Thomas Schulte betriebt Hof mit 400 Ziegen und 200 Lämmern

Ziegenhaltung wie früher in der Belecker Altstadt

Im alten Melkstall werden die Lämmer bei den Minustemperaturen der vergangenen Woche warm gehalten.
+
Im alten Melkstall werden die Lämmer bei den Minustemperaturen der vergangenen Woche warm gehalten.

Belecke – Am Tag nach Rosenmontag kann so etwas nur eine Fangfrage sein, ist es aber nicht: Bei welchem Getränk, das in der Stadt Warstein produziert wird, ist der Hersteller Weltmarktführer – und exportiert es sogar bis nach China? Die Antwort: Bei Bio-Ziegenmilch!

Thomas Schulte und Judith Schulte-Strotdrees sind mit ihrem Ziegenhof am Uelder Weg einer von 60 Höfen, die in der niederländischen Genossenschaft „Organic Goatmilk Coöperatie“ (OGC) zusammengeschlossen sind. Bislang war die OGC bereits Marktführer in Nordwesteuropa, inzwischen aber hat sie eine Größe erreicht, die sie weltweit auf Platz 1 für Bio-Ziegenmilch katapultiert. So kann es sein, dass das Milch der Belecker Ziegen pulverisiert als Babynahrung nach China geliefert wird.

Am gestrigen Rosenmontag, den die Schultens in normalen Jahren wie fast alle anderen Belecker im Romo-Zug erlebt hätten, standen andere Themen auf der Tagesordnung. Etwa die Frage, wie man im neuen großen Ziegenstall mit seinen 400 Tieren den Frostschäden auf die Spur kommt. Denn mit dem einsetzenden Tauwetter tröpfelte es an der ein oder anderen Stelle. Oder wie man die 200 Lämmer füttert und warmhält, denn derzeit ist die Zeit des „Ablammens“, wenn der Ziegennachwuchs besonders empfindlich ist.

„Unsere Leitungen waren eingefroren, wir mussten die Lämmer mit dem Eimer füttern“, berichtet Thomas Schulte. Aber er tut dies mit großer Gelassenheit, schließlich ist sein Konzept, von einem Betrieb mit ursprünglich Rinderzucht auf Ziegen als Schwerpunkt umzustellen, mehr als aufgegangen.

Draußen Eiseskälte, drinnen Rotlicht: In den ersten Tagen erhalten die frisch geborenen Lämmer viel Wärme.

Eigentlich hatte Thomas Schulte geplant, die Landwirtschaft – wie Vater Alfred und Mutter Eva – im Nebenerwerb zu betreiben. Deshalb machte er zunächst eine Ausbildung zum Metallbauer. „Ich habe dann aber gemerkt: Ich bin doch durch und durch Landwirt.“

In der Landwirtschafts-Fachschule schrieb er als Projektarbeit einen Business-Plan für einen ökologischen Ziegenbetrieb, für den er „eine ziemlich gute Note“ erhielt. Das motivierte den staatlich geprüften Agrarbetriebswirt derart, dass er spontan 120 Ziegen kaufte, die zunächst in der Maschinenhalle untergebracht wurden. „Da war was los zuhause“, erinnerte er sich. Doch inzwischen sind auch seine Eltern Alfred und Eva vom engagierten Tun ihres Sohnes und seiner Frau Judith – ebenfalls staatlich geprüfte Agrarbetriebswirtin – überzeugt. Im vergangenen Jahr wurde der neue Stall fertig gestellt, in dem 400 Ziegen der Rasse „Deutsche Edelziege“ nun optimale Bedingungen vorfinden. Noch gibt es 27 Mutterkühe, hier ist die Tendenz aber abnehmend.

Jedes Tier hat 1,8 Quadratmeter, darauf verweist Thomas Schulte. Der Bioland-Verband verlangt 1,5 Quadratmeter. Zudem haben die Tiere die Möglichkeit des Auslaufens ins Freie (wenn nicht gerade sibirische Temperaturen auf der Haar herrschen). Im Stall sind zudem erhöhte Liegeflächen eingebaut. „Damit die Ziegen was zum Klettern haben“, sagt Thomas Schulte. Auch käme man der Rangordnung in der Herde entgegen. Die ranghöheren Tiere stehen oben. „So haben wir auch mehr Ruhe im Stall“, so Thomas Schulte.

Dabei liegt die Entscheidung für die Ziegenzucht in der Tradition von Belecke. Die Ziege als „Kuh des kleinen Mannes“ gab´s immer schon. „Früher gab´s 300 Ziegen in der Belecker Altstadt – nur in 200 Haushalten“. Wer bei Siepmann arbeitete, hielt sich zuhause eine Ziege. Nun haben Thomas und Judith 400 auf einem Hof – und derzeit noch 200 Lämmer.

Gemolken werden zurzeit jeden Tag 300 Tiere – einmal morgens um 6.15 Uhr und dann abends um 17.30 Uhr. Das macht natürlich der Chef selbst. Angelockt von leckerem Kraftfutter („Das ist wie Schokolade statt Graubrot“) sind die Ziegen ganz wild darauf, ins „Melkkarussell“ zu kommen. Jeweils 36 Tiere stehen nebeneinander und werden automatisch gemolken. Drei Liter am Tag und rund 800 Liter pro Jahr. Dank Zusammenschluss in der Genossenschaft gibt´s faire Marktpreise: „Die Molkereien sind unsere Kunden, aber wir sind nicht abhängig von einer Molkerei.“ Mit 48 Cent pro Liter gibt es derzeit einen ordentlichen Ertrag.

Im Oktober werden die Ziegen „bockig“. Dann kommen die fünf Ziegenböcke des Hofes zum Einsatz: Lolek und Bolek, Fritz und Waldemar – und natürlich Roland – übrigens Vater des amtierenden Geißbocks Hennes, der Maskottchen des 1. FC Kölns ist.

Nach fünf Monaten Tragezeit kommt es zur Geburt, dem „Ablammen“, das in der Regel ohne menschliches Zutun geschieht. Ziegen, die dreimal Lämmer bekommen haben, können dauerhaft gemolken werden und sind damit für den Betrieb besonders wertvoll. Die geborenen jungen Böcke verkaufte der Hof bislang nach Frankreich. In den südlichen Ländern wird mehr Ziegenfleisch konsumiert als in Deutschland.

Seit einiger Zeit gibt es in der Herde weiße Tupfer. „Ich wollte auch ein paar weiße Ziegen“, sagt Thomas Schulte. Inzwischen liegt die Zahl bei acht „weißen“ zwischen den fast 400 „bunten deutschen Edelziegen“.

Im Rückblick auf die Investition in die neue 45 x 26 Meter große Halle, für die es eine EU-Förderung gab, ist die Familie Schulte samt nächster Generation mit Marie Luise (7 Jahre) und Max-Ferdinand (8 Monate) sehr zufrieden. Trotz der kleineren Frostschäden hat sich der große Stall bewährt.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf soester-anzeiger.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare