Anlage für 29.000 Tiere geplant

Hähnchenmast in Vellinghausen: Gemeinderat sieht sich machtlos

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In Vellinghausen soll ein Maststall für knapp 29.000 Hähnchen errichtet und betrieben werden.

Welver – Keiner will sie, doch die meisten Fraktionen im Welveraner Gemeinderat werden den Bau der Mastanlange für 29.000 Hähnchen in Vellinghausen wohl oder übel zähneknirschend hinnehmen. Man sei eben „machtlos“, weil die Gesetzeslage nun mal so ist, wie sie ist. Und daran habe man sich zu halten.

In einem fast hundert Meter langen Stall mit drei Futtersilos zwischen Vellinghausen und Hündlingsen soll der Maststall für die knapp 30.000 Vögel errichtet und betrieben werden. „Wir haben da wenig Handlungsspielraum“, sagt Tim-Fabian Römer von der Bürgergemeinschaft. Wenn man sich erfolgreich gegen so etwas stemmen wolle, müsse von der Gemeindeverwaltung Druck aufgebaut werden – etwa beim Städte- und Gemeindebund. 

Ähnlich sieht das Kay Philipper (Welver 21): „Wir haben den Apparat nicht“, so etwas zu verhindern. Baurechtlich sei bei der geltenden Gesetzeslage nichts gegen das Vorhaben auszurichten: Kurzum: „Wir sind nicht dafür, werden uns aber fügen.“ 

Grüne wollen "Druck von unten aufbauen"

Gar nicht fügen wollen sich die Grünen. „Wir wollen ein Zeichen setzen und Druck von unten aufbauen, dass ein solcher Hähnchenstall gerade mit Blick auf die laufende Klima-Diskussion nicht mehr in Betracht kommt“, sagt Fraktionschefin Cornelia Plaßmann. 

Fraktion und Ortsverband haben sich bereits zusammengesetzt und überlegt, wie ihr Protest möglichst effizient ausfallen könnte. Rat und Verwaltung sollten klar Nein zur Ansiedlung einer solchen „Tierfabrik“ sagen. Denn schon jetzt gebe es hierzulande eine Überproduktion an Fleisch. Man erwarte von der Landesregierung, solche Anlagen nur noch zu genehmigen, wenn besondere Ausnahmegründe geltend gemacht würden. 

Als „schlechten Witz“ empfinden die Grünen die Aussage von Wirtschaftsförderer Detlev Westphal, es gehe nur ums Planungsrecht; ethische, moralische oder klimatische Belange könnten nicht berücksichtigt werden. 

CDU sieht Bau- und Planungsrecht als Maßstab

Doch so wie Westphal sieht es auch CDU-Fraktionschef Wolfgang Daube. „Nicht ethisch-moralische Geschmacksfragen“ bildeten den Maßstab, nach denen man entscheide, sondern das Bau- und Planungsrecht: „Dem können wir uns nicht verweigern.“ 

Monika Korn (FDP) meint: „So ein Vorhaben ist in der heutigen Zeit unmöglich, aber wir haben keine Handhabe.“ 

Dabei hatten die Grünen vor vier Jahren beim Bau eines ähnlichen Hähnchenmaststalls in Illingen ausdrücklich den Antrag gestellt, „keine weiteren Agrarfabriken zuzulassen“. Den Antrag habe man später „aus rechtlichen Gründen“ zurückgezogen, sagt Plaßmann. 

Bürger üben harsche Kritik

Noch harscher als Welvers Ratsmitglieder gehen manche Bürger mit dem Vorhaben ins Gericht. Helga Gralki findet: „Wieder einmal gesetzlich genehmigte Tierquälerei. Wichtig, Hauptsache viel Fleisch zum Billigpreis.“ Die Leserin befürchtet, daran werde sich so schnell auch nichts ändern: „Vom Gesetzgeber wird auch in der Zukunft nicht genug getan werden, um diese Art der Massentierhaltung zu unterbinden.“ 

Deshalb kann Gralki auch Vellinghausens Ortsvorsteher Frank Lukow folgen, der bereits vergangene Woche erklärt hatte: „Am Ende fällen die Verbraucher die Entscheidung – an der Fleischtheke.“ Die SPD war nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

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