Diskussion über Windkraftanlagen in der Gemeinde Welver

Längere Nutzung durchaus denkbar

Seit fast 20 Jahren drehen sich die Windräder rund um Merklingsen. Jetzt wird die Zukunft diskutiert.
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Seit fast 20 Jahren drehen sich die Windräder rund um Merklingsen. Jetzt wird die Zukunft diskutiert.

Merklingsen – Es dreht sich was rund um Merklingsen, und das seit fast zwei Jahrzehnten. Der südlichste Ortsteil von Welver ist so etwas wie das Mekka der Windkraft in der Niederbörde. Seit der ersten Hälfte der Nuller-Jahre drehen sich insgesamt 23 Windräder in diesem Bereich der Gemeinde. Jetzt neigt sich die Zeit dem Ende entgegen, in der ihre Betreiber durch die Förderung nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz vergleichsweise hohe Einspeisevergütungen bekommen. Daher nimmt die Diskussion um die Zukunft der Windkraft in Welver Fahrt auf.

Innogy, eine RWE-Tochter, hat unlängst der Welveraner Politik ihre Vorstellungen unterbreitet, wie sie als größter Player auf dem Windkraft-Sektor in der Gemeinde die Zukunft gestalten will. Von einem sogenannten Repowering im westlichen Bereich von Merklingsen ist dabei die Rede. Laut Bürgermeister Camillo Garzen plant Innogy den „Austausch“ älterer Anlagen gegen moderne, leistungsfähigere Modelle. „Dabei würden die Alt-Anlagen abgebaut und letztendlich durch zahlenmäßig wesentlich weniger Neu-Anlagen mit einer größeren Höhe ersetzt“, so Garzen.

Im Jahre 2001 hatte die Gemeinde ihren Flächennutzungsplanes so geändert, dass Vorrangzonen für Windenergieanlagen festgelegt und die Höhe der Anlagen auf maximal 100 Meter begrenzt wurden. In diesen Zonen befinden sich 13 Anlagen im nördlichen Bereich, vor allem nahe Ehningsen. Weitere 10 Anlagen liegen weiter südlich nahe der Grenzen zu Werl und Soest. „Hierbei handelt es sich um Windkraftanlagen mit Bestandsschutz, die zeitlich vor der Festlegung der Vorrangzonen und vor Erlass des Vogelschutzgebietes an diesen Standorten zulässig waren“, erklärt der Bürgermeister.

Jetzt ist die Welveraner Politik gefragt, müsste sich auch mit einer räumlichen Veränderung der bestehenden Vorrangzonen für Windenergieanlagen befassen. Dabei müsste Berücksichtigung finden, dass die Landesregierung von NRW plant, zukünftig größere Abstände von Windkraftanlagen zu Siedlungen und Einzelhäusern vorzuschreiben. Eine solche Regelung hätte natürlich auch Auswirkungen auf das Repowering im Bereich der Gemeinde Welver.

Diskutiert werden momentan 1000 Meter als Mindestabstand. Das wäre angesichts der Nähe der jetzigen Standorte zu den Häusern in Merklingsen, aber auch in Schwefe, Ehningsen und im benachbarten Oberbergstraße das Aus für jegliche Planungen, viel größere Windmühlen zu installieren.

Matthias Kynast, Geschäftsführer von immerhin fast 20 Bürgerwindprojekten im Kreis Soest, hat daher Bedenken: „Die Bürger haben sich mit den bestehenden Windrädern über viele Jahre arrangiert, das gilt auch für Merklingsen. Da regt sich keiner mehr auf.“ Da stimmt auch Heinrich Trelle zu, der westlich des Welveraner Ortsteils Flächen für Windräder verpachtet hat: „Das ist natürlich sehr subjektiv. Doch mich haben die Räder nie gestört, weder durch den Schattenschlag noch durch die Geräusche.“

Bei neuen Windrädern, die die bisherigen 100 Meter Maximalhöhe weit überschreiten würden, wäre die Akzeptanz aber gefährdet. „An solchen Mühlen könnte man nicht mehr vorbeischauen“, verweist Kynast auf Dimensionen, die in einem dicht besiedelten Gebiet wie der Soester Börde kaum umzusetzen seien. „Wir sind ja nicht im Paderborner Land, haben hier eine ganze andere Siedlungsdichte“, warnt der Erwitter davor, die Akzeptanz für die Windkraft in die Bevölkerung nicht aufs Spiel zu setzen.

Ohnehin seien die Anlagen durchaus auch 30 bis 35 Jahre lang zu betreiben: „Das sind ja keine Wracks“, so der Geschäftsführer der beiden Projekte Bürgerwind Schwefe und Bürgerwind Hellweg mit ihren 34 bzw. 57 Mitgliedern. „Zudem wäre es fragwürdig, funktionierende Maschinen einfach wegzuwerfen“, sieht er in Sachen Nachhaltigkeit einen weiteren ökologischen Aspekt.

Der wirtschaftliche Druck sei aber nicht von der Hand zu weisen. „Kleine Betreiber geraten in Not, wenn die 20 Jahre abgelaufen sind. Was man dann noch bekommt, ist zum Leben zu wenig, zum Sterben zu viel.“ Gewiss könne man bei abgeschriebenen Anlagen einigermaßen über die Runden kommen. Bei anfallenden größeren Reparaturen aber wäre schnell nur noch der Abriss möglich.

So weit sind die Windräder rund um Merklingsen aber noch längst nicht. Sie fallen zwar um 2023 aus der aktuellen EEG-Förderung raus. Doch erscheint auch Otto Woesthoff ein Weiterbetrieb durchaus sinnvoll. „Wir wollen die Anlagen weiter laufen lassen“, so der Landwirt aus Merklingsen, der östlich seines Dorfes zwei Windräder betreibt. „Das geht noch 10 bis 15 Jahre“, ist er überzeugt.

Woesthoff würde sich daher wünschen, dass in der aktuellen Diskussion berücksichtigt wird, dass die alten Mühlen noch lange funktionieren könnten. Er bedauert rückblickend, dass damals eine Höhenbegrenzung von 100 Meter eingeführt wurde. „Die Gemeinde hätte mehr Gewerbesteuer einnehmen können, wenn die Mühlen hätten höher sein dürfen. Denn je höher, desto wirtschaftlicher lassen sie sich betreiben“, erläutert der Merklingser. So sei der Wind in der Höhe viel gleichmäßiger.

Sein Nachbar Heinrich Trelle setzt darauf, dass bei der Debatte mehr Leute mit ins Boot genommen würden. „Man müsste möglichst viele Anlieger dafür gewinnen, beim Betrieb mitzumachen. Dabei würden die Erlöse unter allen Eignern aufgeteilt“, schlägt er vor. Daher schwebt auch ihm vor, die Anlagen möglichst lange laufen zu lassen. Da sei der Erlös zwar geringer, aber: „Da ist mir der Spatz in der Hand lieber als die Taube auf dem Dach.“

Denn in Sachen Repowering ist er skeptisch. „Das hat mich damals schon viele Nerven gekostet. Das würde ich mir mit jetzt 70 nicht mehr antun“, plädiert er für das vorläufige Beibehalten des Status Quo. Allerdings weist er auch auf einen Fakt hin: „Wenige große Anlagen sind leiser als viele kleine...“

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