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Herbert Wilms, viele Jahre Hausmeister der Grundschule im Hagen, feiert 90. Geburtstag

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Von: Dirk Wilms

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Herbert Wilms feiert am Sonntag seinen 90. Geburtstag.
Herbert Wilms feiert am Sonntag seinen 90. Geburtstag. © Dirk Wilms

Herbert Wilms, vielen durch seinen Einsatz als Hausmeister in der Grundschule im Hagen bekannt, feiert am Sonntag seinen 90. Geburtstag. Der Jubilar setzte sich als begeisterter Sänger für verschiedene Chöre ein.

Welver – Auf dem Kartoffelacker noch mit ihrer Hände Arbeit im Einsatz spürte sie, wie die Wehen einsetzten. Im Nu wurde Dorchen Wilms in ihre Wohnung gebracht. Es war der 1. August 1931, ein heißer Sommertag in der Börde, an dem Herbert Wilms das Licht der Welt erblickte. An diesem Sonntag vollendet der Welveraner sein 90. Lebensjahr.

Seine Kindheit verbrachte er in der kleinen Bauernschaft bei Klotingen; eine für ihn als Kind unbeschwerte Zeit, wie sich der Jubilar erinnert. Ganz in der Nähe des Buchenwaldes war es ein herrliches Gelände für den kleinen Herbert, seinen großen Bruder Heinz und die Spielkameraden im Erlei. Als gebürtiger Klotinger ging er auch dort zur evangelischen Dorfschule, ein Klassenraum für sämtliche Jahrgänge. Dort blieb er er auch, als die Familie in den Frankenkamp nach Meyerich gezogen war. „Wintertags liefen wir durch meterhohen Schnee bis Klotingen“, war von Schulbussen noch keine Rede.

Mit der Idylle war es bald vorbei, die Nazis brachen den 2. Weltkrieg vom Zaun. Der junge Herbert erlebte mit, wie russische Kriegsgefangene misshandelt wurden, wie sich die Familie im von Vater Wilhelm provisorisch gebauten Bunker im Garten verkroch, wenn Fliegeralarm ausgelöst wurde.

Er erlebte mit, wie sein Bruder als völlig verblendeter 16-Jähriger vom Endsieg träumend in den Krieg zog und im April 1945 die Nachricht eintraf, dass er in Tschechien gefallen war. Und er sah, wie die amerikanischen Soldaten kamen. „Wir haben von der Gaststätte Wilms aus beobachtet, wie sie über die Werler Straße Richtung Welver marschierten, sich im Straßengraben duckten“, war der nunmehr 90-Jährige vor 76 Jahren Zeuge des Kriegsendes.

Ein Jahr später machte er sich mit an den Wiederaufbau des zerstörten Landes, ging in der Schreinerei von Otto Horst an der Kesselstraße in Soest in die Lehre. Als Schreinergeselle fand er rasch eine Anstellung bei der Bundesbahn, ging nach Dortmund, später nach Bochum und Hamm. Da hatte er längst mit seiner aus Dortmund stammenden Frau Gerti eine Familie gegründet mit den Söhnen Dirk und Rainer.

1971 wechselte Herbert Wilms den Arbeitgeber, wurde in Diensten der Gemeinde Welver Hausmeister an der Grundschule im Hagen. 20 Jahre lang waren Blaumann und Zigarre die Markenzeichen des Welveraners, der es sich am 6. Dezember selten nehmen ließ, den Mädchen und Jungen als Nikolaus tröstende Worte zu spenden.

In seiner Freizeit hatte er sich vor allem dem deutschen Liedgut verschrieben. „Singe, wem Gesang gegeben“, war sein Leitspruch, gehörte er doch schon als 19-Jähriger dem evangelischen Kirchenchor und dem Gemischten Chor in Flerke an. Aus diesem Kreis bildete sich das Doppelquartett „Einigkeit“, zu dessen Gründungsmitgliedern er vor 70 Jahren gehörte. Als Kassierer brachte er sich sogleich in die Vorstandsarbeit ein, als die Beiträge noch durch Besuche bei jedem Mitglied in bar kassiert wurden.

1973 übernahm Herbert Wilms den Vorsitz des in Quartettverein umbenannten Chores, führte die Sänger bis 2007, war einer Initiatoren für den „Tanz in den Mai“. In den Jahren gründete er auch den Kinderchor, der ein gutes Jahrzehnt Bestand hatte. Für seine Verdienste wurde er 1992 mit der Verdienstmedaille der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet.

Auch in der evangelischen Kirchengemeinde engagierte er sich vielfältig, wie auch seine Frau Gerti, der vor gut zwei Jahren verstorbenen, langjährigen Vorsitzenden der Frauenhilfe, war viele Jahre im Presbyterium, gehörte zu den Mitbegründern des Kirchbau-Vereins. Seine Heimatverbundenheit zeigt sich auch in der Mitgliedschaft in vielen Vereinen wie bei den Horrido-Schützen, den Sportlern des TV Flerke und SV Welver, den Kyffhäusern und dem Heimatverein; auch der SPD gehörte Herbert Wilms an. Als Präsident des Flerker Karnevals führte er viele Jahre durchs Programm der Prunksitzung in der Flerker Turnhalle.

Seinen Lebensabend verbringt der sechsfache Groß- und zweifache Urgroßvater im Wohnpark Klostergarten, wo er sich als Vorsitzender des Heimbeirats in die Gemeinschaft einbringt. Jetzt freut er sich darauf, dass nach den für ihn und seine Mitbewohner entbehrungsreichen Monaten des Corona-Lockdowns die Familie am Sonntag zur Feier kommen kann.

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