Alternativen zum Auto gesucht

Als Pendler auf dem Dorf total abgehängt

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Mit dem Rad auf die erste Etappe zur Arbeit - für Dieter Schulze bleibt das ein Traum.

Dinker/Welver – Dieter Schulze hat gegrübelt, gerechnet und kalkuliert. Doch es hilft nichts. Er ist und bleibt als Berufspendler auf sein Auto angewiesen. Das wurmt den Leiter eines Berufskollegs in Unna gewaltig.

Vor zwei Jahren hat der Dinkeraner einen Bürgerantrag für einen Radweg entlang Schwannemühle/Buchenstraße gestellt. So könnten er – und andere, die zum Bahnhof nach Welver müssen – sicher mit dem Rad den ersten Teil ihrer Fahrt antreten. In der Politik stieß er mit seiner Initiative damals auf ziemlich taube Ohren. 

Immerhin wird jetzt geprüft, ob sich einige neue Geh- und Radwege in der Gemeinde Welver realisieren lassen – darunter auch die Verbindung zwischen Dinker und Welver. „Wir haben die Angelegenheit an die Straßenbaulastträger weitergeleitet“, bestätigt Detlev Westphal von der Gemeindeverwaltung. Bei den meisten betroffenen Wegen handelt es sich nicht um Gemeindestraßen. 

Möglichkeit der Bürgerwege

Das reicht Dieter Schulze jedoch nicht. Er erwartet von einer Kommune, dass sie nicht nur nach Vorschrift arbeitet, sondern gerade in den zunehmend wichtiger werdenden Fragen wie Verkehr und Umwelt selbst aktiv wird. Er verweist auf die Möglichkeit, Bürgerwege anzulegen. Das Land hält dazu ein passendes Programm bereit. 

Auch beim Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) sieht Dieter Schulze erheblichen Nachholbedarf: „Die Verbindungen sind katastrophal“ – das fange schon bei der Anfahrt zum Bahnhof Welver, Soest oder Hamm an. 

Eine Beispielrechnung

Der Pädagoge rechnet vor: „Nach Welver früheste Verbindung 8.57 Uhr (die einzige!) in 12 Minuten. Nach Hamm früheste Verbindung wie Welver, aber 1 Stunde 25 Minuten. Nach Werl früheste Verbindung 8.57 Uhr wie Welver, 1 Stunde 22 Minuten. Nach Soest früheste Verbindung 6.38 Uhr, 32 Minuten.“ Der Weg über Soest wäre für ihn also die einzige Alternative, „aber auch hier käme ich erst deutlich nach 8 Uhr an meinem Arbeitsplatz an“. 

Die Rückfahrt wäre nach seinen Berechnungen ebenso abenteuerlich: Start vom Arbeitsplatz in Unna um 16.15 Uhr und Ankunft in Dinker um etwa 18 Uhr. „Und dabei darf keine Verbindung reißen“, betont Dieter Schulze. Genau das kommt aber durchaus häufiger vor.

Elektroauto als Alternative?

Als Alternative hat er sogar darüber nachgedacht, sich über Nacht ein Elektroauto von den Stadtwerken Unna zu leihen. Genau dann sollte die Nachfrage (und damit der Preis) ja gering sein. Doch denkste: „Das ist unbezahlbar. Selbst der Unterhalt für ein eigenes Auto ist billiger.“ 

Wenn dagegen ein Radweg von Dinker nach Welver existieren würde, der auch im Winter und bei Nässe entlang der Landstraße nutzbar wäre, wären die Möglichkeiten vielfältiger und er würde darüber nachdenken, sein Auto stehenzulassen. 

Zu wenig gehandelt

Dabei treibt ihn auch der Umweltgedanke. Den Wagen des morgens für etwa sechs Kilometer bis zum Bahnhof und zurück kurz anzuwärmen, sei eben höchst umweltschädlich. Fakt ist für Dieter Schulze: Weder der Kreis Soest noch die Gemeinde Welver können die entsprechenden ÖPNV-Dienstleistungen noch die Infrastruktur zur Verfügung stellen. 

Die Gemeinde Welver verspreche seit Jahren, über das Radwegesystem im Einzugsbereich Welver nachzudenken. Geschehen sei nichts. Genau dieses Thema ist jetzt zumindest schon mal erneut auf der politischen Tagesordnung. Die weitere Entwicklung will Dieter Schulze beobachten.

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