Wie Maracuja und Karamell

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Cashewkerne, Ghee, einer Gewürzmischung, weißer Schokolade und Maracujastücke bilden die Grundlage für einen Brotaufstrich, der Karin Steinhoff in den siebten Geschmackshimmel bringt.

Borgeln - Was macht guten Geschmack aus? Die Antwort auf diese Frage fällt Karin Steinhoff leicht. „Kontraste“, sagt die Konditormeisterin aus Borgeln, „ich muss die einzelnen Geschmäcker so kombinieren, dass sich Gegensätzliches harmonisch verbindet“. Das klingt gut. Und wer sich mit der Chefin der „Bäckerei Steinhoff“ unterhält, bekommt den sicheren Eindruck, dass die Sache mit den Kontrasten nicht nur beim Kombinieren von Gaumenfreuden gilt, sondern auch für das Leben dieser Frau. 

„Ich habe gemerkt, dass mir einfach etwas fehlt“, erzählt Karin Steinhoff. Zu eintönig sei die Arbeit als Geschäftsführerin in der Bäckerei geworden, zu viel Büroarbeit und zu wenig echtes Handwerk. Deshalb setzte sie in diesem Jahr auf ihre Ausbildung zur Konditorenmeisterin das i-Tüpfelchen – und ließ sich zum Schokoladen-Sommelière ausbilden. 

An fünfmal drei Tagen eröffnete sich der alleinerziehenden Mutter zweier Kinder so ein ganz neues Reich. Karin Steinhoff: „Da machts du was und siehst direkt danach, was du mit deinen Händen angestellt hast. Das ist toll“.

Weltweit nur 30 Schoko-Sommelières 

Eine riesige Spielwiese zum Austoben sei die Ausbildung gewesen, sagt sie. Ein guter Kontrast zur täglichen Rolle als Mutter und in der Geschäftsführung. Voller Gegensätze präsentierte sich auch die Ausbildung, aus der Karin Steinhoff nun als eine der 30 einzigen Schokoladen-Sommelières weltweit hervorging: Sensorisches wollte durch die Nase eingeordnet, Vielfältiges in Sachen Schokolade gelernt und Gegensätzliches beim Ausprobieren geschaffen werden. „Ich mag es nicht, wenn es langweilig und lecker ist“, sagt Karin Steinhoff. Was sie damit meint? „Wenn ich Maracuja und Karamell kombiniere und dunkle Schokolade hinzufüge, dann bekomme ich einen Geschmack der säuerlich ist und süß, intensiv und doch ganz rund“, macht die Schokoladen-Frau Lust aufs (Aus-)Probieren. 

Oder die Brotaufstriche: Acht Anläufe habe sie gebraucht, um einen Aufstrich rund zu machen, der nach dem Prinzip des Ayurveda funktioniere und entstressend wirke. Karin Steinhoff: „Der Aufstrich besteht aus Cashewkernen, Ghee, einer Gewürzmischung, weißer Schokolade und Maracujastücken.“ Es ist tatsächlich äußerst Appetit anregend, wie sich die Schoko-Expertin in die Details verliert, von feinen Pürierungen spricht und erklärt, wie groß die ganz zum Schluss hinzugefügten Fruchtstücke sein müssen, damit der Aufstrich höchsten Ansprüche genügt. 

Höchste Ansprüche mit Leib und Seele

Apropos höchste Ansprüche: Wenn Karin Steinhoff etwas tut, dann mit Leib und Seele. Die Augenringe kämen daher, meint sie, weil sie nachts regelmäßig nach neuen Rezepten forsche. Weil die neue Schokoladenseite der Karin Steinhoff zwar exklusiv, aber ganz und gar nicht geheim bleiben soll, hat sie natürlich bereits die nächsten Schritte geplant: Ein Schokoladencafé soll am 2. Dezember am Hauptsitz ihrer Bäckerei in Borgeln eröffnen. Was es dort gibt? Gegensätzliches natürlich. Zum Beispiel die Kombination aus Roter Beete, Schokolade und Brot. Oder handgegossene Pralinen, die einzeln geschminkt werden. „Alles in bio und ,fair trade’“, sagt Karin Steinhoff. 

Wer nun meint, das Leben der Karin Steinhoff sei kontrastreich genug, der irrt. „Wenn der Laden auf ist, dann biete ich Pralinenkurse an. Und im nächsten Jahr fahre ich zum 125-jährigen Jubiläum unserer Bäckerei nach Paris und mache eine eigene Jubiläums-Schokolade.“

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