Letzter Arbeitstag am Samstag

Für den scheidenden Bürgermeister Uwe Schumacher ist das Kapitel Welver abgehakt

Uwe Schumacher Welver
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Glanzloser Abschied: Für Bürgermeister Uwe Schumacher endet das Kapitel Welver am kommenden Samstag.

Die Bürgermeisterwahl liegt mittlerweile schon sieben Wochen zurück. Doch erst dieser Samstag ist letzter Arbeitstag für Uwe Schumacher, der seit 2014 an der Spitze von Gemeinderat und Verwaltung gestanden hat. Es wäre also ein guter Termin, noch einmal mit Schumacher gemeinsam auf die sechs Jahre zu blicken, auf Erreichtes und Versäumtes, und Antworten zu suchen, warum aus dem einstigen Hoffnungsträger am Ende ein Bürgermeister geworden ist, der buchstäblich aus dem Amt gewählt worden ist.

Welver – Schumacher möchte so ein Gespräch mit der Anzeiger-Redaktion nicht führen. Trotz mehrfacher Bitte sagt der 62-Jährige: „Ich sehe keine Notwendigkeit.“ Das Ergebnis bei der Rathauswahl sei „ganz klar“ gewesen: 87 Prozent der Welveraner wollen ihn nicht mehr. Als Amtsinhaber nur 13 Prozent zu holen, ist beispiellos, auch außerhalb Welvers.

„Kein Kommentar“ auf die Frage, wie er so einen Tiefschlag verkraftet, wie er damit umgeht, wie es womöglich in ihm aussieht. Nur so viel: „Es ist Ihr gutes Recht, solche Fragen zu stellen.“

Unglücklicher können die letzten Meter auf der Bürgermeister-Bahn nicht verlaufen. Der (alte) Gemeinderat kommt heute in der Bördehalle in Welver zu einer Sondersitzung zusammen. Es geht um Uwe Schumacher. Aber nicht darum, ihn irgendwie würdig zu verabschieden, das Kapitel ordentlich abzuschließen, sich (womöglich ein letztes Mal) in die Augen zu schauen und sich „Alles Gute!“ zu wünschen.

Nein, der Gemeinderat muss heute entscheiden, ob der scheidende Bürgermeister eine Pension bekommen soll. Den Antrag hat er selber eingereicht. Da seine sechs Welver-Jahre nicht für die vorzeitige Altersversorgung und sofortige Ablöse reichen, geht es im Kern um die Frage, ob sein Studium der Geoökologie und seine Tätigkeit in der Abfallwirtschaft des Kreises mit angerechnet werden könnten. Eine Soll-Vorschrift im Gesetz, kein Muss.

Die Meinungen dürften geteilt sein. Vor allem droht heute Abend die Gefahr, die Klärung dieser juristisch-versorgungsrechtlichen Frage könnte schnell in ein Gezänk über Persönliches abdriften, das wie so oft und zu oft das Klima im Rat geprägt hat.

Schumachers Nachfolger im Amt, Camillo Garzen, berichtet, er bemühe sich seit längerem, mit seinem Vorgänger einen Termin für einen angemessene Abschied von Verwaltung und Gemeinderat abzustimmen. Vergeblich.

„Es herrscht bis heute keine Klarheit“, sagt Garzen. Schumacher habe ihm bedeutet, das Rathaus nicht noch einmal betreten zu wollen. Garzen will nicht aufgeben, er werde weiter versuchen, doch noch vielleicht am Rande der konstituierenden Sitzung des neuen Rates am 4. November oder später eine solche Verabschiedung zu platzieren.

SPD und FDP hatten Schumacher im Frühjahr 2014 als Kandidaten für den Chefposten in Welver ausgesucht. Was sie damals dazu erklärten, gilt übrigens heute wieder – wenngleich unter ganz anderen Voraussetzungen und mit anderen Protagonisten: „Wir wollen den jetzigen Bürgermeister ablösen, weil uns die Zusammenarbeit in den vergangenen Jahren nicht gefallen hat.“ Die Harmonie zwischen Schumacher und seinen Unterstützern (auch die Grünen zählten später dazu) hielt nur kurz. Sie zweifelten zunehmend an seiner Kompetenz und Kommunikation. Er hielt dagegen, er habe sich geweigert, sich instrumentalisieren und wie eine Marionette über die Bühne ziehen zu lassen.

Als Uwe Schumacher trotz des Dauer-Disputs Ende Februar überraschend erklärte, er wolle 2020 erneut als Bürgermeister kandidieren („Ich bin von vielen ermuntert worden, weiter zu machen“), beteuerte er: „Ich habe sicherlich nicht alles richtig gemacht.“ Doch Welver habe sich unter seiner Führung weiterentwickelt; die Um- und Neubauten gerade bei der Nahversorgung im Zentralort trügen seine Handschrift.

Überzeugt hat das nur wenige, wie die Stimmzahlen vom 13. September belegen. Die ihn stützten, haben stets auf seinen Fleiß, seine Aufmerksamkeit und seine Ehrlichkeit verwiesen. Tatsächlich war der Rathauschef stets bei den Gelegenheiten und in den Gesprächen stark und überzeugend, wenn nicht die große Bühne um ihn herum aufgebaut war, sondern man sich mit ihm im vertrauten Rahmen austauschen konnte. Er öffnete sich, erläuterte Zusammenhänge, konnte mit Details überzeugen – und so im Miteinander gewinnen.

Heute ist es müßig, darüber zu spekulieren, wie es in Welver mit ihm weitergegangen wäre. Das Kapitel ist geschlossen. Der letzte Akt mag für die lange Reihe der Missverständnisse und Zerwürfnisse bezeichnend sein. Nötig war aber auch der nicht.

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