Coronavirus

"Zeit, etwas zurückzugeben": Flüchtlinge bieten Welver Hilfe an

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Bereit für die Corona-Hilfe: Die Gruppe um Anas Alsaleh, Ahmad Asbero und Bassel Rostom (von links) will in schwierigen Zeiten ihren Beitrag leisten.

Welver – „Jetzt können wir helfen“, das ist der Satz, der Anas Alsaleh direkt durch den Kopf ging, als sich die Lage in Welver durch die Coronavirus-Pandemie in den vergangenen Wochen veränderte, das „normale“ Leben zum Erliegen kam.

Zusammen mit einigen Freunden hat er ein Hilfsangebot auf die Beine gestellt und im Zentralort auch Flyer an einigen Straßenlaternen aufgehängt. „Jetzt ist die Zeit, Deutschland etwas zurückzugeben“, schreiben die fünf Männer darauf.

Sie wollen Hilfe anbieten, für die Risikogruppe der von dem Coronavirus besonders betroffenen älteren Menschen oder allen, die Probleme haben, gerade jetzt ihren Alltag zu bewältigen. Für einen älteren Mitbürger habe er auch schon in der vergangenen Woche einen Einkauf übernommen, berichtet Alsaleh stolz. Er und seine Freunde wollen noch mehr Flyer ausdrucken, damit noch mehr Menschen von dem Angebot wissen und sich melden können. 

Coronavirus: Einsatz begeistert Sozialarbeiterin

Mareike Höhling, Sozialarbeiterin und zuständig für die geflüchteten Menschen in Welver, freut sich über den Einsatz der Männer. Das Coronavirus wirbelt auch hier das Leben durcheinander. Angebote der Ehrenamtler für die Menschen, die entweder in der ehemaligen Hauptschule oder im Eilmser Wald untergebracht sind oder bereits Wohnungen angemietet haben, sind eingestellt worden. 

Auch die Möglichkeiten zu arbeiten gebe es, so Höhling, in den meisten Fällen nicht mehr, Leiharbeitsfirmen hätten Verträge gekündigt. Alle Flüchtlinge seien aber sehr gut informiert über das, was gerade passiere, seien sehr verständig und akzeptierten die Vorgaben, so Höhling: „Sie halten sich dran.“ In allen Einrichtungen habe man Informationen und die notwendigen Hygieneregeln aufgehängt. 

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In der Unterkunft im Eilmser Wald sei die Lage nochmal anders, weil nun auch der Bürgerbus nicht mehr fahre. Auch andere Fahrdienste wie etwa zum Einkaufen nach Soest oder Hamm gebe es nicht mehr, oft seien die Fahrer gerade aus der Risikogruppe der Älteren. In Eilmsen sei aber natürlich ein Hausmeister vor Ort, meistens zur Mittagszeit, berichtet Mareike Höhling. Viele Sachen hätten sich nun geändert. Sei es sonst absolut notwendig für eine Ausweisverlängerung „zum Amt“ zu fahren, funktioniere das nun auch per Post. Und wer Fragen habe, könne sich unter der bekannten Telefonnummer auch weiter an sie wenden, bekomme Hilfe, bekräftigt Mareike Höhling, die weiß, dass viele Flüchtlinge und Ehrenamtler nun über soziale Medien in Kontakt bleiben. 

Das bestätigt auch Anna Holthoff, die normalerweise die Flüchtlinge in der ehemaligen Hauptschule betreut. Nun müsse man andere Wege der Hilfe finden, sie helfe nun bei Briefen und behördlichen Fragen oder bei Post vom Jobcenter. Inzwischen nehme sie verstärkt wahr, dass die Angst der Menschen um ihre Angehörigen in der Heimat wachse. Gerade in Syrien stiegen die Fallzahlen in den vergangenen Tagen. 

Coronavirus: "Es liegt alles brach"

Ulrich Jungen vom Freundeskreis Eilmser Wald, der sich seit Jahren für die Menschen in der dortigen Einrichtung einsetzt, bestätigt ebenfalls, dass keine Angebote mehr stattfinden. „Es liegt alles brach“, meint Jungen, es gebe keine Fahrten mehr, egal wo hin. Aber er beobachte, dass die Menschen sich untereinander helfen, in Kontakt bleiben über Mail oder WhatsApp: „Alle haben Verständnis für die Situation.“

Kontakt:

Wer Hilfe bei Post- oder Apothekengängen und Einkäufen benötigt, kann sich bei folgenden Personen melden: Ahmas Asbero (0176/87947124), Anas Alsaleh (0179/3622407), Bassel Rostom (0172/9029645), Wisam Alrefai (0172/9021937) und Mohamad Alryabi (0159/01613336).

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