 90 schon eine neue Schule in Hamm, Soest, Werl oder anderswo gefunden haben.

Merkwürdige Ruhe in der Schule

In den vergangenen beiden Jahren haben rund 80 Schüler und – weil es auch immer weniger Klassen gibt –´ auch fünf Pädagogen die Einrichtung verlassen. Deshalb verspürt Heike Verspohl eine merkwürdige Ruhe auch während der Schulzeit. Lehrer, die eine Freistunde haben, sitzen alleine im Lehrerzimmer. Da kommt immer wieder der überwiegend traurige Gedanke hoch, dass von dieser Schule bald alle auseinander gehen müssen.

Großes Finale mit Chronik und Tanzshow

Hausmeister Franz Schnier wartet auch jetzt noch die Heizungsanlage. Im Sommer geht es für ihn in den Ruhestand

Für Hausmeister Franz Schnier (62), der seit 1985 an Hauptschule die Technik und das Interieur betreut, ist nach 30 Jahren ebenfalls der Abschied abzusehen. Als 1952er Jahrgang kommt für ihn die Rente mit 45 gerade richtig. Im Sommer geht es für den lebenslang sportlichen Mann für alle Fälle in den Ruhestand. Aber zurzeit hat er mit Instandhaltung und Reparaturen noch alle Hände voll zu tun, denn die Haustechnik von der Heizung bis zum Brandschutz muss aus Sicherheitsgründen natürlich voll in Takt bleiben. Auch die Außenanlagen wollen gepflegt sein. Zuletzt musste nach den Januar-Stürmen noch einmal tüchtig Laub gefegt werden. Schönheitsreparaturen gibt es aber nicht mehr. Im letzten Sommer wurde letztmals ein Klassenraum renoviert.

Das Finale der Penne wird übrigens nicht sang und klanglos über die Bühne gehen: Der Abschied von der Ganztags-Hauptschule in Welver wird von zwei Großprojekten begleitet: Zwei Arbeitsgemeinschaften stellen bereits jetzt eine Chronik der Hauptschule mit alten Fotos und Informationen über die Geschichte zusammen. Die Chronik wird bis zum Schulschluss präsentiert.

Im April kommen dann die „Young americans“ eine US-amerikanische Künstlergruppe, die chorischen Gesang mit Choreografie verknüpft, an die Hauptschule. Vom 16. bis 18. April werden sie mit den Schülern aus Welver ein großes Gesangs- und Tanzprojekt erarbeiten, das am Samstag, 18. April, in der Bördehalle aufgeführt werden soll. Dafür sucht die Schule derzeit noch Spender, die den Förderverein bei der Finanzierung unterstützen.

Kontoverbindung des Fördervereins der Hauptschule: Sparkasse Soest, Konto-Nr. 70561709, BLZ 41450075.

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