Alte Hauptschule Welver

Biologin sucht nach Schadstoffen

Penibel untersucht wird die Schule. Camillo Garzen, Nicole Richardson, Matthias Hellmann, Jens Hecke vom Bauamt Welver (von links) machen sich davon ein Bild.	Foto: Niggemeier
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Penibel untersucht wird die Schule. Camillo Garzen, Nicole Richardson, Matthias Hellmann, Jens Hecke vom Bauamt Welver (von links) machen sich davon ein Bild.

Sie könnten überall sitzen. In den Fensterdichtungen, in den Deckenverkleidungen, in den Isolierungen, den Dämmstoffen oder auch im Wandputz: Asbest, PCB und andere chemische Zusatzstoffe. Die alte Hauptschule in Welver wird seit dieser Woche penibel untersucht, ob hier gesundheitsgefährdende Stoffe verbaut worden sind. Von dem Gutachten hängt ab, was aus der alten Schule werden soll.

Welver - Zurzeit sind hier 38 Flüchtlinge untergebracht. Ihnen drohe keine gesundheitliche Gefahr, so wie früher auch für die Schüler und Lehrer kein Risiko bestanden habe, versichert Welvers neuer Bürgermeister Camillo Garzen. So lange Asbest und Co. verbaut, verklebt, untergerührt oder eingekapselt seien, sagen die Experten, schwirren keine Fasern durch die Raumluft und könnten beispielsweise die Atemwege der Bewohner erreichen.

Ergebnis liegt bald vor

Das ändert sich freilich, wenn die Schule umgebaut wird, Wände, Decken, Tür - und Fensterrahmen aufgerissen werden, so dass Asbest freigesetzt werden könnte. Falls denn welches da ist.

Nicole Richardson soll diese Frage nun verlässlich beantworten. Die Diplom-Biologin führt eine Sachverständigen-Gesellschaft in Witten, die sich auf den Nachweis von Schadstoffen und Schimmelpilzen in Innenräumen versteht. Drei bis vier Wochen könnte das dauern, bis nicht nur die Analyse vorliegt, sondern auch Berechnungen, wie stark etwaige Beseitigungen der Schadstoffe in der Hauptschule bei den Umbauarbeiten zu Buche schlagen, ob sich – im ärgsten Fall – das Vorhaben überhaupt noch rechnet.

Enger Zeitplan

Die Zeit drängt. Denn Welvers designierter Bürgermeister hat einen engen Zeitplan vor Augen. Spätestens Anfang Dezember möchte er dem Hauptausschuss – dem wichtigsten Beschlussgremium nach dem Gemeinderat – eine detaillierte Vorlage auf den Tisch legen, was mit der Hauptschule passieren soll. Sollten die Ratsmitglieder hier Geld reinstecken wollen, müssten noch in diesem Jahr Förderanträge ans Land geschickt werden, damit es im nächsten Jahr mit den Umbauarbeiten etwas werden könnte. Es eilt, wie gesagt.

Die Hauptschule ist eine von zwei Sammelunterkünften, die Welver für Asylsuchende eingerichtet hat. Die andere: Das frühere Internat im Eilmser Wald. Auch hier müsste jede Menge Geld in die Hand genommen werden, um es – sofern überhaupt gewünscht – in Schuss zu bringen.

Die Unterkunft im Eilmser Wald dürfte womöglich aufgegeben werden, eine Sanierung ginge in die Millionen. Die Hauptschule hingegen könnte weiter als Sammelunterkunft dienen. So lauten die bisherigen Überlegungen. Die großen Klassenräume in der ehemaligen Hauptschule könnten zu kleineren Zimmern und Sanitäranlagen umgebaut werden. Unterm Strich würde dies aber auch bedeuten, dass hier künftig nicht mehr für 150 Menschen Platz ist, sondern für weniger.

Das sagt der Architekt

Der Soester Architekt Matthias Hellmann arbeitet seit längerem an einem Sanierungs-Konzept für die alte Hauptschule. Im Gespräch mit dem Anzeiger berichtet er, schon bei ersten Begehungen des Gebäudes „potenzielle Schadstoff-Belastungen erkannt“ zu haben. Sie könnten in den Dämmstoffen in der Decke sitzen, in den Putz- und Spachtelmassen, in den Fugendichtungen der Fenster oder auch im Kleber unter den Parkettböden. Auch Hellmann versichert: Es bestehe kein Grund zur Sorge, weder unter den heutigen Bewohnern noch unter den früheren Nutzern.

Die chemischen Zusatzstoffe seien zur Bauzeit der Schule in den 1970er-Jahren gern verwendet worden. Sie hatten eine Vielzahl günstiger Eigenschaften, unter anderem für den Brandschutz. Inzwischen aber gebe es Langzeit-Untersuchungen, heute stehe den Stoffen kritisch gegenüber.

Von der „sehr guten Substanz“ der Schule her lohne sich ein Umbau allemal, so der Architekt. Das Gebäude sei „top gepflegt, Fenster, Dach und Brandschutz up to date. Schimmel sei an keiner Stelle gefunden worden. Das alte Gebäude einfach wegzuschenken, wäre viel zu schade – gerade wegen seiner „gesellschaftlichen Nutzung“ – damals wie heute.

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