Nein zur "Fleischfabrik" in Illingen

+

WELVER - Mit Nachdruck und vielen Gegenargumenten sprach sich Illingens SPD-Ortsvorsteher Helmut Peters im Ausschuss für Gemeindeentwicklung und Planung gegen den Neubau eines Hähnchenmaststalls für 29.000 Geflügel an der Kreisstraße 34 zwischen Scheidingen und Illingen aus.

Der Ausschuss beschloss mit Stimmen der SPD, der Grünen, der FDP und der BG und auch der CDU, dem Rat zu empfehlen, das Einvernehmen vorerst nicht zu erteilen und von der Genehmigungsbehörde beim Kreis Soest weitere Informationen zu dem Projekt einzufordern.

Zuvor schon einen Bauantrag abgelehnt

In der Vorgeschichte hatte die Gemeinde Welver bereits einen Bauantrag für eine Hähnchen-Mastanlage an selbiger Stelle für über 80.000 Tiere abgelehnt. Der Standort für den geplanten Stall liegt 360 Meter von Illingen, 700 Meter von Scheidingen entfernt etwa 200 Meter neben dem Gewerbegebiet Scheidingen.

"Nur" noch 29000 Tierplätze

Im September stellte der laut Klaus-Theo Rohe (SPD) aus Ahlen stammende Betreiber nun einen neuen abgespeckten Antrag. Jetzt geht es „nur“ noch um 29.000 Tierplätze, um drei Futtersilos und um eine Sammelgrube. Offenbar hat der Betreiber seine Investition so verkleinert, um sie planungsrechtlich leichter genehmigungsfähig zu machen, vermutete Helmut Peters. Er fürchtet um den Artenschutz in der Umgebung des geplanten Stalles, weil sich in unmittelbarer Nähe zwei geschützte Biotope mit wild lebenden Tieren befinden. Unter anderem hätten dort zwei Kiebitz-Paare gebrütet. Deshalb sei eine Artenschutzprüfung im Zusammenhang mit der Baumaßnahme unabdingbar notwendig.

Belastung der Umwelt?

Peters erinnerte an kritische Belastungen der Umwelt zum Beispiel durch Stickstoff wie er im Tierkot enthalten ist. So möchte die SPD-Fraktion gerne wissen, wohin und auf welche landwirtschaftlichen Flächen das Kot-Streu-Gemisch abtransportiert und ausgebracht werden soll. Weiterhin sei zu prüfen, ob die betreffenden Flächen solche zusätzlichen Belastungen noch kompensieren können.

Keine Zahlen über Lkw-Fahrten

Der sachkundige Bürger der SPD kritisierte weiterhin, dass im Bauantrag jegliche Angabe über die Anzahl der jährlich zu erwartenden An- und Abfahrten für Lkw fehle. Er erwähnte dabei die Anlieferung von Küken alle 45 Tage, den Abtransport schlachtreifer Tiere unterschiedlicher Gewichtsklassen, Futter- und Strohanlieferungen, den Abtransport des Kot-Eintreu-Gemisches, des Stallreinigungswassers sowie anfallender Tierkadaver und letztlich Lieferungen von Desinfektionsmitteln.

„Kein Fall von privilegiertem Bauen“

Peters widersprach auch der Annahme, es handele sich bei dem Projekt um privilegiertes Bauen im Außenbereich. Der Antragsteller sei eben kein in Welver ansässiger Landwirt, so dass es sich auch nicht um eine sinnvolle Erweiterung eines heimischen Betriebes handele. Somit könne der Betreiber später das Tierfutter auch nicht weitgehend auf Welverschen Flächen erzeugen. Peters: „Es ist davon auszugehen, dass der Antragsteller nicht in der Lage ist, Getreidefuttermittel in den benötigten Mengen für rund 232.000 Masthähnchen jährlich selbst zu produzieren.“

"Vorhaben beeinträchtigt Landschaftsbild massiv"

Peters bilanzierte: „Wir sehen hier ein Vorhaben, das unser Landschaftsbild bei Illingen massiv beeinträchtigt und zusätzliche Emissionen entwickelt, denen wir nicht zustimmen können. Es ist abzusehen, dass die geschützten Landschaftsteile in der Nachbarschaft und damit die Artenvielfalt von Flora und Fauna durch das Betreiben des Maststalles immens beeinträchtigt werden.“

Genehmigung durch den Kreis?

Fraktionschef Wolfgang Daube (CDU) widersprach nicht den Argumenten der SPD, gab aber zu bedenken, dass die Gemeinde hier lediglich beteiligt sei im Bauverfahren. Wenn es sich um einen ortsansässigen Antragsteller handeln würde, wäre Peters Argumentation hingegen hinfällig. Daube weiter: „Aber es geht um Planungsrecht, der Investor hat eine Größe gewählt, unter der magischen Grenze“, so Daube und damit werde das Bauvorhaben vom Kreis Soest vermutlich genehmigt, „egal ob wir das Einvernehmen erteilt haben.“ Ställe seien überdies heute technisch gut ausgestattet im näherem Umfeld tauchten kaum noch Gerüche auf, wenn alle Filteranlagen in Ordnung seien.

Auch BG, FDP und Grüne dagegen

Gegen das Einvernehmen zum Maststall sprachen sich auch BG, FDP und Grüne aus. Georg Brill von den Grünen sah eine „Fleischfabrik“ auf die Gemeinde Welver zurollen. 14 Tiere pro Quadratmeter würden zusammengefasst, Gewinn über die Menge erzielt. „Sieben Cent pro Tier“, so sehe der Ertrag aus. Hingegen habe der Maststall „langfristige Folgen, die wir ablehnen.“ – „Das ist Murks, ich trau dem nicht, was im Bauantrag steht, die Silos sind offensichtlich ausgelegt für einen 42.000er Maststall, das kann man nachrechnen“, kritisierte zusätzlich Kay Philipper von der SPD.

Rat entscheidet endgültig

Bauamtsleiter Markus Hückelheim wies vor der Abstimmung darauf hin, dass der Planungsausschuss nicht über das Einvernehmen entscheidet, sondern der Rat in seiner Sitzung am 17. Dezember. Bei Versagen des gemeindlichen Einvernehmens wünsche der Kreis Soest entsprechende Begründung. SPD-Fraktionschef Rohe schlug vor, die Argumentation von Helmut Peters als solche beizulegen, wenn dem Kreis Soest die Entscheidung der Gemeinde mitgeteilt werde. Dem stimmte der Ausschuss am Ende mit Mehrheit zu.

Verwaltung soll weitere Informationen einholen

Vor der anstehenden Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses soll die Verwaltung bei der Kreisbauaufsicht weitere Informationen einholen, um die Fragen zu klären, die vor allem Peters aufgeworfen hatte. - dümi

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf soester-anzeiger.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare