Opsölder verlässt Warstein nach 65 Jahren

Warsteins Wochenmarkt vor Aus?

Vielfalt und Qualität finden die Warsteiner Stammkunden jeden Samstag am Stand von Karl-Heinz Opsölder. Allerdings nur noch bis zum 3. Juli. Dann ist für die Familie aus Bachum nach 65 Jahren in Warstein schweren Herzens Schluss.
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Vielfalt und Qualität finden die Warsteiner Stammkunden jeden Samstag am Stand von Karl-Heinz Opsölder. Allerdings nur noch bis zum 3. Juli. Dann ist für die Familie aus Bachum nach 65 Jahren in Warstein schweren Herzens Schluss.

Warstein – Es ist nicht nur ein schwerer Rückschlag, sondern wohl sogar der schwerst denkbare Rückschlag beim Versuch, die Attraktivität des Wochenmarktes in Warstein zu verbessern: Gestern kündigte Karl-Heinz Opsölder an, sich mit seinem Obst- und Gemüsestand vom Warsteiner Wochenmarkt zurückziehen zu wollen – und zu müssen. Nach 65 Jahren und trotz in Warstein hervorragend laufender Geschäfte. „Es geht einfach nicht mehr“, sagte der 59-Jährige gestern, „am 3. Juli hören wir auf.“ Dann können die Warsteiner zum letzten Mal bei Opsölder das frische und vielfältige Angebot, für das der Stand bekannt war, nutzen.

400 bis 500 Kunden kaufen jeden Samstag bei Opsölder ein. Fast alle sind Stammkunden, denen der Abschied am 3. Juli mehr als schwer fallen dürfte. Karl-Heinz Opsölder weiß seit einiger Zeit, dass er den Warsteiner Markt, wohl zur Disposition stellen muss. Warum, das habe alles andere als mit einem schlechten Geschäft zu tun. Im Gegenteil registriert er großes und sogar wachsendes Interesse der Kunden am Wochenmarkt-Einkauf. Aber die Gesundheit ist das Problem: Karl-Heinz Opsölders Knie macht nicht mehr mit. Und so musste sich die Familie mit ihrem Hof in Neheim-Bachum entscheiden. Der Samstagstermin ist eben doppelt belegt – mit Neheim, wo Ehefrau Doris die Regie beim Opsölder-Stand hat, und mit Warstein, wo der Chef hinterm Stand steht. „Neheim ist bei uns vor der Tür“, erklärt Karl-Heinz Opsölder. Mehr als schweren Herzens fiel deshalb die Entscheidung, Warstein aufzugeben. In diesem Jahr blickt die Familie auf 65 Jahre in Warstein zurück. Bereits sein Vater stand hier auf dem Wochenmarkt. Seit April 1956 hatte die Familie hier treue Kunden. So geht am 3. Juli eine ganze Ära zu Ende.

Dabei hat Karl-Heinz Opsölder auch alles versucht, einen Nachfolger für seinen mehr als gut laufenden Stand zu finden. Aber: „Das tut sich keiner mehr an.“ Bei vielen Kollegen habe er intensiv nachgefragt, auch mit dem Verweis auf die wirklich guten Geschäfte. Aber alle hätten abgewunken.

Erschwerend komme hinzu, dass die gesamte Branche unter Nachwuchsmangel leide. Für die harte Arbeit bei Wind und Wetter mit Nachtschichten zur Vorbereitung seien wenig Menschen zu begeistern. „Die meisten Kollegen sind in unserem Alter“, sagt er. Das werde sich in den nächsten Jahren noch intensiver zeigen. Er geht von einen deutlichen Rückgang der Marktstände und vom Sterben vieler kleiner Märkte aus. Auch bei Opsölders wird wohl keine nächste Generation den Stand betreiben.

Das Engagement von Stadtmarketingleiter Jeroen Tepas, in Warstein und Belecke die Zahl der Stände zu vergrößern und den Markt attraktiver zu machen, findet er lobenswert – aber glaubt nicht, dass dem Trend entgegen gewirkt werden kann. Selbst an Vorzeigestandorten wie etwa Münster funktioniere der Markt nur noch am Samstag als Haupttag und nicht mehr in der Woche. Auch für Belecke ist er auf Dauer nicht optimistisch. Vom Grundsatz her findet er das starke Engagement des Warsteiner Stadtmarketing-Leiters mit holländischen Wurzeln hervorragend. „Er kennt das schließlich aus Holland, wo auch die kleineren Märkte laufen.“

Karl-Heinz Opsölder selbst wird der Abschied in Warstein schwer fallen. Er weiß schon jetzt, dass viele Kunden ihm das Bedauern entgegen bringen werden. 35 Jahre lang – seit 1986 – war er Samstag für Samstag mit geringen Urlaubs-Ausnahmen immer auf dem Warsteiner Marktplatz. Sein insgesamt zweitbester Markt muss wegen der Doppelbelegung nun wegfallen. Die Opsölders sind zukünftig neben Neheim noch in Lennestadt und Altenhundem auf Märkten zu finden. Und da ist noch der Hofverkauf dienstags und donnerstags, auf den die Familie Opsölder jene Stammkunden verweisen, die nicht ohne sie können..

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