Wildpark vermisst einen seiner fünf Luchse

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Einer der stattlichen Bilsteintal-Luchse ist – wie schon 2012 – erneut auf Wanderschaft gegangen. Wie er das genau geschafft hat, ist wieder nicht zu erklären.

Warstein - Gut fünf Jahre ist es her, dass ein mehrwöchiger „Spaziergang“ eines Luchses aus dem Warsteiner Wildpark mit einem zielsicheren Betäubungsschuss zu Ende ging – und dem Bilsteintalverein am Ende neben jeder Menge Aufregung und Ärger auch viel Werbung und Publicity einbrachte. Nun scheint sich die Geschichte zu wiederholen.

Seit Ende vergangenen Woche waren die Verantwortlichen des Vereins unruhig, weil bei der Fütterung stets nur vier der fünf Tiere gleichzeitig zu sehen waren. Das große und naturbelassene Gehege mit seiner starken Bepflanzung und den vielfältigen Rückzugsmöglichkeiten für die Tiere wies jedoch nach gründlicher Untersuchung – wie 2012 auch – keine Beschädigung auf. Am Mittwochabend gab es dann aber Gewissheit: In der Nähe des Besucherzentrums der Brauerei wurde das Tier in freier Wildbahn außerhalb des Wildpark-Geländes gesehen. Diese erste Sichtung in der Dämmerung konnte sogar mit einem Foto dokumentiert werden, so bestätigte Bilsteintal-Geschäftsführer Stefan Enste gestern auf Anfrage. Auch wenn das Tier nur „verwaschen“ zu erkennen sei, so bestehe dennoch nunmehr kein Zweifel, dass es einer der fünf Luchse wieder geschafft habe, aus dem Gehege auszubüxen und auf Wanderschaft zu gehen.

In Vorahnung einer solchen Möglichkeit hatte der Verein nach dem Wochenende bereits die Polizei von der Möglichkeit informiert – insbesondere, damit bei Anrufen im Falle von Sichtungen sofort Klarheit herrscht. „Es muss keine Panik ausbrechen“, wiegelt Stefan Enste ab. Der Luchs sei vom Grundsatz her „ein friedlicher Geselle“. Aber dennoch sei er „keine Schmusekatze“. Die Bilsteintal-Luchse seien stark an Menschen gewöhnt, diese seien Freunde, weil sie Futter ins Gehege bringen. Deshalb flüchte das Tier auch nicht sofort. Aber die Wildkatze dürfe nicht in die Enge getrieben werden. „Da sind durchaus schwierige Situationen möglich und denkbar“, bittet Enste um Zurückhaltung.

Der Bilsteintal-Verein hofft, dass die aktuelle Wanderschaft wieder so gut ausgeht wie im Frühjahr 2012. Damals war ein Luchs-erfahrener Tierarzt direkt nach einer Sichtung zur Stelle. Die Spuren waren im Schnee zu sehen und das Tier stellte sich quasi ideal zum Betäubungsschuss auf. Damals war der Luchs bis nach Velmede gekommen, trat dann aber den Rückweg Richtung Warstein an, wo er wieder eingefangen wurde. Zwischenzeitlich war er auch am Waldspielplatz erneut gesichtet worden, was darauf hindeutet, dass er sehr wohl sein Zuhause kennt. Es hatte sich auch gezeigt, dass die freie Wildbahn dem Tier keinerlei Probleme bereitet. „Er war gut genährt“, erinnert sich Stefan Enste.

Vor fünf Jahren war der „Freigänger“ ein männliches Tier, diesmal dürfte es sich laut Stefan Enste vermutlich um ein Weibchen handeln. Vier der fünf Luchse sind im Warsteiner Wildpark geboren. Es sind inzwischen ausgewachsene Tiere, kniehoch und rund 20 Kilogramm schwer. „Pinselohren“ geben ihrem Kopf ein charakteristisches Aussehen.

„Wir sind in allen Pötten am Rühren und suchen“, schildert der Bilsteintal-Geschäftsführer die laufenden Vorbereitungen fürs Wieder-Einfangen.

Schwachstellen am Gehege wurden bislang trotz weiterer intensiver Suche nicht gefunden. Auch war die Zahl der Luchse seit dem vergangenen Vorfall um ein Tier von sechs auf fünf reduziert worden, um dem Platzbedarf gerecht zu werden.

Das Problem tritt aber auch andernorts auf, worauf Stefan Enste gestern verwies. Ende Januar war ein Luchs aus der „Zoom-Erlebniswelt“ in Gelsenkirchen entwichen – ein zugefrorener Wassergraben hatte dies ermöglicht. Das Tier wurde ein paar Tage später eineinhalb Kilometer entfernt aufgespürt und nach erfolgreichem Einsatz eines Narkosegewehrs in den Zoo zurück geholt.

Wer den entlaufenen Luchs sieht, sollte sofort den Bilsteintalverein, informieren unter Tel. 02902-2731 oder 0151-54667069.

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