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Warum vor allem Warsteiner Chöre unter Corona leiden

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Von: Alexander Lange

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Capella Vox Humana beim Weihnachtsoratorium im Januar 2020 in der Heilig-Kreuz-Kirche in Belecke.
Capella Vox Humana beim Weihnachtsoratorium im Januar 2020 in der Heilig-Kreuz-Kirche in Belecke. © Michael Sprenger

Proben laufen unter 2G-plus, doch die meisten Chöre proben schon seit Wochen nicht mehr. Ein Chor aus Warstein hat sich aufgrund der Pandemie sogar schon aufgelöst.

Warstein – Die Corona-Pandemie hat die vielfältige Chorlandschaft im Stadtgebiet verstummen lassen. Seit dem 28. Dezember gilt zudem für Chorproben die 2G-plus-Regel: Wer mitsingen will muss genesen oder geimpft und zusätzlich getestet sein. Das schreckt viele Sängerinnen und Sänger aber ab.

MGV 1858 Warstein

„Wir haben den Probenbetrieb schon vor mehr als sechs Wochen eingestellt“, sagt MGV-Vorsitzender Rolf Wieskemper. Mit dem wachsenden Infektionsrisiko sei die wöchentliche Probenbeteiligung gesunken. Am Ende seien es nur noch rund 20 Sänger gewesen, die kamen: „Ich habe dann auch gesagt, dass ich die Verantwortung nicht übernehmen möchte, wenn es zu Infektionen bei der Probe kommt. Wir haben ein Durchschnittsalter von knapp 70 Jahren.“ Sicherheit stehe über allem, „zum Glück hat es keine Todesfälle bei uns im MGV gegeben“.

Die Proben seien bis auf Weiteres ausgesetzt, zwei Austritte habe es auch gegeben, sagt Wieskemper: „Die beiden haben gesagt, dass sie die Proben nicht vermissen, dass es auch ohne geht. Sie haben sich nicht mehr motiviert gefühlt.“ Das werde auch die große Aufgabe der Zukunft sein, die Sänger wieder und weiter zu motivieren: „Natürlich besteht die Gefahr, dass ein Chor daran zu Grunde geht.“ Aber Wieskemper blicke positiv in die Zukunft, auch wenn bei der nächsten Probe nicht gleich die ganze Mitgliederschaft zurückkehren werde.

Mixed Voices Sichtigvor

Die Motivation bei allen Sängerinnen und Sängern sei da, sagt Iris Schnelle, Vorsitzende der Mixed Voices. Das habe auch eine interne Abfrage ergeben: „Aber aufgrund der sich zuspitzenden Corona-Lage haben wir uns zwei Wochen vor Weihnachten entschieden, den Probenbetrieb einzustellen.“ Wieder starten wolle man „nach Karneval“.

Die Mixed Voices beim gemeinsamen Chorausflug in Münster 2019.
Die Mixed Voices beim gemeinsamen Chorausflug in Münster 2019. © Mixed Voices

Die Skepsis und Sorge vor einer Ansteckung sei aktuell einfach zu groß, als das man ein Risiko eingehen wolle: „Dabei hatten wir wirklich alles ausprobiert: Proben unter 2G-Regeln, in der Kirche, mit Abstand, am Ende sogar 2G-plus und Maske.“ Das habe das Singen aber so erschwert, dass es dann „keinen Sinn“ mehr gemacht habe, so Schnelle. Ob die Sängerinnen und Sänger bereit wären, sich für jede Probe zukünftig zu testen – so sieht es die aktuelle Verordnung vor – das müsse man sehen. Sie glaubt aber, dass alle Chormitglieder den Mixed Voices die Stange halten werden, trotz der langen Auszeit. Lobend möchte Schnelle auch Chorleiterin Elvira Steinwachs erwähnen: „Sie verkürzte uns die chorfreie Zeit, indem sie uns chorintern in der Adventszeit Lieder zukommen lassen hat, die wir einmal gesungen haben. Für uns sind das echte Highlights und so bleibt die Vorfreude auf die regulären Proben erhalten.“

Gemischter Chor Belecke

Der Gemischte Chor hat bereits 2020 mit den Proben pausiert, diese in 2021 auch nicht wieder aufgenommen, abgesehen von zwei Stimmbildungsabenden im Oktober und November und der Generalversammlung im September. „Wir wollten das im Dezember auch noch einmal machen, auch um die Gemeinschaft weiter zu stärken, aber das hat die Corona-Lage dann schon nicht mehr zugelassen“, erklärt Vorsitzende Dagmar Schürmann: „Ich glaube, dass wir auch in den nächsten sechs bis acht Wochen nicht singen werden.“

Dabei hätten die Chormitglieder alle Lust, „sie scharren schon mit den Hufen“, sagt Schürmann. Aber Sicherheit gehe natürlich vor. Sorgen um die Motivation mache sie sich auch nicht: „Alle finden es schade, dass wir pausieren, haben aber auch Verständnis.“ Sobald es wieder möglich sei, wolle man auch wieder proben. Und ein Ziel hat der Gemischte Chor auch schon: „Wir planen ein Projekt zu Weihnachten 2022.“ Ob das dann umsetzbar ist, hänge auch davon ab, wann man wieder Probe: „Seit unserem Jubiläumskonzert 2019 standen wir nicht mehr auf der Bühne.“

Capella Vox Humana

„Wir haben so lange geprobt, wie es möglich war“, sagt Capella Vox Humana-Vorsitzende Monika Lange. Aber als auch die Probenteilnehmer immer weniger wurden, habe man sich kurz vor der Adventszeit entschieden, den Betrieb bis auf Weiteres einzustellen. Man habe zeitweise wieder in der Musikschule, dann draußen, dann mit Masken, dann wieder in der St. Petrus-Kirche proben können – „im Grunde haben wir jede Möglichkeit genutzt“.

Nun sei es wichtig, die Chormitglieder weiter zu motivieren. Das klappe am besten mit der persönlichen Ansprache, so Lange: „Vier Mitglieder, die eigentlich aufhören wollten, konnten wir dadurch quasi zurückgewinnen.“

Dass man aber, sobald es wieder möglich sei, nicht in der Zahl wie vor der Pandemie proben werde, sei klar. „Ich glaube, dass wir als Chöre im Stadtgebiet langfristig zusammenarbeiten müssen“, sagt Lange. Nicht direkt fusionieren, sondern in Form von Gemeinschaftskonzerten und zum Beispiel Probewochenenden.

Das Beethoven-Konzert des Vox Humana-Chores werde man aller Voraussicht vom Mai in den Herbst verschieben müssen. Eigentlich war das Konzert schon für 2020 geplant: „Aber der Chor ist inzwischen 35 Jahre alt und gefestigt. Es wird auf alle Fälle weitergehen.“

Zudem sei geplant, in diesem Jahr Fensterkonzerte, beispielsweise an Senioreneinrichtungen, stattfinden zu lassen.

MGV Cäcilia Allagen

Schon im März 2020 haben die Sänger den Probenbetrieb eingestellt. Bei einem Durchschnittsalter von 78 Jahren sei die Gefahr einer Ansteckung viel zu groß, erklärt Vorsitzender Manfred Krause. Vor Jahren hat der MGV noch regelmäßig Konzerte veranstaltet, doch mit zuletzt nur noch 15 aktiven Sängern sei das nicht mehr möglich: „Und wir werden nach der Pandemie auch nicht wieder anfangen.“

Die Mitglieder seien zu alt, teilweise krank, die Probenbeteiligung unregelmäßig. Einen Dirigenten gibt es auch nicht mehr: „Wir treffen uns noch dienstags zum gemütlichen Beisammensein, aber das war es.“

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