Raub-Prozess: Schluck aus der Cola-Pulle bringt Angeklagte vor Gericht

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Arnsberg/Welver - Ein leichtfertiger Schluck aus der Cola-Flasche war es, der die beiden Angeklagten am Dienstag vor das Arnsberger Landgericht brachte. 

Angeklagt sind sie wegen eines schweren Raubüberfalls mit gefährlicher Körperverletzung, den sie im Oktober des vergangenen Jahres im Zentralort Welver begangen haben sollen. Am Mittwoch wird das Urteil gegen den 53-jährigen Olper und den 47-jährigen Hammer erwartet.

Zwei Täter waren vor gut einem Jahr durch eine Kellertür in das Haus einer Welveranerin eingedrungen, die mit ihrem Lebensgefährten im Bett lag. Anschließend haben sie die Opfer mit einer Luftpistole bedroht und Wertsachen im Wert von ungefähr 25 000 Euro erbeutet. Die Angeklagten, die zurzeit in Haft sitzen, zeigten sich am ersten Verhandlungstag geständig. Der 47-Jährige hatte sich während der Ermittlungen der Polizei als Ex-Schwiegersohn der Welveranerin erwiesen.

Treffer in der DNA-Datenbank

Einen trockenen Mund habe der 53-Jährige aus Olpe während des Raubüberfalls gehabt, sagte er bei der Gerichtsverhandlung. Deswegen griffen die Angeklagten, die sich in der Hammer Drogenszene kennengelernt haben, im Keller der Opfer erst mal zur Colaflasche. Diese ließen sie am Tatort zurück. Die Polizei ermittelte DNA-Spuren und landete einen Treffer in der Datenbank. Denn die Angeklagten sind polizeibekannt, haben jeweils eine lange Liste an Drogen- und Strafdelikten begangen.

Während der 47-Jährige aus Hamm ein Geständnis von seinem Verteidiger verlesen ließ, gestand der 53-Jährige persönlich.

Im Laufe des Verhandlungstages rekonstruierte das Gericht das Tatgeschehen: So sind die Angeklagten nach dem Genuss der Cola in das Schlafzimmer der Geschädigten gestürmt. Während die 75-jährige Hausbesitzerin die Geräusche wahrgenommen habe, habe der 77 Jahre alte Lebensgefährte, der erst kurz vor der Tat in das Haus eingezogen war, geschlafen. 

Mit Luftpistole in Schach gehalten

Der ältere der beiden Angeklagten zog zunächst die zum Fenster geeilte Frau weg, die daraufhin zu Boden stürzte, ehe er seinem Komplizen zu Hilfe eilte, der sich ein Handgemenge mit dem Lebensgefährten der Frau lieferte. Er habe dem einen Täter einen Schlag versetzen können, sagte der Mann, dann wurde er von dem anderen Täter vor einen Schrank gestoßen. Den Widerstand habe er daraufhin aufgegeben. Der 53-Jahre alte Angeklagte habe beide mit einer Luftpistole in Schach gehalten, während der jüngere das Haus nach Wertgegenständen durchsucht hat.

Opfer leiden an Schlafstörungen

Seit der Tat leiden die beiden Opfer an Schlafstörungen, haben aber auch körperliche Verletzungen davongetragen. „Wenn es dunkel wird, rufe ich um Hilfe“, sagte die 75-jährige in ihrer Vernehmung.

Offen blieb, ob die zur Tatzeit drogenabhängigen Angeklagten unter Einfluss von Betäubungsmitteln standen. Beide gaben an, zuvor verschiedene Drogen genommen zu haben, wollten sich deswegen auch nicht daran erinnern, wer sie im Auto zum Tatort gefahren hat. Sachverständiger Dr. Josef Leßmann, ärztlicher Direktor der LWL-Kliniken, zweifelte die Aussagen an. Leßmann verwies auf den körperlichen Zustand der Angeklagten, sagte, dass Kokain als Aufputschmittel aber durchaus in Betracht käme. Darüber hinaus stellte er beiden Angeklagten aufgrund des jahrelangen Drogenmissbrauchs eine schlechte Therapieprognose aus. Nebenklage und Verteidiger arbeiten an einem Vergleich beim Schmerzensgeld.

Der zweite Verhandlungstag beginnt am Mittwoch um 9.30 Uhr.

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