Korn in Welver

Brennende Strohballen und Kerzen-Kübel: So schützt der Obsthof die Bäume vor Frost

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Nächtliches Lichtermeer auf den Feldern des Obsthofes in Einecke und Recklingsen. Schon um kurz nach 4 Uhr sind die schimmernden Paraffin-Eimer zwischen den Bäumen von weither zu sehen.

Einecke – „Eine kalte Nacht noch“, heißt es zuweilen im Volksmund lapidar, bei einem Gegenüber mit Erkältungssymptomen. Jede kalte Nacht um den Gefrierpunkt bereitet Arne Korn, dem Inhaber des gleichnamigen Obsthofs in Einecke, aktuell extreme Kopfschmerzen.

Welchen Einsatz er und seine Mitarbeiter derzeit gegen die massiv kalten Nachttemperaturen fahren, davon konnte man sich in den vergangenen Morgenstunden persönlich vor Ort überzeugen. 

Die Aktion „Frostabwehr“ läuft mitten in der Nacht an. Bei der Ankunft auf der Obstbaumplantage um 4 Uhr – das Außenthermometer des Autos zeigt minus 5 Grad an – sind das Blaulicht des Feuerwehrfahrzeugs und die Feuer der Paraffin-Eimer bereits von weither zu erkennen. Mehrere hundert dieser Kerzen-Kübel mit einer Brenndauer von acht bis zehn Stunden hat das Korn-Team schon zu viert innerhalb von zwei Stunden im Abstand von fünf Metern in den Reihen zwischen den Ostbäumen platziert und schließlich entzündet. 

,,Obsthof schützt Bäume vor Frost"

Dazu laufen die riesigen Ventilatoren der Windmaschine, weil zirkulierende Luft weniger abkühlt. „Frost ist wie zäher Brei“, erklärt Arne Korn, „wenn der ungehindert niedersegelt.“ 1,5 bis 2 Grad könnten mit der Luftzirkulation aufgefangen werden. 

Doch das allein reicht nicht, sagt der Experte in Sachen Obstanbau. Gegen den sternenklaren Himmel werden alte Strohballen in Brand gesetzt, die viel Rauch produzieren, der sich mit der Luftzirkulation über die Felder zieht. Erstmals fand in diesem Jahr die Frostbekämpfung mit einer Brandwache statt. Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr sorgten dafür, dass die Aktion klar erkennbar ist und niemand Unbefugtes auf die Fläche gelangen kann. 

Mit dieser Windanlage soll die Lufttemperatur erhöht werden.

„Leider hat jetzt auch noch der Wind gedreht, sodass eines unserer Zwetschgen-Felder trotz Strohfeuer komplett ungeschützt liegt“, so Korn. Er weiß genau, dass es Schäden geben wird, gibt aber mit seinem Equipment alles, um diese möglichst gering zu halten. Dafür wurde, ebenfalls im Vorfeld, der Boden des zwei Hektar großen Areals gewässert, damit so die Wärme auch im Boden besser gehalten werden kann. 

Milde Winter sind schuld

 Warum diese komplexe Art der Frostabwehr in den letzten Jahren immer öfter nötig wurde und stetig zunimmt, weiß Arne Korn nur zu gut: Durch die milden, nahezu nicht vorhandenen Winter, sei die Blüte der Obstbäume wie Zwetschgen, Kirschen, aber auch Birnen und Apfel, für diese Jahreszeit schon sehr weit fortgeschritten. 

Es sind lange Nächte für den Unternehmer, die immer wieder vom bangen Blick auf das Thermometer und auf die Nachrichten dominiert werden. Das Fazit nach dieser „Frühschicht“: Man ist froh, wenn man sich bei einem heißen Kaffee an den Frühstückstisch setzen kann – mit einem Hauch von Brandgeruch in den Haaren. 

Arne Korn und sein banger Blick aufs Thermometer.

Ein Aufwand wie in dieser Nacht kann nur drei bis vier Mal betrieben werden, denn: „die Kosten sind immens, sonst lohnt sich die ganze Ernte nicht mehr.“ Stand Dienstag reichte das Material für „eine kalte Nacht noch“...

Betriebe warten auf die Erntehelfer

Warum Arne Korn seine Obstbäume in diesem Jahr besonders in den Fokus rückt, ist angesichts der Corona-Krise klar: „Normalerweise liegt unser Haupterwerb mit 60 bis 70 Prozent auf der Erdbeerernte.“ Bianka Korn berichtet, dass einige Saisonarbeiter schon seit Januar da sind. Ende April, Anfang Mai werde aber weitere Unterstützung gebraucht. „Durch die noch fehlenden Erntehelfer müssen wir Flexibilität zeigen und in allen Sparten vollen Einsatz fahren“, sagt Arne Korn. 

Während der Saison beschäftigt der Obsthof seit 20 Jahren immer die gleichen Arbeiter aus Polen und Rumänien. „Wir brauchen unser festes Stammpersonal – wenn uns das nicht zugestanden wird, weiß ich nicht, was werden soll.“ Fraglich ist auch, was mit den Verkaufsständen passiert, die im Sommer an den Straßenrändern aufgebaut werden und an denen man sich frische Erdbeeren oder Kirschen kaufen kann. 

Beim Gemüsebau von Klaus Buschhoff aus Borgeln wartet man ebenfalls auf die Saisonarbeiter. Ulrike Buschhoff erklärt, dass die Familie mithilfe der Söhne und wenigen Aushilfen die Arbeit im Augenblick selbst stemme. Noch sei Pflanzzeit, die mit vereinten Kräften bewältigt werde.

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