THTR-Umfeld: Cäsium im Boden nachgewiesen

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WELVER - NRW-Umweltminister Johannes Remmel hat in einer Stellungnahme neue Erkenntnisse zu den vor einiger Zeit nahe des Uentroper Kraftwerks gefundenen „Kügelchen“ mitgeteilt. Demnach hält es die Landesregierung für plausibel, dass es sich bei den kleinen Partikeln um Überreste des Düngemittels Konverterkalk handelt.

Eine Auswertung der Daten aus dem Krebsregister der Region soll in Kürze nachgereicht werden.

Der CDU-Landtagsabgeordneten für den Rheinisch-Bergischen Kreis, Rainer Deppe, hatte in einer Sitzung des Landtag-Ausschusses im Januar einen Fragenkatalog zu den Kügelchen gestellt, den Remmel nun umfassend beantwortete.

Im Zentrum stand dabei natürlich dabei die Herkunft der Mini-Partikel, die die Scheidinger Jugend-forscht-Teilnehmerin Samantha Seithe und ihr Betreuer Achim Hucke im vergangenen Jahr entdeckt hatten (der Anzeiger berichtete mehrmals). Hierzu habe die Landesregierung „umfangreiche Recherchen“ durchgeführt, so Remmel.

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Dabei habe sich die ursprüngliche These, dass die Kügelchen wegen ihres hohen Anteils an Eisenoxid Abfallprodukte aus industriellen Hochtemperaturprozessen (wie etwa in einem Stahlwerk oder einer Eisengießerei) gewesen seien, nicht bestätigt: „Eisenverarbeitende Betriebe sind im untersuchten Gebiet nur in geringer Zahl und mit relativ niedrigen Staubemissionen aufgeführt. Augrund der Entfernung und der Partikelgröße ist nicht plausibel, dass diese Betriebe ursächlich für die gefundenen Kügelchen sein könnten“, so Remmel. Auch das Kraftwerk Westfalen scheide als Verursacher aus. Hier sei der Eisengehalt der eingesetzten Kohle sehr gering.

Stattdessen erwies sich offenbar eine andere Spur als erfolgsversprechend: Weil alle Probenentnahmen auf landwirtschaftlich genutzten Flächen oder in unmittelbarer Nachbarschaft dazu gemacht wurden, prüfte die Behörde, ob Düngemaßnahmen als Quelle in Frage kamen. Tatsächlich fielen bei der Eisen- und Stahlherstellung bestimmte Schlacken als Nebenprodukte an, von denen ein Teil zu Dünge- und Bodenverbesserungsmitteln aufgearbeitet werde, so Remmel. Ein Beispiel hierfür sei so genannter Konverterkalk.

Eine Probe dieses Düngemittels sei daraufhin vom Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz eingehend untersucht und viele Parallelen zu den Proben der Scheidingerin festgestellt worden: „Die Analyseergebnisse sind vergleichbar“, so Remmel. Zudem seien die Kügelchen des Konverterkalks eindeutig als Eisen(oxid)-Kügelchen verschiedener Größe mit und ohne Kalkhülle erkennbar gewesen – ganz wie die Kügelchen aus den Proben der Schülerin. Um diese Theorie weiter zu stützen, würden demnächst Untersuchungen auf Versuchsflächen von Düngemittelherstellern durchgeführt.

Dass die kleinen Kügelchen aus dem THTR stammen könnten, schließt Remmel ausdrücklich aus: „Untersuchungsergebnisse zeigen, dass die Kügelchen im Wesentlichen aus Eisenoxid bestehen und keine nachweisbare Radioaktivität besitzen. Derartige Kügelchen können eindeutig nicht aus dem Thorium-Hochtemperaturreaktor stammen.“

Auf der anderen Seite räumte der Umweltminister ein, dass bei Proben das radioaktive Element Cäsium gefunden worden sei – nicht in denen von Samantha Seithe, sondern in den halbjährlich entnommenen Proben des Landesinstituts für Arbeitsgestaltung. Die Radioaktivität liege mit 18,9 Becquerel pro Kilogramm aber in einem geringen Bereich, der durch den Fallout von Kernwaffenversuchen oder des Reaktorunfalls von Tschernobyl erklärt werden könne. In ähnlicher Konzentration werde Cäsium in den verschiedensten Bodenproben in NRW gefunden. Als nächsten Schritt zur Aufklärung der Kügelchen-Frage wertet das Umweltministerium derzeit Daten aus dem Krebsregister der Region aus. Die Ergebnisse sollen in Kürze veröffentlicht werden. - tob

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