Diskussion um Umgestaltung des Zentralorts Welver

Viele Händler befürworten Einbahnstraße

Bisweilen herrscht ein Durcheinander in der Straße „Am Markt“ in Welver. Das soll demnächst anders werden.
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Bisweilen herrscht ein Durcheinander in der Straße „Am Markt“ in Welver. Das soll demnächst anders werden.

Der Tenor ist nahezu einhellig. Wenn es nach der Mehrheit der Kaufmannschaft geht, die sich in Welvers Zentrum tummelt, müsste die Straße „Am Markt“ zu einer Einbahnstraße umfunktioniert werden. Das ergab eine Anzeiger-Umfrage im Vorfeld der noch in diesem Monat beginnenden Bürgerbeteiligung. Bei der sollen die Welveraner ihre Vorstellungen einbringen, wie die Mitte des Zentralorts ab dem nächsten Jahr umgestaltet werden soll.

Welver - Hartmut Sokolski, Inhaber des Druckshops direkt an der Straße Am Markt, ist einer der Wegbereiter, die dafür gesorgt haben, dass Welver überhaupt vom ISEK (Integriertes städtebauliches Entwicklungskonzept) profitiert. „Wir warten ja schon lange darauf, dass es endlich losgeht“, verweist er darauf, dass er schon seit Jahren dafür kämpft, dass was passiert in Welver. „Ich bin froh, dass unsere Bemühungen gefruchtet haben“, bezeichnet er die Bürgerbeteiligung als begrüßenswert.

Positiv sieht der Geschäftsinhaber, dass es noch vor dem Neubau des Bahnhaltepunktes mit dem Marktplatz und der Straße vor seiner Tür in 2022 und 2023 losgehen soll. Dabei verweist er auf die schon in Werkstattgesprächen vor drei Jahren und weiteren Treffen erarbeiteten Vorschläge. Demnach soll es auch seinen Vorstellungen nach eine Einbahnstraße geben mit der Einfahrt am Rathaus und der Ausfahrt am sogenannten Filetstück. „Die Autos können auf grätenförmigen Parkplätzen abgestellt werden. Damit könnte die Umgestaltung ohne Verlust von Parkraum erfolgen“, weiß er darum, dass vielen Kunden es ein Anliegen ist, vor die Tür fahren zu können.

Das soll aber auf einer verschwenkten Fahrbahn geschehen, was auch den Durchfluss verlangsamen würde. „Im Moment erleben wir ja tagtäglich eine Katastrophe bei dem Gegenverkehr“, ist für ihn die Schaffung einer Einbahnstraße alternativlos.

Eine weitere Maßnahme zum Bremsen des Verkehrsflusses wäre die Schaffung von Gastro-Zonen durch Zäune mit Pflanzenelementen. „Auf dem Marktplatz könnte man vom Optiker bis zum Rathaus-Eingang ein grünes Band schaffen, wo Sitzgelegenheiten auch für die Gastronomie geschaffen werden könnten“, schwebt ihm vor. Auch Erlebniszonen kann er sich vorstellen; auch direkt vor seinem Druckshop. „Da könnten wir Lesungen durchführen.“ Schließlich ist es ihm ein Anliegen, dass der Straßenbelag seniorengerecht verändert wird: „Die Hügel müssen weg!“

Mit dieser Forderung rennt er bei Optikerin Karin Consten offene Türen ein. „Ich erlebe oft Situationen, da stehen sich zwei Autos auf dem Hügel gegenüber, dann kommt noch ein drittes, dann ist das Chaos perfekt“, muss sie nur aus dem Fenster schauen, um zu erleben, dass dringender Handlungsbedarf besteht.

Dabei sieht sie es als geboten an, dass die Pflastersteine nicht nur auf den Hügeln durch glattes Material ersetzt werden. „Es ist für Leute mit Rollstuhl oder Rollator ganz schwierig, sich auf dem Pflaster fortzubewegen“, würde sie auch beim Anlegen veränderter Parkplätze nicht wieder auf das buckelige Gestein zurückgreifen. Diese würde sie an einer vom Kreisel am Rathaus beginnenden Einbahnstraße nur an einer Straßenseite schräg anlegen.

„Auf die Parkmöglichkeiten direkt auf dem Marktplatz würde ich aber auch nicht verzichten“, denkt sie auch an dieser Stelle an die Kunden oder auch die Rathaus-Besucher, die nicht gut zu Fuß sind. Ganz wichtig ist noch ein weiterer Punkt: „Schrittgeschwindigkeit im gesamten Bereich ist ein Muss!“

Raserei ein weiteres Übel

Das meint auch Clint Eisenblätter. Der Hörakustik-Geselle, der mit der Amplifon-Filiale neuerdings in der ehemaligen Marien-Apotheke am nördlichen Ende der einst als Fußgängerzone projektierten Straße angesiedelt ist, beobachtet seither, wie es direkt vor der Tür seines Ladens zugeht. „Wir sitzen ja hier direkt gegenüber der Post-Filiale. Da staut es sich ständig, weil es bei entgegenkommenden Autofahrern offenbar an der nötigen Kommunikation mangelt“, hat er schon Szenen erlebt, wo alle Beteiligten auf ihrem vermeintlichen Recht bestanden haben.

Als Auswärtiger, der täglich von Hamm zur Arbeit kommt und sein Auto auf den freien Flächen an der Starenschleife parkt, hat er auch andere Übel gesehen: „Es ist schlimm, wie manche in dieser 30er-Zone mit mehr als 50 durchrasen. Dabei spielen hier oft Kinder“, hat er kein Verständnis für rücksichtslose Zeitgenossen.

Er würde eine Einbahnstraße befürworten mit der Einfahrt am Rathaus und der Ausfahrt hinter der Post. Beim Parken mit Parkscheibe sollte die vorgeschriebene Stunde ausreichen für kleine Einkäufe.

Mehr Kulanz vom Ordnungsamt

In diesem Punkt würde sich Evelyn Berntgen von Blumen Wunsch etwas mehr Kulanz vom Ordnungsamt wünschen. „Für Ältere, die nicht mehr so gut zu Fuß sind, ist die Zeit knapp bemessen“, verweist sie zum Beispiel auf Besucher der Arztpraxen im Haus der Volksbank. Die Parksituation sei an Markttagen bisweilen katastrophal. Daher würde sie sich zusätzliche Parkmöglichkeiten im Bereich des Filetstücks an der Reiherstraße wünschen. Die Blumenhändlerin würde auch mehr Grün in der Straße begrüßen.

„Da könnte man durch mehr Pflanzen einige Ecken verschönern. Auch zusätzliche Sitzmöglichkeiten fände ich gut“, denkt sie an Passanten aller Altersklassen. Die Einbahnstraßenregelung würde sie auch vom Rathaus aus befürworten.

Sitzgelegenheiten sind auch Erwin Skrzypek vom Marktimbiss „Bei Bärbel“ ein Anliegen. „Wir wollen die Außengastronomie starten, wenn es wieder erlaubt ist“, leidet sein Betrieb momentan Corona-bedingt unter ganz anderen Sorgen. So ist ihm wichtig, dass zukünftig die Tische und Stühle wieder am Grünstreifen vor dem Lokal platziert werden können. Dabei sei es wichtig, dass die Straße nur in eine Richtung vom Rathaus aus befahrbar sein sollte. Parkplätze direkt vor seiner Tür brauche er nicht, da hinter dem Gebäude genügend Stellplätze für die Kunden vorhanden seien.

Bei der Bäckerei Neuhaus sind Parkplätze vor der Tür hingegen ein wesentlicher Faktor. „Wir haben derzeit zu wenig Parkplätze“, weiß Astrid Neuhaus um die Befindlichkeiten ihrer Kunden. Daher schlägt sie vor, dass die Autos auf dem Marktplatz wieder in zwei Reihen abgestellt werden können. Sehr gut vorstellen kann sie sich, dass die Autos künftig nur noch am Rathaus hereinfahren und an der Post raus. „Das machen die meisten sowieso schon“, beobachtet sie den Verkehr vor ihrer Bäckerei, die genau an der Ecke von Marktplatz und Straße „Am Markt“ liegt.

Wenn die Fahrbahn schmaler würde, wäre vielleicht auch mehr Platz für Tische und Stühle, wäre für die Bäckerei eine Erweiterung ihrer Außengastronomie durchaus vorstellbar. Zunächst einmal ist sie aber froh, dass es überhaupt losgeht. „Das ist eigentlich kaum zu glauben, wird doch schon so lange davon geredet“, glaubt sie es aber auch erst, wenn das Vorhaben in die Tat umgesetzt wird.

„Es soll so bleiben, wie es ist“

Eine ganz andere Meinung vertritt Stefan Löffler, der seit 32 Jahren den Kiosk am Markt führt. „Wir haben viele Kunden, die stehen unter Zeitdruck. Die wollen schnell auf dem Weg zur Arbeit bei uns rein. Die kommen nicht mit dem Fahrrad oder gehen zu Fuß“, argumentiert er gegen eine Einbahnstraße. „Es soll so bleiben, wie es ist“, plädiert er dafür, die Straße in beide Richtungen offen zu lassen.

„Wenn die Leute nicht direkt vors Geschäft fahren können, gehen sie woanders hin. Die Planer sollten sich mal in den Städten umschauen, wie sich das entwickelt hat, wo Fußgängerzonen oder Einbahnstraßen eingerichtet worden sind. Am Ende gehen alle zu den ganz Großen, die viele Parkplätze direkt vor der Tür haben.“

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