Welvers Partnerstadt

Coronavirus stört Partnerschaft: Für Ketzin kommt es knüppeldick

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Ketzin an der Havel

Welver – Es sind keine guten Nachrichten, die Welver aus seiner Partnerstadt Ketzin an der Havel erreichen. Der 6500-Einwohner-Ort lebt (in corona-freien Zeiten) vom Tourismus und muss folglich dieser Tage mit einem Total-Ausfall zurechtkommen. Wir haben Ketzins Bürgermeister Bernd Lück am Telefon erreicht.

Der Rathaus-Chef ist seit 16 Jahren im Amt, doch jetzt kommt es für ihn und seine Mitbürger so knüppeldick wie selten zuvor. „Wir haben eine Haushaltssperre erlassen.“ Jeder Euro, der nicht lebensnotwendig ist, werde zurückgehalten, weil die Einnahmen der Kleinstadt weggebrochen sind. Vor allem fehlen zurzeit die drei bis vier Millionen Euro, die sonst Jahr für Jahr durch die Gewerbesteuer in die Stadtkasse geflossen sind. Hotels, Pensionen, Strandbad, Gastronomie, Slip- und Steganlagen an der Havel – alles ist dicht. Die Firmen stehen ohne Umsätze da und haben folglich der Stadt geschrieben, dass sie keine Gewerbesteuern überweisen können. „Nuller-Bescheide“ nennt Lück solche Briefe. 

Dabei ginge es jetzt kurz vor Ostern so richtig rund an den Ufern der Havel. Berlin und Potsdam sind nur 30 Autominuten entfernt; die Hauptstädter fahren an den Wochenenden und in den Ferien gern raus aus den Metropolen und genießen hier in einem der schönsten Winkel Brandenburgs die Natur. Oder sie schippern hierher und legen mit ihren Booten am Steg an. Wie gesagt: Der ist gesperrt. 

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Jetzt ist alles zu, berichtet der Bürgermeister. Nur Edeka, Lidl und Netto haben geöffnet. An den Eingängen stehen Security-Mitarbeiter und achten darauf, dass jeder Abstand zum Vordermann hält, sich beim Betreten und Verlassen des Supermarkts die Hände desinfiziert und permanent nicht mehr als 50 Leute gleichzeitig im Markt sind. Die Verkäufer haben damit zu tun, alle naselang sämtliche Einkaufswagen abzuwischen und zu desinfizieren. 

Bürgermeister Bernd Lück

Solche Anstrengungen lohnen sich offenbar. Die Zahl der Infizierten im gesamten Landkreis Havelland (160 000 Einwohner) bezifferte die dortige Verwaltung am Donnerstag auf 72 Fälle. Neun Einwohner befinden sich in kritischem Zustand und seien nach Berlin in Spezialkliniken gebracht worden. „Zum Glück ist hier noch keiner an Corona gestorben.“ 

Coronavirus: Kontakte kommen zu kurz

 Das Virus und die Schutzmaßnahmen beeinträchtigen natürlich auch das Miteinander mit Welver, meint der Bürgermeister. Eigentlich hätten sich in Kürze die Senioren aus Ketzin auf den Weg nach Westfalen zu ihrem jährlichen Treffen machen wollen. Doch nach Reisen ist im Moment niemandem zumute. 

Was die sonstigen Kontakte zwischen Ketzin und Welver angeht, räumt Lück ein, die seien in jüngster Zeit ein wenig zu kurz gekommen. Er habe viel um die Ohren, im vergangenen Jahr hätten Kommunalwahlen stattgefunden. Der gelernte Systemadministrator konnte sich zum dritten Mal als FDP-Kandidat behaupten. 

Ausgerechnet als FDP-Kandidat? „Das war nicht das Entscheidende – ich stamme von hier und bin mit dem Ort verwurzelt.“ Doch dieser Ort dümpelt gerade vor sich hin. „Abgesagt. Abgesagt. Abgesagt“, heißt es durchgehend hinter den Terminen auf der Internetseite der brandenburgischen Kleinstadt.

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