Beckumer Straße in Welver

Zu wenige Fußgänger für Zebrastreifen: Anwohnerin hofft auf neue Verkehrszählung

Ist es hier gefährlich? Der Streit um die Beckumer Straße hat – zumindest vorerst – ein Ende gefunden. Ein Zebrastreifen kommt an dieser Stelle nicht infrage, weil es laut Kreis einfach nicht genügend Fußgänger gibt.
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Ist es hier gefährlich? Der Streit um die Beckumer Straße hat – zumindest vorerst – ein Ende gefunden. Ein Zebrastreifen kommt an dieser Stelle nicht infrage, weil es laut Kreis einfach nicht genügend Fußgänger gibt.

Es bleibt gefährlich an der Beckumer Straße im Zentralort, zumindest nach der Ansicht einiger Anwohner. Denn inzwischen steht fest: Vorerst wird am nordöstlichen Ortseingang von Welver nichts passieren, um die Verkehrssituation zu entschärfen.

Welver - Anliegerin Kathrin Schnieder hatte sich bereits Anfang des Jahres dafür eingesetzt, dass etwas getan wird. Auf der Landstraße 795 gilt in Höhe Kirchwelver längst Tempo 50, doch gefahren wird hier deutlich schneller, sagt Schnieder. Die dreifache Mutter sorgt sich um die Sicherheit ihrer Kinder und beschwerte sich in der vergangenen Woche erneut über die vermeintliche Gefahrenstelle, für die der Kreis Soest und der Landesbetrieb Straßen-NRW zuständig sind.

Auf den Hilferuf reagierte Fabian Griewel, FDP-Fraktionsvorsitzender im Kreistag. Er ist selbst in der Nähe aufgewachsen, kennt daher die Situation vor Ort und schätzt diese ebenfalls als problematisch ein, weil viele Fußgänger die Straße überqueren müssten – immerhin gibt es in der Gegend zwei Kindergärten sowie einige Spaziergänger, die in Richtung der Kirchen wollen. Zudem seien hier häufig Bewohner des Altenheims unterwegs.

„Veränderungen an Straßen werden natürlich nicht für Einzelpersonen vorgenommen, sondern müssen im allgemeinen Interesse liegen“, sagt Griewel, der die Initiative ergriff und eine neue Lösung ins Spiel brachte: „Ich könnte mir vorstellen, an der bereits vorhandenen Übergangsinsel einen Zebrastreifen zu installieren. Die Gefahr für spielende Kinder und ältere Leute wird dadurch gemindert.“

Mit diesem Vorhaben klopfte der 23-Jährige bei der Kreisverwaltung in Soest an und bekam schnell eine Rückmeldung. Das zuständige Dezernat führte an zwei Terminen eine Verkehrszählung durch. Das sind die Ergebnisse:

Wie viele Fahrzeuge?

Laut Kreis nutzen durchschnittlich 75 Fahrzeuge pro Stunde die Beckumer Straße. Zu den Spitzenstunden (Berufsverkehr, Mittagszeit) liege dieser Wert bei 210 Fahrzeugen.

Wie schnell fahren sie?

Tempomessungen haben ergeben, dass die Durchschnittsgeschwindigkeit bei etwa 62 Kilometern pro Stunde liegt. Trotzdem nennt der Kreis die „Unfalllage unkritisch“ – die Polizei habe in diesem Bereich in den vergangenen Jahren keine Unfälle aufgenommen.

Wie viele Fußgänger?

Stichprobenhaft wurden in der vergangenen Woche die Fußgänger an der Querungsinsel an der Kreuzung mit dem Pferdekamp (L747) und dem Klosterhof gezählt. Am Montagnachmittag zwischen 12 und 14.30 Uhr wurden zehn Personen erfasst, am Dienstagvormittag von 7.30 bis 8.30 Uhr waren es nur drei Fußgänger.

Zur Einordnung: Erforderlich für einen Zebrastreifen sind mindestens 50 Fußgänger in den Spitzenstunden. Dieser Wert wurde 2001 vom Land NRW festgelegt und wird den Kreisen seitdem vorgegeben.

Wie aussagekräftig sind die Zahlen?

Doch wie aussagekräftig sind diese Zahlen in Corona-Zeiten? Kathrin Schnieder sagt, dass zuletzt tatsächlich weniger Verkehr ist, und führt das auf den derzeitigen Lockdown zurück. Der Kreis erwidert: „Der dortige Kindergarten ist unabhängig von der Corona-Pandemie geöffnet, die Arbeit der Kirchen und der Caritas laufen weiter und Spaziergänger nutzen wie gewohnt die nahen Waldwege.“

Wie gefährlich ist es?

Kathrin Schnieder beschreibt die Situation vom Ortseingang bis zur Avia-Tankstelle an der Bahnhofstraße als „heikel“. Der Kreis Soest spricht von einem sehr gradlinigen Straßenverlauf mit einer ausreichenden Sichtweite von mehr als 60 Metern in beide Richtungen.

Bei einem Ortstermin im Frühjahr wurde entschieden, dass die Straße unterm Strich keine baulichen Veränderungen für mehr Sicherheit benötige.

Was ist sonst möglich?

Ein weiterer Lösungsvorschlag, der im Raum stand, ist eine Tempo-Reduzierung auf 30 Stundenkilometer. Doch das kommt dem Kreis Soest zufolge nicht infrage: „Eine Beschränkung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit auf 30 km/h ist auf klassifizierten Straßen, zu denen die L 795 gehört, nur im unmittelbaren Bereich sozialer Einrichtungen mit direktem Zugang zur Straße zulässig. Diese Voraussetzungen liegen hier nicht vor.“

Wie geht es weiter?

Für den Kreis Soest ist das Kapitel „Beckumer Straße“ vorerst geschlossen: „Die Örtlichkeit wurde bereits mehrfach geprüft, weitere Zählungen sind derzeit nicht geplant.“ Die Raser wolle man weiter kontrollieren, die Straße bleibt für die mobile Geschwindigkeitsüberwachung vorgesehen. Mögliche andere bauliche Maßnahmen wie die Doppelbaken am Ortseingang von Meyerich fallen in die Zuständigkeit von Straßen-NRW.

Das Ergebnis sei zwar „nicht so zufriedenstellend“, sagt Kathrin Schnieder. Trotzdem freut sie sich darüber, dass der Kreis sich nochmals des Themas angenommen hat, und über den Einsatz von Fabian Griewel: „Das fand ich ganz toll. So geht Politik von heute.“ Sie hofft, dass die Zählung in einem halben Jahr wiederholt werden könnte und die Daten dann einen Zebrastreifen begründen könnten – damit sich ihre Kinder und die Altenheim-Bewohner „endlich wieder über die Straße trauen können“.

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