"Wie man es noch nie gesehen hat."

Drama im Wald: Warsteins Stadtförster fassungslos

+
Der Wald verschwindet - wie hier am Schillingsweg in Niederbergheim.

Warstein – „Der Wald verschwindet mit einer Geschwindigkeit, wie man es noch nie gesehen hat. Man kann dabei zugucken – und fühlt sich wie Don Quijote gegen Windmühlen kämpfend.“

Was Stadtförster Henning Dictus  formulierte, können derzeit alle unterschreiben, die mit Wald und Forst zu tun haben. 

Trockenheit und Borkenkäfer setzen dem heimischen Wald derzeit so stark zu, wie es zuvor weder regelmäßige, heftige Orkane noch saurer Regen noch Schädlinge gemeinsam jemals getan haben. Die Stimmung bei den Förstern ist am völlig Boden, weil keine Hoffnung in Sicht ist. Die rötlich-braunen Stellen, die man in den Waldbeständen beim Blick von oben sieht, nehmen täglich größere Ausmaße an. 

"In ein bis zwei Wochen sind auch die rot"

Aus einzelnen vertrockneten Bäumen wurden zunächst Baumgruppen und inzwischen ganze Waldteile. Und wo man hinschaut geht es täglich weiter. „Gerade sieht man noch Bäume, die oben grün sind, aber unten liegen Mengen von Bohrmehl. Dann weiß man: In ein bis zwei Wochen sind auch die rot“, schildert Henning Dictus seine täglichen Frust-Erlebnisse. 

Das bestätigt auch Forstamtsleiter Edgar Rüther. „Ich finde Mengen von Bohrmehl, wie ich es noch nie gesehen habe. Überall ist der Borkenkäfer drin.“ Das einzige, was Forstleute und Waldbesitzer – kommunale wie private – tun können, ist das Borkenkäferholz so schnell es geht aus dem Wald zu schaffen.

Holz geht nach China

Immer häufiger sieht man dabei Schiffscontainer im Einsatz. Der Grund: Weil der europäische Markt nicht mehr aufnahmefähig ist, wird versucht, noch Fichtenholz nach China und Südkorea abzusetzen. So macht es auch der städtische Forst. Schon 2018 habe die Stadt Warstein Holz nach China geliefert. Dort habe es anfangs große Nachfrage nach hellem Buchenholz gegeben. Nun könne man noch Fichtenholz absetzen.

Dazu müssen die Stämme in Wald auf 11,50 Meter Länge geschnitten werden, damit sie in die 12-Meter-Container passen. 30 Festmeter gehen in einen Container, derzeit werden noch 40 Euro pro Festmeter erlöst, wie lange das noch gut geht, sei aber fraglich, so Dictus. „2018 sind wir mit 95 Euro gestartet“. Inzwischen würden diese Märkte „von allen Seiten zugeworfen“. 

Böse Konsequenzen für die Stadt Warstein

Für die Stadt Warstein hat dies böse Konsequenzen. Der Erlös werde sich mehr als halbieren, ist Dictus sicher. Aber viel schlimmer für die Förster ist die Sorge um den Wald an sich, vor allem um seine Zukunft. Fichten sind angesichts der Klimaveränderung ohne Chance. Soll man Douglasien oder Weißtannen pflanzen? 

Henning Dictus formuliert die offenen Fragen: „Wie sieht das Klima in 50, 80 oder 100 Jahren aus?“ Und viel schwieriger: „Welche Aufgabe wird unser Wald dann für uns haben: Klimaschutz? Wirtschaftswald? Erholungsfunktion?“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf soester-anzeiger.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare