Gutachten zum Eilmser Wald ist eindeutig

Flüchtlingsheim ist nicht zu retten

Die Bausubstanz des aus den 60er-Jahren stammenden Komplexes im Eilmser Wald ist marode.
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Die Bausubstanz des aus den 60er-Jahren stammenden Komplexes im Eilmser Wald ist marode.

Welver – Das Urteil des Experten lässt an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig. „Eine Sanierung und Weiternutzung der Gebäude ist aus technischer und wirtschaftlicher Sicht nicht zu empfehlen.“ Folgt die Welveraner Politik dieser Empfehlung, sind die Tage der Asylunterkünfte im Eilmser Wald langfristig gezählt. Architekt Matthias Hellmann aus Soest legte den Entscheidungsträgern der Gemeinde im Vorfeld der Ratssitzung am kommenden Mittwoch sein Gutachten vor. Demnach sind die Gebäude im nördlichen Teil der Gemeinde auf Dauer nicht zu retten.

Weitaus besser sieht es für die ehemalige Hauptschule aus. „Eine Sanierung und Weiternutzung ist aus architektonischer, technischer und wirtschaftlicher Sicht sinnvoll und erfolgversprechend“, heißt es im Gutachten über den Gebäudekomplex an der Wolter-von-Plettenberg-Straße. Auch gegenüber einem Neubau zeigte der Experte Vorteile der Hauptschule aus rein finanzieller Sicht auf. So betragen die Investitionskosten dort für eine fiktive Komplettsanierung 11 300 Euro pro Platz, in Eilmsen hingegen 33 000 Euro. Ein Neubau schlüge mit 17 000 Euro zu Buche.

Für Bürgermeister Camillo Garzen kommt die Einschätzung des Experten nicht überraschend, dient jetzt aber als fundierte Grundlage für künftige Entscheidungen. Schon in der Ratssitzung am Mittwoch wird sich laut Garzen eine Tendenz herauskristallisieren. Eine endgültige Entscheidung würde aber eher im Verbund mit allen Projekten in der Gemeinde gefällt.

Akuter Handlungsbedarf bestehe noch nicht. „Beide Einrichtungen sind voll funktionsfähig“, betont Garzen, dass auch in Eilmsen keineswegs kurzfristig Schluss sein müsse mit der Unterbringung von Flüchtlingen. „Der Betrieb kann so lange weitergehen, wie die Heizungen laufen“, macht der Bürgermeister deutlich.

Gleichwohl wollten die Verantwortlichen nicht warten, ehe die Heizung kaputt ist. „Bis zum Sommer sollten wir einen Fahrplan haben“, ist Garzen zuversichtlich, einen Weg zu finden, bei dem auch die Bürger mitgenommen werden müssten. Gespräche, auch mit dem Freundeskreis Eilmser Wald, seien unabdingbar.

Derzeit wohnen etwa 150 Flüchtlinge in Welver, je 50 in Eilmsen und in der Hauptschule, dazu 50 in privaten Unterkünften. Dem Gutachten von Architekt Hellmann zufolge bietet die ehemalige Hauptschule gute Möglichkeiten, langfristig als Herberge für Flüchtlinge zu dienen.

Hellmann verweist darauf, dass der Gebäudekomplex auch weitere Nutzungsmöglichkeiten biete: „Die Besonderheiten des Objekts ermöglichen eine interessante bauliche Entwicklung eines ‚Dorfes im Haus‘ mit individuellen Wohneinheiten und gemeinschaftlichen Aktivitäts- und Begegnungsräumen.“ Die Turnhalle und das Hausmeisterhaus tragen dazu bei. Insgesamt bezeichnet der Experte das Raumangebot als großzügig.

Er verschweigt aber auch nicht, dass in dem 1956 als evangelische Volksschule begonnenen Bau, der in den 60er-, 70er- und 00er-Jahren erweitert worden ist, Handwerker Einzug halten müssten. So hat er Betonschäden an der Fassade festgestellt, zudem Asbest in Spachtelmassen und Klebern gefunden sowie eine Belastung mit giftigen und krebserregenden Chlorverbindungen (PCB) in Fugenmaterial und ein Teerprodukt mit hoher Konzentration an Polycyclischen aromatischen Kohlenwasserstoffen in einer Trennlage. „Das Schadstoffproblem ist bei allen weiteren Bauarbeiten und Entwicklungsmaßnahmen unbedingt zu beachten“, mahnt Hellmann.

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