Mia aus Welver

Busfahren auf dem Land: Schulweg bringt Probleme mit sich

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Mia aus Recklingsen will gern mit dem Bus zur Schule fahren, kommt aber oft nicht so gut zurück.

Recklingsen/Borgeln – Mia fährt gerne Bus. Denn das ist nicht nur hier auf dem Land so ganz allein ohne die Eltern ein großes Abenteuer. Voller Stolz startete die Sechsjährige nach den Sommerferien 2019 mit der Linie 625 in den Schulalltag, zu dem für sie auch die tägliche Busfahrt von Recklingsen zur Grundschule Borgeln gehört.

Dass diese Tour besonders auf dem Rückweg mal richtig abenteuerlich sein kann, das hat die Familie in den vergangenen Monaten immer wieder feststellen können. Denn während Mia auf dem Hinweg an der Haltestelle Osthoff in den Bus ein- und an der Grundschule wieder aussteigt, gestaltet sich der Rückweg auf dem „platten Land“ deutlich aufwendiger. Hier endet die Fahrt mit dem Linienbus in der Klotinger Ortsmitte, wo ein Kleinbus die Schülerin übernimmt und bis zur Haltestelle nach Recklingsen fährt. 

Soweit der Plan, der eigentlich jeden Tag klappen sollte. Eigentlich, weil die reibungslosen Abläufe viel Kommunikation nötig machen, die manchmal dann eben doch nicht funktioniert. So geschehen durch den Stundenplanwechsel nach Halbjahrsende, seitdem Mia zweimal fünf statt sonst vier Stunden Unterricht hat. 

„Da stand Mia plötzlich ganz allein in Klotingen, kein Kleinbus in Sicht, und wir haben sie an allen bekannten Stellen, Schule und Bushaltestelle gesucht“, erzählt Mutter Stephanie Schölpert-Winkler. Wie man sich als Elternteil fühlt, wenn das eigene Kind plötzlich unauffindbar ist, kann jeder ermessen, der selbst Kinder hat. „Wir waren natürlich in heller Aufregung und froh, als Mia dank der Hilfe eines anderen umsichtigen Busfahrers wohlbehalten zu Hause ankam.“ Natürlich wurde bei der Mutter in dieser Situation einmal mehr der Ruf nach einer anderen Lösung laut. 

Haltestelle abgelehnt

Eine von der Familie Ende 2019 beantragte Bushaltestelle auf der Straße „Westen“, dem Wohnort, wurde wegen einer gefährlichen Kurve durch den Kreis Soest als Genehmigungsbehörde abgelehnt. Das entsprechende Schreiben dazu liegt der Gemeinde Welver vor, die sich ebenfalls immer wieder für einen sicheren Transport der Schülerin stark gemacht hatte. Die Bushaltestelle einige hundert Meter weiter Richtung Berwicke einzurichten sei, so das Busunternehmen, nicht rentabel und würde zusätzliche Fahrplanänderungen nach sich ziehen. 

Auch Annette Zurmühl, Sprecherin der Regionalverkehr-Ruhr-Lippe GmbH (RLG), unterstreicht die Sorgfaltspflicht des Unternehmens hinsichtlich der Schülerfahrten. „Unsere Fahrer sind angehalten, entsprechende Informationen, wie neue Stundenpläne, das Warten vor Ort, bis der Kleinbus eingetroffen und damit der sichere Umstieg gewährleistet ist, weiterzugeben.“ Doch auch hier kann aufgrund plötzlichen Personalwechsels und mangelnder Informationsweitergabe auch mal etwas nicht klappen. „Unser Ziel ist es natürlich, das zu vermeiden und für dieses wie alle anderen Kinder einen zuverlässigen Transportweg zu sichern“, so Zurmühl weiter. Sie betont aber auch, dass eine zusätzliche Haltestelle vom Kreis Soest genehmigt werden müsste, bevor die RLG mit einer entsprechenden Fahrplanänderung reagieren könne, die wiederum den Aspekten der Wirtschaftlichkeit unterworfen sei. 

Stephanie Schölpert-Winkler hofft nach wie vor auf eine Bushaltestelle auf der Straße Westen – am besten dort, wo sie schon früher einmal war, vor dem Hof Schulze-Westen mit der Hausnummer 2. „Als die Buskinder hier wegfielen, war auch die Haltestelle Geschichte,“ so Schölpert-Winkler. 

Auto-Transport nach Corona-Pause

 Nach acht Wochen ohne Schulunterricht aufgrund der Corona-Pandemie besucht Mia aktuell nur einmal in der Woche die Grundschule in Borgeln. „Diese Bussituation war mir jetzt eindeutig zu heikel, deshalb fahren wir unsere Tochter noch bis zu den Sommerferien mit dem Auto“, erklärt ihre Mutter. 

Aber wer weiß, vielleicht ergeben sich, falls irgendwann wieder mehr Kinder aus Recklingsen zur Grundschule starten müssen, neue ungeahnte Möglichkeiten auf der Buslinie, die in Richtung Dinker fährt. Schon im neuen Schuljahr bekommt Mia beim Busfahren Unterstützung, wenn ihr jüngerer Cousin ebenfalls die Grundschule besucht und die Kids damit zukünftig im Doppelpack von der Recklingser Haltestelle aus unterwegs sind.

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