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Alte Apfelsorten sind besonders beliebt

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Von: Josef Holthoff

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Der 94-jährige Horst Pier-Ribbert und seine 82-jährige Ehefrau Gerda haben Gefallen an den alten Apfelsorten.
Der 94-jährige Horst Pier-Ribbert und seine 82-jährige Ehefrau Gerda haben Gefallen an den alten Apfelsorten. © Josef Holthoff

Horst Pier-Ribbert hat die meisten seiner Apfelbäume selbst gepflanzt, 27 der alten Apfelbäume stehen noch auf der Streuobstwiese hinter der Gaststätte Witteborg, die jetzt wieder zum mittlerweile bekannten „Anges Apfelmarkt“ eingeladen hatte. Im Mittelpunkt stand natürlich des Deutschen beliebtestes Obst, der Apfel. Hier waren es dann aber die alten Sorten, die es in den Supermärkten kaum noch zu kaufen gibt, bei Allergikern aber sehr gefragt sind, schließlich können sie diese Sorten aufgrund des hohen Phenolgehalts sehr gut vertragen.

Dinker - Mit ihren 82 Jahren kennt die rüstige Gerda Pier-Ribbert die Apfelernte von Kindesbeinen an, „mein Vater hat früher die Leiter im Baum angebunden und dann ging es los“, erzählt sie. Gemeinsam mit ihrem 94 Jahre alten Ehemann steht sie hinter dem Stand mit den alten Obstsorten und erklärt geduldig die Vorteile der verschiedenen Apfelsorten. Wohlklingende Namen haben diese alten Sorten, Bisterfelder Renette, Jakob Lebel, Goldparmäne, Berlepsch oder Köstliche von Charneux, das erfahrene Paar kennt sie alle und erklärt Geschmack und wozu sie am besten genutzt werden können. Schnell sind einige Körbe der Früchte an die interessierten Kunden verkauft, auch der gepresste Saft aus den heimischen Früchten findet Anklang beim Publikum.

„Vor 50 Jahren habe ich diese Apfelbäume veredeln lassen, leider sind einige bereits kaputt“, erinnert sich Horst Pier-Ribbert an die Anfänge der Apfelbäume, bei den vier alten Birnbäumen, die ebenfalls auf der Streuobstwiese stehen, muss er passen. „Die sind bestimmt 80 bis 100 Jahre alt, als ich 1950 nach Dinker kam, waren die schon groß.“ Hier gibt es die alten Sorten mit wohltönenden Namen wie Clapps Liebling und Gellerts Butterbirne.

In diesem Jahr haben die Hobby-Obstbauern mehr Krankheiten als sonst verzeichnet, der trockene Sommer der vergangenen Jahre hat auch den heimischen Obstbäumen zu schaffen gemacht, einige Bäume sind gar ganz abgestorben. Dafür hielt sich der Befall mit Würmern in Grenzen, weiß das Ehepaar Pier-Ribbert auch über die Risiken beim Obstanbau bestens Bescheid. Rund 250 Äpfel isst jeder Deutsche pro Jahr, weltweit gibt es 30 000 verschiedene Sorten.

Davon wachsen rund 2000 Sorten in deutschen Gärten, aber nur 20 Sorten gelangen in die Obstauslagen der Supermärkte. Die übrigen Sorten finden sich beispielsweise nur in bestimmten Regionen, in den Gärten von Hobbygärtnern und Selbstversorgern oder auf Streuobstwiesen. Äpfel sind gut für die Zähne und die Verdauung, der hohe Anteil der Polyphenole, die zumeist direkt in oder unter der Apfelschale vorkommen, sorgt aber dafür, dass sich das Fruchtfleisch braun verfärbt, nachdem der Apfel angeschnitten wurde.

Dies ist zwar eine unappetitliche Optik, hat dafür aber die gesundheitsfördernde Wirkung. Daneben konnten laut einer Studie auch antioxidative, entzündungshemmende und blutdruckregulierende Eigenschaften nachgewiesen werden. Der überlieferte Spruch „einen Apfel täglich und keine Krankheit quält dich“ kann also durchaus seine Berechtigung haben.

Wobei der Apfel selbst eine sogenannte Scheinfrucht ist, die Kerne sind die eigentlichen Früchte der Apfelbäume im wissenschaftlichen Sinn. Aber zurück zum Apfelmarkt. Auch die Küche von Anges Gasthof hat an diesem Tag das Thema aufgegriffen. Leber mit Zwiebeln und Apfelmus, Apfelpfannkuchen, Obsttorten und Apfelbowle, alles drehte sich um den Apfel. Vier verschiedene Kuchen mit dem beliebten Obst waren im Angebot. Hilfe kommt für Ange Pier-Ribbert bei den Apfelmärkten immer von der ganzen Familie, selbst aus dem Rheinland war die Unterstützung angereist.

Auch kunsthandwerkliche Arbeiten wie Schmuck aus Draht oder Bändchenweberei sowie herbstliche Dekorationen, selbstgeschneiderte Puppenkleidchen und Strickwaren, wie eine warme Stola oder ein Schal für die kühle Herbstzeit wurden angeboten. Nicht fehlen durfte auch der Imker mit Met und Honig. Der Andrang war so groß, dass sich Schlangen am Zugang zum Garten bildeten, die 3-G-Regel (mit Maske) wurden kontrolliert.

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