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Warum bislang das Niederbergheimer Ortsteil-Wappen am Warsteiner Rathaus fehlte

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Von: Alexander Lange

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Pater Abraham (vorne) und Geselle Joshua Schirmer präsentieren das noch nicht fertige Wappen und die Originalvorlage.
Pater Abraham (vorne) und Geselle Joshua Schirmer präsentieren das noch nicht fertige Wappen und die Originalvorlage. © Alexander Lange

Die Stadt Warstein hat neun Ortsteile. Bislang hingen aber nur nur acht von ihnen als Wappen am Warsteiner Rathaus. Warum das so ist und wie Niederbergheims Wappen in der Abteischmiede Königsmünster gefertigt wird.

Warstein/Niederbergheim/Meschede – Es ist schon ein wenig skurril. Die Stadt Warstein hat neun Ortsteile, aber bislang hingen nur acht als Wappen am Warsteiner Rathaus. Eins fehlte. Und zwar das von Niederbergheim. Doch das wird sich nun ändern. Die Abteischmiede in Königsmünster bringt es zu Blech, Kustos Dietmar Lange kennt die Geschichte dahinter:

Denn das heutige Warsteiner Rathaus wurde 1969 als Amtshaus eingeweiht, entworfen von Architekt Heinrich Stiegemann. Alle Wappen der damals sieben amtsangehörigen Gemeinden wurden angebracht, damals gehörte Niederbergheim aber noch zum Ortsteil Allagen, wie beispielsweise noch heute Westendorf. Mit der kommunalen Neuordnung 1975 wurde Suttrop zum Warsteiner Ortsteil, damit waren es acht. Mit dem Beschluss der Hauptsatzung 1989 wurde Niederbergheim dann auch selbstständig. Ortsteil Nummer neun. 1991 wurde sogar das Stadtwappen geändert, den acht Kugeln auf der rechten Seite des Wappens wurde eine neunte hinzugefügt. „Nur an das Niederbergheimer Ortsteilwappen am Rathaus hat offenbar niemand gedacht“, erklärt Dietmar Lange. Bei einem Rundgang zur nun bald abgeschlossenen Rathaussanierung fiel es dann auf: Niederbergheim fehlt. Links neben dem ehemaligen Haupteingang zur Dieplohstraße hängen die ehemaligen Titularstädte Belecke, Hirschberg, Warstein. Rechts die ohne Stadtrechte: Suttrop, Mülheim, Sichtigvor, Waldhausen, Allagen. Und bald ganz rechts Niederbergheim: „Das Niederbergheimer Wappen an sich gibt es schon länger, das wurde nicht neu entworfen. Es fehlte nur am Rathaus.“

Hier rechts soll Niederbergheims Wappen bald aufgehängt werden.
Hier rechts soll Niederbergheims Wappen bald aufgehängt werden. © Alexander Lange

Es sei schön, dass nun alle Ortsteile quasi auch optisch unter einem Dach seien: „Und Niederbergheim feiert in diesem Jahr auch 950-jähriges Jubiläum, das ist ein schöner Anlass.“ Im Giebel des Rathauses hängt zusätzlich das Stadtwappen, auf der Seite zur Hauptstraße hin hängen die Wappen der Warsteiner Partnerstädte.

Drei Tage Arbeit für neues Wappen

Gefertigt wird Niederbergheims erstes Wappen zur Zeit in der Schmiede der Abtei Königsmünster in Meschede. Rund drei Tage ist Geselle Joshua Schirmer, der sich gerade auf seine Meisterprüfung vorbereitet, mit dem Wappen beschäftigt. Erst wird das Wappenblech vorbereitet, dann wird die Wappenvorlage maßstabsgetreu auf den Rohling gezeichnet und mit einem Meißel ein erstes Mal „durchgeschlagen“.

Joshua Schirmer bei der Arbeit am Wappen.
Joshua Schirmer bei der Arbeit am Wappen. © Alexander Lange

In einer Hohlform wird dann das sogenannte Treibkitt mit einer rund 2000 Grad heißen Flamme erwärmt, die Konturen ein weiteres Mal „durchgeschlagen“ und das Wappen mit seinen Formen so „von hinten“ zur gewünschten Optik gebracht. Das weiche Kitt dient dabei dazu, Auswölbungen zuzulassen, das wäre auf einem harten Untergrund nicht möglich.

Stadt übernimmt die Kosten für Anfertigung

„Im Grunde ist das Arbeiten mit Metall wie das Zubereiten eines Kuchenteigs zu verstehen. Nur, dass das Metall mit mehr Gewalt zubereitet wird“, erklärt Pater Abraham, Leiter der Abteischmiede. Es sei das besondere am Beruf des Metallgestalters, des früheren Kunstschmiedes. Es sei das individuelle, räumliche und instrumentale Gestalten. Mit großer Kraft, schwerem Gerät und hohen Temperaturen, trotzdem fein und filigran. Nach den Meißelarbeiten wird noch abgebeizt und künstlich patiniert, um helle und dunkle Strukturen hervorzuheben. „Man muss immer konzentriert sein, vor allem wenn es um die gleichmäßige Arbeit geht“, erklärt Schirmer: „Deshalb zeichne ich mir vorab zum Beispiel auch genau ein, in welche Richtung ich den Meißel schlage.“ Die kreative Schöpfung, das sei das besondere am Handwerk. Pater Abraham: „Dieses Wappen wird geprägt für einen ganz besonderen Zweck. Man kriecht quasi geistig in diese traditionelle Arbeit hinein, die schon vor 1000 Jahren so angewandt wurde.“

Das Stadtwappen hängt über dem ehemaligen Haupteingang.
Das Stadtwappen hängt über dem ehemaligen Haupteingang. © Alexander Lange

Es sei etwas archaisches, so Pater Abraham. Und Schirmer ergänzt: „Klar ist das am Ende cool, wenn das Wappen, das du gestaltet hast, am Rathaus hängt. Da ist man stolz drauf, das zeigt man gerne.“ Die Kosten für das Wappen übernimmt die Stadt, die Einweihung findet im Sommer statt,

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