So soll die Feuerwehr jünger und moderner werden

Welver - Die Gemeinde Welver muss intensiv Gedanken über das Alter des Fuhrparks und der Feuerwehrleute machen. Der Entwurf des neuen Brandschutzbedarfsplans zeigt diese Baustellen, aber auch den Weg zur Lösung deutlich auf.

Der lautet: Standorte zusammenschließen, Gerätehäuser aus- oder neu bauen, Fuhrpark verjüngen und mehr Leute in die Feuerwehr bringen, die auch tagsüber verfügbar sind. „Vor allem brauchen wir schnell Antworten auf die Standortfrage“, fordert Beigeordneter Camillo Garzen. 

Allein das scheint in der Flächengemeinde Welver schon schwierig. Im von der Firma Saveplan ausgearbeiteten Brandschutzbedarfsplan ist beispielsweise der 250-Einwohner-Ort Illingen bei der Gebietsabdeckung als ziemlich weiße Fläche dargestellt. 

Garzen räumt ein: „Wir können möglicherweise nicht alle Lagen gleich gut abdecken.“ Unstrittig ist, dass ein neues Gerätehaus westlich von Schwefe eine große Rolle bei diesem Thema spielt. Wo weitere Standorte Sinn machen, hängt ganz wesentlich von den Schutzzielen ab.

Frage muss geklärt werden

Innerhalb von acht Minuten (plus 85 Sekunden Auslösezeit) soll in der Regel eine schlagkräftige Truppe mit neun Funktionen einen kritischen Wohnungsbrand erreichen. Die Politik muss nun die Frage klären, wie oft dieses Ziel tatsächlich in der Realität erreicht werden soll. 

Die Verwaltung schlug zunächst eine Quote von 70 Prozent vor, die Feuerwehr 90. „Wir sind Retter, wir wollen natürlich das Bestmögliche“, sagt Gemeindewehrführer Dirk Steinweg. Am Ende eine Frage des Geldes.

Fuhrpark gleicht teilweise Museum

Der Feuerwehrausschuss gibt dem Rat eine Kompromiss-Empfehlung von 75 Prozent. Zum Vergleich: Derzeit liegt der reale Wert bei bescheidenen 54 Prozent. Ratsherr Michael Schulte (CDU), selbst Feuerwehrmann, fordert in diesem Zusammenhang auch Aussagen zu (möglicherweise unterschiedlichen) Vorgaben für Außen-und Innenbereich. „Das hat Auswirkungen auf Anzahl und Größe der Standorte.“ 

Und auf die Ausstattung: Der Fuhrpark der Feuerwehr gleicht teilweise einem Automobilmuseum. Im Schnitt sind die Fahrzeuge 18,2 Jahre alt. In Vellinghausen sind beispielsweise aber auch zwei Löschfahrzeuge mit 28 und 32 Jahren stationiert.

Positiv fällt das neue Gerätehaus in Dinker auf, wo ein erst vier Jahre altes ein Löschfahrzeug stationiert ist. Schulte fordert mit Blick auf langwierigen Diskussionen in der Vergangenheit, die Anschaffung neuer Fahrzeuge gleich im Brandschutzbedarfskonzept verbindlich festzulegen. 

„Sehr wünschenswert“ – auch nach Ansicht von Steinweg. Es gelte, den Fuhrpark auf einen halbwegs aktuellen Stand der Technik zu halten. Alterproblem Nummer zwei zeigt sich beim Personal. Derzeit liegt der Schnitt bei 38,5 Jahren. 

Hört sich erstmal gut an, doch der Gutachter Jochen Siepe (Saveplan) mahnt: „In der Zukunft muss in etwa sieben Jahren mit einer zirka vier Jahre andauernden Phase gerechnet werden, in der verstärkt Kräfte aus dem aktiven Dienst ausscheiden werden.“ Die Altersgrenze liegt bei 67 Jahren. „Viele verlassen uns leider aber auch schon mit 60“, bedauert Steinweg.

Schon jetzt stellt die Tagesverfügbarkeit ein Riesenproblem dar. Welver ist eine Pendlergemeinde, kaum jemand arbeitet vor Ort. Für Steinweg könnte die Lösung unter anderem hinter den Ratshaustüren liegen. Dort sollten in Zukunft möglichst viele Feuerwehrleute arbeiten oder ausgebildet werden. Dass im Ernstfall eine Verwaltung geschlossen sei, weil sie zum Einsatz ausrückt, werde vom Bürger sicherlich akzeptiert. Auch Frauen sollen stärker für den Feuerwehrdienst gewonnen werden. Viel Diskussionsstoff für den Rat, der schnell für Klarheit sorgen soll.

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