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In der Mitte zwischen Plön und Stuttgart

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Von: Dirk Wilms

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Andreas Pack und Ute Richter haben vor 25 Jahren das Physioaktiv in Welver eröffnet.
Andreas Pack und Ute Richter haben vor 25 Jahren das Physioaktiv in Welver eröffnet. © Dirk Wilms

Wenn sich ein Holsteiner und eine Schwäbin treffen, führt der Weg nicht zwangsläufig nach Welver, wenngleich die Niederbörde so ziemlich in der Mitte zwischen Plön und Stuttgart liegt. Für Ute Richter und Andreas Pack, für die Schwäbin und den Holsteiner, ist die Gemeinde im Herzen Westfalens jedenfalls zur neuen Heimat geworden. Vor genau einem Vierteljahrhundert haben die beiden Physiotherapeuten ihr Domizil in Welver bezogen. Das Silberjubiläum ihrer Praxis „Physioaktiv“ ist für das Paar mit seinen drei Kindern allemal ein Grund zum Feiern.

Welver - „Wir haben es keinen Tag bereut, sind hier sehr herzlich aufgenommen worden“, freut sich Ute Richter, dass sich die Vorurteile ganz und gar nicht bewahrheitet haben, dass sie als Zugewanderte einen schweren Stand haben könnten. Im Gegenteil – die Entscheidung für Welver war für die beiden Mittfünfziger goldrichtig.

Dabei war der Weg wahrlich nicht vorgezeichnet. In ihrer Heimat hatten sie die Ausbildung in der Physiotherapie absolviert, Andreas Pack nach einem abgebrochenen Biologie-Studium. „Das war mir zu trocken.“ In Herdecke in der Anthroposophischen Klinik lernten sie sich kennen, fanden zusammen, gründeten eine Familie mit zunächst zwei Kindern. Packs neuer Arbeitsplatz in Hattingen passte auch. Doch dauerhaft im Ballungsraum Ruhrgebiet zu leben, konnten sie sich doch nicht vorstellen.

Also ging es auf die Suche nach einem Standort auf dem Land in der Nähe einer Waldorfschule. Möglichkeiten zur Rückkehr in ihre oder seine Heimat ergaben sich, zerschlugen sich aber ebenso wie die Option, an dem Möhnesee zu gehen. „Da haben wir uns umgeschaut, wo denn ein Bedarf für eine Praxis bestehen könnte, und kamen auf Welver“, schildert Andreas Pack, der Welver bis dahin nur vom Zug aus kannte.

Hier wurden sie auch bei der Suche nach einem Haus fündig, wo Wohnung und Praxis untergebracht werden konnten. Sie fanden die Immobilie an der Luisenstraße, wo einst Lebensmittel und später Elektrogeräte verkauft wurden, danach auch noch eine Fahrschule präsent war. Schnell war der Deal unter Dach und Fach. Am 1. August 1996 wurde das Physioaktiv eröffnet.

Dabei legte das Paar von Anfang an großen Wert darauf, es nicht bei der althergebrachten Massage zu belassen, sondern stellten sich gleich breiter auf, erweiterten ihr Angebot auch über Krankengymnastik hinaus immer weiter. Rasch wurde mit Ulrike Ebel die erste Mitarbeiterin eingestellt.

Die Expansion stieß aber alsbald an räumliche Grenzen. So gingen Ute Richter und Andreas Pack das Wagnis ein, auf dem benachbarten Grundstück, wo einst das Kohlelager von Hennenkemper war, einen Neubau hinzusetzen. „Eigentlich war so ein großes Projekt für uns unvorstellbar. Doch wir hatten gute Berater, konnten den Standort behalten“, waren sie froh, an der Luisenstraße bleiben zu können.

So wurde von 2002 bis 2003 gebaut. Im neuen Gebäude wurden Wohnung und Praxis integriert. „Das war eine sehr gut Entscheidung. So konnten wir uns stets mit den Kindern abwechseln“, teilte sich das Paar Job und Haushalt. Auch heute noch ist Ute Richter an drei Tagen in der Praxis, Andreas Pack an zwei Tagen, macht zudem den unerlässlichen Bürokram in der Wohnung.

An den Wochenenden sind sie gemeinsam im Einsatz, ist doch das Fitnessstudio an sieben Tagen in der Woche geöffnet. Dies ist ein auch ein Bestandteil des breiten Spektrums, das im Physioaktiv heute den Patienten zur Verfügung steht. „Wir haben Wellness-Angebote, machen Reha-Sport, arbeiten seit Jahren mit der Hebamme zusammen“, gibt Andreas Pack einen kurzen Einblick in die tägliche Arbeit, die von inzwischen 21 Mitarbeitern geschultert wird.

Dabei legen sie Wert auf ein gutes Betriebsklima. „Die Patienten genesen besser, wenn die Atmosphäre stimmt. Und die Therapeuten können auch eine bessere Leistung bringen, wenn sie gern zur Arbeit kommen“, wissen sie um die Bedeutung des Miteinanders gerade in einem solchen Metier wie der Physiotherapie.

Sie sind heilfroh, dadurch auch eine geringe Fluktuation in der Belegschaft zu haben; die allermeisten Therapeuten bleiben im Physioaktiv, wenn sie einmal da sind. So ist der Stellenplan derzeit auch voll, wenngleich die Nachfrage so groß ist, dass noch mehr Therapeuten beschäftigt werden könnten. Die Wartezeit auf einen Termin spricht Bände. Doch einem weiteren Wachstum sind räumliche Grenzen gesetzt. Da wollen Andreas Pack und Ute Richter sich auch nicht in ein neues Abenteuer stürzen.

„Wir machen mutig weiter“, blicken sie voller Tatendrang nach vorn, wollen das 25-Jährige auch noch mit ihren Mitarbeitern feiern. Am ersten Oktober-Wochenende geht es gemeinsam ins Sauerland. Was dort geboten wird, wollen sie aber noch nicht verraten. Es soll eine Überraschung werden.

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