60 Tiere leben auf Gnadenhof in Eilmsen-Vellinghausen

Kathrin Herzig gibt Tieren ein Zuhause

Kathrin Herzig kümmert sich um das Wohlergehen ihrer Schützlinge, hier die chinesische Nackthündin namens Anni.
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Kathrin Herzig kümmert sich um das Wohlergehen ihrer Schützlinge, hier die chinesische Nackthündin namens Anni.

Eilmsen-Vellinghausen – Neugierig schnuppert Hops an Hosenbein des Besuchers, aus dem Stand hüpft der kleine Zwergspitz auf den Schoß. Der Kugelschreiber weckt das Interesse des einjährigen Mitbewohners im Hause Herzig im Westholz in Vellinghausen. Der vorwitzige Winzling mit dem feuchten Näschen würde wohl am liebsten ein wenig schmusen. Er teilt sich sein Zuhause mit einer Vielzahl an Vierbeinern, auch geflügeltes Federvieh flattert im Schatten des Schmehauser Kraftwerks umher. An die 60 Tiere beherbergt Kathrin Herzig in ihrem Heim im Doppeldorf im Welveraner Norden, der kleine Hops ist einer der jüngsten Neuzugänge. Die 53-Jährige hat es sich zur Lebensaufgabe gemacht, Tiere aller Art zu behüten, ihnen ein artgerechtes Leben zu ermöglichen und auch ein erträgliches Lebensende.

Die gebürtige Rhyneranerin führt ihr Haus als Gnadenhof. „Ich hatte schon immer Tiere, bereits als Kind“, ist ihr die Tierliebe offenkundig angeboren. Nicht von ungefähr engagierte sie sich schon früh in der Tierschutz-Arbeit, war in Kroatien unterwegs, um Hunde und Katzen zu retten und für die Vierbeiner Futterspenden zu organisieren.

Seit 21 Jahren ist sie in Vellinghausen zu Hause, hatte nach Jahren in Süddeutschland ein Anwesen nahe ihrer Heimat gesucht, um ihrer Mutter zur Seite stehen zu können, die plötzlich Witwe geworden war. Dabei sollte es ein Ort sein, wo nicht nur Hunde und Katzen sich wohlfühlen konnten, sondern auch Pferde.

Am Westholz wurde sie fündig, gab es doch reichlich Auslauf sowie drei Boxen. Der erste Gast mit beschlagenen Hufen ließ auch nicht lange auf sich warten, ein Pony gesellte sich zu den Hunden und Katzen. Durch die vielfältigen Verbindungen Kathrin Herzigs zu Tierschützern in weitem Umkreis blieb das Pony nicht lange allein unter seinesgleichen.

„Es sprach sich schnell herum, dass ich ein Herz für Tiere habe“, stand und steht sie vor allem mit dem Tierasyl am Hammer Tierpark in regem Austausch. „Das wurde ein Selbstläufer“, brauchte die Neu-Vellinghausenerin nicht mehr als Mundpropaganda, um ihren Hof zu bevölkern. Alsbald kamen zwei Kamerun-Schafe, hinzu gesellten sich Enten, Tauben und Hühner, die von der Aktion „Rettet das Huhn“ aus Legebatterien geholt worden waren.

Die Töchter Vivian und Eileen standen der Mama stets zur Seite, um die Fülle von Aufgaben zu bewältigen, die bei bis zu 60 Tieren auf dem Hof anstanden. Auch heute hilft Eileen regelmäßig, Vivian reist aus Hamburg an, wenn es ihrer Hilfe bedarf. Als beide Töchter flügge geworden waren, musste Kathrin Herzig allerdings auf die Bremse treten. Vor drei Jahren wurde vom letzten Pferd auf dem Hof Abschied genommen.

Arbeit genug bleibt gleichwohl allemal, auch ohne Pferde. Jetzt sind es neben den Schafen, Katzen, Enten, Hühnern und Tauben vor allem die Hunde. Fünf Windhunde hat Kathrin Herzig von ihrem kümmerlichen Dasein in Spanien erlöst. „Eine Fahrt von 40 Stunden mit einem Transporter war für sie viel besser als weiterhin dort zu bleiben“, kennt die Vellinghauserin die fürchterlichen Umstände, unter denen Hunde in Spanien bisweilen leben müssen.

Zu den fünf grazilen Exemplaren der schnellen Sorte, die sich auf dem einen Hektar großen Areal austoben dürfen, das früher den Pferden gehörte, zählen noch zwei weitaus kleinere Hunde zu den Mitbewohnern. Neben dem eingangs erwähnten Zwergpinscher namens Hops, der aus einem Wurf von 13 Welpen stammt, ist dies Anni, ein chinesischer Nackthund. Ihr Frauchen war gestorben und das Herrchen krank. So kam Anni, der nicht unbedingt dem Schönheitsideal sogenannter Designerhunde entspricht, ins Doppeldorf.

Hundesalon Picobello

Um den Gnadenhof zu finanzieren, machte die gelernte Hotelfachfrau ihr Hobby zum Beruf. „Freunde haben mir dazu geraten, denn ein Job in der Gastronomie ist mit einem solchen Hof nicht zu verbinden“, machte sie vor nun 15 Jahren den Hundesalon „Picobello“ in der umgebauten Tenne auf, kümmert sich um das Wohlergehen der Vierbeiner ihrer Kundschaft. Bei einem Hundefrisör in Hamm machte sie einen Kursus, bildete sich in Workshops und bei Seminaren weiter. „In erster Linie ist es learning by doing“, erläutert Kathrin Herzig.

Dabei lernte sie schnell, dass Hunde einer höchst unterschiedlichen Pflege bedürfen. „Es gibt Hunde mit Unterwolle, das bedenken manche Besitzer nicht“, verweist sie auf ein verfilzte Fell, von dem sie einen Malteser erlösen musste. Kämmen ist ebenso unabdingbar, auch wenn Struppi und Co. die Behandlung bisweilen mit Unwillen erdulden müssen, wovon die ein oder andere Narbe an Kathrin Herzigs Händen zeugen.

„Alle vier bis sechs Wochen muss ein Pudel frisiert werden“, erläutert die Hundefrisörin beispielhaft. Die Haare gerade dieser Rasse wachsen sehr schnell. Wintertags ist zu beachten, dass die Pfoten von den Haaren frei geschnitten werden, um die Standfestigkeit auf glattem Untergrund nicht zu gefährden.

Apropos Winter: Durfte Kathrin Herzig auch unter Corona-Bedingungen weiter arbeiten, mussten in der vergangenen Woche etliche Kunden die Termine absagen, die enormen Schneemengen machten eine Anreise in den Welveraner Norden zum unkalkulierbaren Risiko. Doch Aufgeschoben ist nicht aufgehoben, in dieser Woche kamen Schere, Bürste und Kamm wieder fleißig bei „Picobello“ zum Einsatz.

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