Im Sommer 2021

Erdbeerernte bricht stark ein

Saftig rot sind die aktuellen Erdbeeren von Arne Korn, doch in der Hauptsaison waren sie es nicht.
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Saftig rot sind die aktuellen Erdbeeren von Arne Korn, doch in der Hauptsaison waren sie es nicht.

Den Sommer 2021 wird Arne Korn wohl nicht so schnell vergessen. Nicht nur, dass Corona das Land noch immer fest in seinem Griff hatte, auch das historisch schlechte Wetter wird dem Obstbauern aus Einecke im Gedächtnis bleiben. Das hat seiner Erdbeer-Ernte schließlich mächtig zugesetzt.

Einecke – „Wir haben sicherlich um die 35 Prozent weniger pflücken können als normalerweise“, erzählt Korn. „Ein Kollege von mir meinte, das sei das schlechteste Jahr seit Tschernobyl gewesen.“

Grund dafür war vor allem das unbeständige Wetter. „Es hat in diesem Sommer viel geregnet, doch Erdbeeren brauchen Sonne“, sagt Saskia Wietmann aus der Pressestelle der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen. „Ansonsten droht Pilzbefall oder die Früchte werden matschig.“ Arne Korn berichtet davon, teilweise mehr Abfall als gute Erdbeeren gepflückt zu haben. „Das war sehr unbefriedigend.“

Starke Umstellung für die Pflanzen

Dazu kommt, dass Erdbeeren Sonnenlicht brauchen, um ihren charakteristischen Geschmack zu bekommen. Nur dann lagert die Frucht nämlich Zucker ein. „Wenn es dann aber wieder trüb wird, zieht die Pflanze den Zucker wieder aus der Frucht heraus“, erklärt Arne Korn. Das Ergebnis: Die Erdbeeren schmecken nicht so gut wie gewohnt.

Das Wetter hatte für die Bauern allerdings noch eine unangenehme Überraschung in petto, wie Bernd Moellers von der Landwirtschaftskammer berichtet. „Zu Beginn der Saison war es erst noch richtig kühl und dunkel, doch dann ist es von einem Tag auf den anderen sehr warm geworden“, meint er. „Für die Pflanzen war das eine starke Umstellung.“ Und die führte dazu, dass gleich mehrere Erdbeersorten, die normalerweise erst nacheinander reif werden, jetzt zur selben Zeit den pflückbaren Zustand erreicht haben. „Da kommt man dann mit der Ernte nicht mehr hinterher“, sagt Moellers.

Umsätze ließen zu Wünschen übrig

Die Früchte, die die Bauern aber trotzdem noch pflücken konnten, fanden in diesem Jahr jedoch auch nur sehr schwer einen Käufer. „Die Leute essen Erdbeeren eben lieber, wenn das Wetter schön ist“, weiß Arne Korn. Er habe seine Verkaufsstände zwar stets ausreichend mit Ware versorgen können, deren Umsätze ließen allerdings zu wünschen übrig. Eine Beobachtung, die die Landwirtschaftskammer in ganz NRW gemacht hat. „Auf den Feldern zum Selbstpflücken war es durch den vielen Regen matschig, da kommen die Kunden nicht“, bilanziert Saskia Wietmann. „Und auch die Gastronomen haben weniger Früchte abgenommen.“ Dabei lag der Durchschnittspreis in diesem Jahr unter dem der Vorjahre.

Folien-Tunnel sind wohl die Zukunft

Arne Korn hat diese Entwicklung bald zu spüren bekommen. „Wir haben ganze Felder mit guten Früchten weghäckseln müssen, weil wir sie nicht vermarkten konnten.“ Das hat auch finanzielle Folgen, 2021 wird Korn keine Investitionen in seinen Hof tätigen können. Da helfen ihm auch seine aktuellen, saftig roten Erdbeeren nichts. „Die Hauptsaison für Erdbeeren ist schließlich im Juni“, sagt er. „Und der war nun mal schlecht.“

Ob dieses chaotische Wetter als ein Ergebnis des Klimawandels auch in den nächsten Jahren auf die heimischen Bauern zukommt, kann aktuell noch niemand abschätzen. Doch Bernd Moellers schätzt: „Die Landwirte, die es sich leisten können, werden wohl vermehrt auf Folien-Tunnel setzen, um ihre Früchte zu schützen.“ Wer sich das jedoch nicht erlauben kann, wird wohl weiter dem Wetter und seinen Folgen ausgesetzt sein.

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