Siedlungsflächenübergang in der Gemeinde Welver auf dem Prüfstand

CDU will Bebauung mit Augenmaß

Auch das Baugebiet auf dem Gelände des ehemaligen Sägewerks Uhlenburg am Ostbusch steht auf dem Prüfstand.
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Auch das Baugebiet auf dem Gelände des ehemaligen Sägewerks Uhlenburg am Ostbusch steht auf dem Prüfstand.

„Wir wollen erst die Reißleine ziehen, wenn seitens der Eigentümer wenig Bereitschaft besteht, die Grundstücke zu vermarkten!“ Michael Schulte, Vorsitzender CDU-Fraktion im Gemeinderat, ist sich mit seinen Mitstreitern einig, dass es Ziel der Gemeinde Welver sein sollte, in den vorhandenen Baugebieten tatsächlich Häuser hochzuziehen, um den Anforderungen der Regierungsregierung nachzukommen.

Welver – Arnsberg hat der Kommune aufgetragen, den Siedlungsflächenüberhang abzubauen. Dies kann dadurch geschehen, dass auf vorhandenem Bauland tatsächlich gebaut wird. Oder dadurch, dass „alles auf Null gesetzt wird“. Das könne aber nicht im Interesse der Gemeinde sein, betont André Buschulte, Vorsitzender des Ausschusses für Gemeindeentwicklung. „Es hat ja mal gute Gründe gegeben, diese Flächen als Bauland auszuweisen“, ergänzt Schulte, der sich mit seinen Fraktionskollegen in den vergangenen Wochen intensiv mit der Problematik auseinandergesetzt hat.

Grundlage für die Arbeitsgruppen war das vom Bauamt der Gemeinde unter Federführung von Dirk Große erstellte, 200 Seiten umfassende Dokument, in dem ausführlich das Thema Siedlungsflächen dargestellt worden ist. Demnach werden im Flächennutzungsplan der Gemeinde 328 Hektar als Siedlungsfläche dargestellt. Davon sind von 27,6 Hektar nicht bebaut. Laut Arnsberg hat Welver aber rechnerisch einen Bedarf von lediglich 2,5 Hektar. Daraus ergibt sich ein Überhang von 25,1 Hektar.

In einem Pressegespräch listete Michael Schulte den Teil der vorhandenen Flächen auf, für die schon ein Bebauungsplan vorhanden ist: in Welver 1,14 Hektar an der Hachenstraße (12-14 Bauplätze), 2,82 Hektar an der Ladestraße (35-40), 1,18 Hektar am Ostbusch (14), in Borgeln 0,67 Hektar am Butterberge (10), in Illingen 0,82 Hektar Auf’m Kamp (12-14), in Scheidingen 1,67 Hektar am Landwehrbach (20-22) und in Schwefe 0,24 Hektar am Hügel (3).

Diese Flächen ließen sich außer Kraft setzen, zumal die Ausweisung als Baugebiete schon mehr als sieben Jahre zurückliege. „Das hätte zur Folge, dass sie künftig wieder Acker- oder Weideflächen wären“, erläutert der CDU-Sprecher die mögliche Entwicklung.

Dies dürfte ohnehin mit einem halben Dutzend anderer Flächen geschehen wie am Schatterweg in Scheidingen, am Sägemühlenweg in Schwefe oder am Dornenkamp in Eilmsen. „Diese Flächen eignen sich nicht“, ist sich die Union laut Buschulte auch mit den anderen Fraktionen einig.

Bei den anderen Flächen hieße die Alternative, mit Augenmaß unter Berücksichtigung der Infrastruktur die Bebauung zu forcieren. Michael Schulte wümscht sich Lippetaler Verhältnisse. „Dort hat die Gemeinde den Daumen drauf. Sie hat Flächen angekauft und entwickelt und vermarktet sie nach und nach in Eigenregie.“

Das ist aber in Welver nicht der Fall. Es gibt so gut wie keine bebaubaren Flächen in Gemeindebesitz. Daher sei es höchste Zeit für die Gemeinde, mit den Eigentümern zu sprechen.

Prämisse müsse ein, den ländlichen Charakter der Dörfer zu wahren. Daher kam es für die CDU beispielsweise nicht in Frage, das Vorhaben eines Dortmundes Investors zu unterstützen, der in Borgeln über 50 Wohneinheiten südlich des Sportplatzes hochziehen wollte.

„Wir wollen frisches Blut in den Dörfern, dürfen aber nicht mit der Brechstange agieren, sondern vielmehr mit Bedacht“, betont die Borgelner Ortsvorsteherin Anke Wolff-Hochstein zu diesem Thema.

Zwar bekomme sie eine Fülle von Anfragen Bauwilliger. Doch müsse ein Baugebiet in einem Ort dieser Größenordnung sukzessive entwickelt werden. Eine einzeilige Bebauung entlang der Jahnstraße sei denkbar, zumal auch die Nähe des Sportplatzes berücksichtigt werden müsse. Der Investor aus Dortmund ist dabei allerdings nicht mehr mit im Spiel. „Da werden sich andere Möglichkeiten finden“, sind die CDU-Vertreter sicher.Bezüglich des gesamten Siedlungsflächenüberhangs sei nun wichtig, gegenüber der Bezirksregierung zu beweisen, dass sich in Welver etwas bewegt.

„Der Druck aus Arnsberg ist gut, wir müssen jetzt aktiv werden“, sieht auch Vize-Bürgermeister Andreas Braun längst überfälligen Handlungsbedarf. Da müssten jetzt alle politischen Kräfte zusammenarbeiten. Dann bestünde auch die Möglichkeit, Ausnahmegenehmigungen für andere Bereiche zu bekommen, die aktuell noch gar keine Baugebiete sind.

Dabei hat die CDU auch das Raiffeisengelände im Zentralort im Blick, wenngleich es ihre ursprüngliche Haltung war, im Bereich Ladestraße und Reiherstraße eine gemischte Bebauung, also inklusive Gewerbe, zu ermöglichen.

Auch gehe es darum, eine Blockade in den Dörfern aufzuheben. Solange der Siedlungsflächenüberhang nicht vom Tisch ist, dürfte es laut Buschulte schwierig werden, in den kleineren Orten auch nur Genehmigungen für einzelne Häuser zu bekommen.

„Wir sind eine Gemeinde, die ist in ganz Westfalen einzigartig. Wir müssen 21 Dörfer unter einen Hut kriegen, die vor 50 Jahren zu einer Gemeinde zusammengewürfelt worden sind“, erinnert André Buschulte an die Geschichte.

Jetzt gehe es darum, eine Weiterentwicklung überall zu ermöglichen, ohne aus den ganz kleinen Dörfern jetzt große Orte machen zu wollen. Schließlich müsse auch der Vermeidung von Flächenversiegelung Rechnung getragen werden.

Insgesamt aber sei es durchaus erstrebenswert, langfristig eine Größenordnung von 14 000 bis 15 000 Einwohnern anzustreben. „Es muss aber alles bezahlbar bleiben“, gilt es laut Buschulte, Preistreiberei bei den Grundstücken zu vermeiden.

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