Bürgermeisterwahl: Ingo Teimann im Portrait

WELVER -  „Ich bin zufrieden“, sagt Ingo Teimann, „zufrieden mit mir, mit meiner Situation. Andere würden das wohl ‘in sich selbst ruhen’ nennen.“ Dabei lehnt der amtierende Bürgermeister der Gemeinde Welver und Kandidat der CDU für die Kommunalwahl am 25. Mai entspannt in seinem Gartenstuhl, blinzelt in die Sonne und blickt über den großen Garten.

Von Laura Schwabbauer

Ganz so entspannt geht es zu Beginn des Interview-Termins nicht zu: „Welches Hemd soll ich anziehen?“, ruft Teimann seiner Frau Susanne zu. Seit 29 Jahren kennen sich die beiden, seit 22 sind sie verheiratet. Susanne ist nicht nur seine Stütze in Hemdenfragen: „Wir diskutieren natürlich über meinen Beruf. Manchmal über die Dinge, die in den Medien über mich zu lesen sind, aber auch über Sachfragen. Oft ist man ja schon auf eine Sichtweise eingefahren, da hilft eine zweite Meinung“, beschreibt Teimann das Familienleben. Auch seine beiden Töchter, Johanna und Antonia (19 und 16), würden den Job ihres Vaters gut finden.

Er ist sich sicher: Ohne den Rückhalt seiner Familie würde der Beruf des Bürgermeisters nicht funktionieren. Teimann meint: „Dieser Job geht viel zu sehr ins Privatleben hinein, als dass das nur Arbeit sein könnte. Das muss auch ein Stück weit Leben sein. Man muss das wollen.“

Das erste, was Teimann lernte, als er 2009 mit 39 Prozent der Stimmen Bürgermeister wurde, war eine völlig neue Zeiteinteilung. „Bürgermeister ist man immer. Die Leute erwarten, dass man 365 Tage im Jahr für sie da ist und man steht schon ein bisschen unter Beobachtung. Das ist nicht schlimm, erfordert aber eine vollkommen neue Einteilung der freien Zeit.“ Bewusster würde er jetzt die Zeit nutzen, in der er wirklich frei habe, gern im Garten liegen. „Ich bin gern zuhause“, gibt er zu.

Heimat immer in Welver

Zuhause hat für Teimann schon immer Welver bedeutet. Er machte sein Abitur am Archigymnasium in Soest, leistete seinen Grundwehrdienst in Holzminden und ging für sein BWL-Studium nach Bielefeld. Mit Susanne war er zu dieser Zeit schon zusammen, kam also immer wieder in den Kreis Soest zurück.

„Heimat ist für mich wichtig. Wir wohnen hier mit meinen Eltern und meinem Bruder in einem Dreieck von 500 Metern. Das ist mir viel wert.“ Er sei allerdings „das schwarze Schaf der Familie“ – Vater Egbert Teimann ist SPD-Politiker.

Wunsch nach offener Diskussion

„Über politische Themen sollte man aber parteiunabhängig diskutieren können – in der Familie klappt das ganz gut. In Welvers politischen Gremien hingegen können wir nicht offen genug über Dinge sprechen. Da werden zu viele Überschriften gedroschen und zu wenig Lösungsansätze geboten.“ Für ihn sei es wichtig, dass wertneutral diskutiert würde.

2004 war Teimann in die CDU eingetreten, wurde im selben Jahr Fraktionsvorsitzender in Welver, bis er 2009 schließlich Bürgermeister wurde.

In seinen Augen bietet dieser Beruf viel Positives: „Ein Bürgermeister ist auch immer Repräsentant. Das kenne ich aus 15 Jahren Arbeit im Vertrieb. Das macht mir Spaß. Ich bin ein Menschenfreund, schon immer gewesen. Ich mag es einfach, mit neuen Leuten in Kontakt zu treten.“

Auch die Leitung der Verwaltung innezuhaben, mache ihm Spaß. „Wir arbeiten im Team, die Aufgaben sind klar verteilt und die Zusammenarbeit ist gut. Der Bügermeister hat zwar Entscheidungsbefugnis, aber in manchen Bereichen ist es natürlich gut, die Meinung eines Experten zu haben.

Ihn ärgere, dass stets auf die Politik „gehauen“ würde: „Auf allen Ebenen wird über Politik geschimpft. Dabei braucht es einfach mehr Leute, die Verantwortung übernehmen, sich engagieren.“ Ähnlich denkt er auch über Welver: Die Menschen in den Ortsteilen, in den Dörfern, müssen ihre Zukunft selbst mitgestalten können und wollen.“

Auch wenn die Gestaltungsmöglichkeiten aufgrund des Stärkungspaktes natürlich begrenzt seien und bis zum Ende des Paktes noch ein weiter Weg sei. Teimann sieht in dieser Situation der Gemeinde eine Herausforderung: „Ich will nichts versprechen, was ich nicht bezahlen kann. Aber natürlich kann man aus dem Wenigen das da ist, das Beste rausholen. Ich sage mir: Ich will das, was ich kann, auch machen. Wir müssen darauf achten, dass trotz der Finanzlage unsere politische Kultur nicht noch schlechter wird.“

Am 25. Mai haben die Wahlberechtigten das Wort, und am wichtigsten ist sicherlich die Entscheidung über die Bürgermeister. Wo die Bürger der Schuh drückt, können sie im Rahmen der Wahlberichterstattung selber formulieren. Der Anzeiger bietet den Lesern die Möglichkeit, mit den Kandidaten aus Bad Sassendorf, Lippetal, Möhnesee und Welver ins Gespräch zu kommen. Für die Berichterstattung werden die Fragen oder Anmerkungen gesammelt und an den jeweiligen Bürgermeisterkandidaten weiter geleitet. Fragen, Anregungen und Anmerkungen können per E-Mail an landredaktion@soester-anzeiger.de oder per Kommentarfunktion im Internet formuliert werden.

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