Säuglings-Fund in Welver

Babytod: Viele Fragen sind offen - Schülerin will aussagen

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Welver – Auch fünf Monate nach dem Tod eines Säuglings, den eine Schülerin bei sich zu Hause entbunden hat, sind die Ermittlungen nicht abgeschlossen.

Fest steht: Der Junge hat nach der Geburt noch gelebt. Immerhin hat die Schülerin jetzt über ihren Anwalt erklären lassen, sie wolle nun doch ihr Schweigen brechen und Angaben machen. 

Ob die polizeiliche Vernehmung der 17-Jährigen durch die Kriminalpolizei noch in diesem Jahr stattfindet oder erst zu Beginn des neuen Jahres, weiß Staatsanwalt Thomas Schmelzer nicht. Er ist jedenfalls froh, dass die Schülerin zu einer Vernehmung bereit ist und somit mithelfen könnte, die offenen Fragen auszuräumen. 

Die allerwichtigsten: Was ist nach der Entbindung zu Hause in Welver passiert? Warum ist der Junge gestorben? 

Dass der Säugling nach der Entbindung gelebt hat, ist bei der Obduktion des Leichnams im Juli festgestellt worden. Er sei „lebensfähig gewesen“, so die Gerichtsmediziner, und sei kurze Zeit danach durch Sauerstoffmangel ums Leben gekommen. Doch warum ist der Junge erstickt? Weil bis heute nicht geklärt ist, was die Schülerin unternommen hat, um ihrem Kind zu helfen und es zu retten, wird wegen des Verdachts des Totschlags durch Unterlassen gegen sie ermittelt.

Ärzte verständigen Polizei - die findet den toten Säugling

Ärzte im Klinikum Soest hatten am 17. Juli die Polizei verständigt. Mit starken Blutungen war die junge Frau per Rettungsdienst ins Krankenhaus gekommen; die Gynäkologen entdeckten schnell, dass sie kurz zuvor ein Kind entbunden hat. Die Polizei durchsuchte die Wohnung in Welver und entdeckte den toten Jungen. 

Weder den Eltern noch dem 13-jährigen Bruder, so berichteten die Ermittler im Sommer gegenüber dem Anzeiger, sei bewusst gewesen, dass die 17-Jährige schwanger war. Von der Geburt zu Hause hat auch der Bruder offenbar nichts mitbekommen; er entdeckte seine stark blutende Schwester und rief seine Eltern an, die wiederum alarmierten den Rettungsdienst. 

Die Sanitäter holten also die junge Frau ab; das Baby bekamen sie nicht zu Gesicht. Auch wenn bei der Obduktion des Neugeborenen keinerlei Verletzungs-Spuren festgestellt worden sind, gingen Polizei und Staatsanwaltschaft von Anfang an dem Verdacht eines Tötungsdelikts nach und setzten das Ermittlungsverfahren in Gang. Monatelang traten sie auf der Stelle, jetzt könnte bei der Vernehmung der Schülerin Licht in den Fall kommen.

Paragraf 13 - was steckt dahinter?

Der Paragraf 13 des Strafgesetzbuchs klingt sperrig: „Wer es unterlässt, einen Erfolg abzuwenden, der zum Tatbestand eines Strafgesetzes gehört, ist nach diesem Gesetz nur dann strafbar, wenn er rechtlich dafür einzustehen hat, dass der Erfolg nicht eintritt, und wenn das Unterlassen der Verwirklichung des gesetzlichen Tatbestandes durch ein Tun entspricht.“ 

Das Juristendeutsch meint nichts anderes als: Wenn jemand durch bloßes Nichtstun in Kauf nimmt, dass andere erheblicher Schaden widerfährt, macht er sich schuldig. Das kann der Entführer sein, der seine Geisel verhungern lässt, das können aber auch Eltern sein, die ihr Kind bei Lebensgefahr nicht beschützen. 

Gebotene Handlungen zu unterlassen oder zu verweigern, kennt das Strafrecht auch im Zusammenhang mit unterlassener Hilfeleistung etwa bei Verkehrsunfällen, wenn Beteiligte oder Beobachter sich nicht um die Verletzten kümmern. Oder bei der Nichtanzeige geplanter Straftaten.

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