Haftstrafe für Drogenkranken

Dieb (36) aus Welver lässt die Hose runter - und erscheint mit Koffer im Gericht

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Welver - 25 Vorstrafen hat er bereits auf dem Buckel, ein weiteres  Verfahren gegen ihn läuft noch, und am Dienstag kam noch mal ein Eintrag ins Bundeszentralregister dazu. Und der Vorwurf gegen den 36-jährigen Welveraner hatte es in sich.

Sollte jemand wirklich ein Argument gegen Drogenkonsum benötigen, so muss er sich einfach nur den Lebenslauf des Mannes anschauen, der da am Dienstag kleinlaut vor der Soester Strafrichterin erschien. Aber auch ein Blick auf seine vergangene Tat reicht aus.

Wegen vier Vergehen sollte er sich verantworten. Neben zwei Bagatellen ging es im Kern um zwei Delikte, begangen aus Suchtdruck: Erst stahl er im September bei Edeka Sauer zehn Flaschen Jack Daniels, die er gegen Kokain eintauschte. Dank des Materials der Überwachungskamera konnte der hinreichend polizeibekannte Welveraner überführt werden.

Einen anderen Auftritt legte er aber Anfang Dezember bei Rossmann hin. Sein Versuch, Kosmetika im Wert von insgesamt 680 Euro unbezahlt aus dem Geschäft zu schmuggeln, um diese ebenfalls gegen Drogen zu tauschen, konnte unmöglich unbemerkt bleiben. Der Glaube, dies zu schaffen, dürfte nur dadurch zu erklären sein, dass er schwer betrunken war und unter Kokain stand. Der spätere Alkoholtest ergab 1,74 Promille.

Eine Mitarbeiterin konnte ihn überwältigen, musste jedoch eine ganz besondere Tirade über sich ergehen lassen. Laut seiner Anwältin habe der Mann nicht damit gerechnet, dass die Frau ihn verstehen würde, da er sie in seiner russischen Muttersprache formulierte. Dummerweise jedoch traf er auf eine Landsfrau, die sehr wohl verstand, dass er ihr in einer Wortwahl, die in ihrer Direktheit kaum zu übertreffen ist, eine Gruppenvergewaltigung androhte. Als Beweis dafür, dass er es ernst meinte, ließ er die Hosen runter und zeigte, mit welcher "Waffe" er die Tat umzusetzen gedachte.

Dagegen wirkten die beiden anderen Anklagen so harmlos, dass man sie mit Blick auf das zu erwartende Strafmaß vorläufig einstellte: Im Zug nach Hamm war er schwarz gefahren - er musste täglich in die Nachbarstadt zur Substitution, und sein Sozialticket war vom Amt zunächst abgelehnt worden, so sein Bewährungshelfer. Erst auf dessen Druck hin erhielt er seine Monatsfahrkarten. Außerdem hatte er aus seinem Kiosk drei Dosen alkoholischer Mischgetränke entwendet.

Angeklagter erscheint mit fertig gepacktem Koffer

Sein Leben bis dahin bestand vom Jahr 2000 an aus einer Reihe von Straftaten, meist einschlägig, die ihn auch wiederholt ins Gefängnis brachten. Eine Weile hatte er es geschafft, von Heroin herunterzukommen, bis er rückfällig wurde, und zu einer weiteren Droge griff: Kokain. So gewohnt daran, sein Leben hinter Gittern zu verbringen, ist er es, dass er mit fertig gepacktem Koffer zum Gericht kam, weil er davon ausging, dass er direkt eingebuchtet würde.

Ganz so weit kam es jedoch nicht. Zwar konnten ihm weder der Staatsanwalt noch die Richterin eine positive Sozialprognose stellen und sahen keine Möglichkeit zu einer Bewährung, so dass er zu neun Monaten Haft verurteilt wurde. Allerdings hat der Mann einen Therapieplatz in Aussicht und bereits eine Kostenzusage erhalten. Seine Haft wird er also in einer entsprechenden Einrichtung verbringen. Wenn er die Therapie jedoch abbricht, muss er ins Gefängnis.

Appell des Richters

Vielleicht sind ihm ja die mahnenden Worte des Staatsanwalts Appell genug: "Mit 36 müssen Sie sich endlich fragen, wie es weitergehen soll: Zwei Meter tiefer, oder ob Sie die Kurve noch bekommen. Es ist nicht zu spät, aber viel Zeit haben sie nicht mehr, bevor Sie Ihren Körper zu sehr ruiniert haben."

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