Neue Wege im Corona-Lockdown an den Schulen in Warstein

Warsteiner Schüler erhalten Zeugnisse digital, „to go“ oder per Post

Digitale Zeugnisse werden die Schülerinnen und Schüler des Europa-Gymnasiums Warstein am kommenden Freitag erhalten, die von Schulleiter Bernd Belecke unterschriebenen Originale werden dann mit dem Wiederbeginn des Präsenzunterrichts überreicht.
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Digitale Zeugnisse werden die Schülerinnen und Schüler des Europa-Gymnasiums Warstein am kommenden Freitag erhalten, die von Schulleiter Bernd Belecke unterschriebenen Originale werden dann mit dem Wiederbeginn des Präsenzunterrichts überreicht.

Warstein – Videokonferenzen und digitale Pinnwände mit Erklärfilmen, Texten, Bildern und Aufgaben, sogenannte Padlets, gehören genauso dazu wie jede Menge Arbeitsblätter und die Rückmeldungen dazu: Distanzunterricht stellt Schulen gerade vor ordentlich Herausforderungen. Und dann ist da noch die große Frage: Wie läuft eine Zeugnisübergabe im Lockdown? Die Schulen im Warsteiner Stadtgebiet spielen sich aber immer mehr ein und sind gut gerüstet.

„Wir waren durchaus vorbereitet“, sagt Ulrike Theurich, Schulleiterin der Grundschule in Sichtigvor. Seit November haben die Lehrkräfte mit den Kindern die Online-Plattform des Bildungsministerium „Logineo NRW-Lernmanagementsystem“ erprobt, damit die Kinder für den Ernstfall gerüstet sind und zusammen mit ihren Eltern Aufgaben, Erklärvideos, Filme und Videobotschaften finden, wissen, wie sie die bearbeiteten Aufgaben hochladen können und wo sie die Rückmeldungen dazu erhalten. „Zwischendurch haben wir gehofft, die Arbeit hätten wir doch nicht gebraucht, aber jetzt zahlt es sich aus.“ Die Grundschule baut nicht auf Materialausgaben, sondern arbeitet komplett online. Auch die Kinder in der Notbetreuung: Sie haben schulische iPads und nutzen ebenfalls das Portal und generell, so Ulrike Theurich, habe die Schule an alle, die nicht genug Endgeräte haben, die Tablets der Schule verliehen. Das Lernen auf Distanz, betont die Schulleiterin, erfordere schon viel Engagement – auf allen Seiten. Eltern müssten ihren Kindern mit Rat und Tat zur Seite stehen, für Lehrer sei das mehr Aufwand als der normale Schulbetrieb und die Schülerinnen und Schüler, die vermissen einander und arbeiten doch so fleißig. Damit das Vermissen nicht allzu groß ist, hätten einige Lehrkräfte montags Gesprächskreise über Zoom angeboten, weil die Online-Plattform jetzt auch Videochats anbietet, soll das künftig aber auch ausgebaut werden. Die Zeugnisse dagegen werden wahrscheinlich per Post verschickt.

Kevin und Louis aus der Klasse 3c der Liobaschule holen ihr Unterrichtsmaterial bei ihrer Klassenlehrerin Sibylle Heppelmann ab.

Die Grundschulen in Allagen, Belecke, Warstein und Suttrop bauen dagegen auf Materialsammlungen: Freitags ist dort großer Tauschtag, an dem die bearbeiteten Aufgaben der Woche abgegeben und die Aufgaben, die in der nächsten Woche anstehen, mitgenommen werden. Das entlaste vor allem die Eltern, erklärt Sibylle Heppelmann, stellvertretende Schulleiterin der Liobaschule. Schließlich liefe der heimische Drucker sonst auf Hochtouren. Im Gegensatz zum ersten Lockdown laufe das Distanzlernen jetzt gut. Jede Klasse hat ihr Padlet, fast alle Lehrerinnen und Lehrer haben digitale Klassenräume und zu festen Zeiten treffen sie sich dort zum Videochat. Am Anfang war das noch ein bisschen turbulent, mittlerweile sind die Kinder aber fit und kennen die Regeln und das System. Das sei vor allem für den persönlichen Kontakt wichtig, der fehle den Kindern und Lehrkräften nämlich gleichermaßen. Manchmal spielen sie auch kleine Spiele wie Montagsmaler. „Die Medienkompetenz lernen die jetzt nebenbei“, sagt sie schmunzelnd. Zur Rückmeldung der bearbeiteten Aufgaben steckt sie ihren Drittklässlern außerdem immer noch etwas zur Motivation ein – mal ein Lob, mal eine kleine Tüte Gummibärchen. Und nächste Woche Freitag, da gibt es eben nicht nur Aufgaben und etwas zur Motivation, sondern auch noch das Zeugnis. Das verteilt die Liobaschule nämlich einfach über die Materialpakete.

In Allagen, sagt Schulleiterin Jutta Wennemann, hat das Kollegium erst überlegt, die Zeugnisse per Post zu verschicken. Die Eltern haben sich aber gewünscht, dass die Kinder sie persönlich in Empfang nehmen – kontaktlos, auf Abstand und mit Maske, aber eben so, dass die Lehrkräfte noch etwas dazu sagen können. Ein kleines Lob, ein kleines „Mach weiter so“ zum Beispiel. Für ein bisschen mehr Kontakt starten ab nächster Woche auch Videokonferenzen. Auf die hat die Johannesschule bisher verzichtet, weil die Eltern rückgemeldet hatten, dass die Endgeräte schon im Einsatz bei den älteren Kindern seien. Das habe sich mittlerweile aber weiterentwickelt. Aber auch sie lobt den Einsatz ihres Kollegiums, die fleißig korrigieren, telefonieren und versuchen, aus der Situation das Beste zu machen.

Christine Woytal, Schulleiterin der Westerbergschule in Belecke, betont vor allem die Entwicklung im Hinblick auf den ersten Lockdown: „Das ist eine ganz klare Verbesserung. Wir sind hier viel strukturierter, im Internet sind wir mehr unterwegs und trauen uns auch mehr zu und die Eltern sind auch viel strukturierter, die können mittlerweile ganz gut einschätzen, wie lange die Kinder brauchen.“ Die Grundschule setzt neben den Materialpaketen auch auf Padlets und Videokonferenzen mindestens einmal pro Woche. Ab kommender Woche sollen es mehr werden: der Montagskreis, eine Stunde Deutsch, eine Stunde Mathe. Und die Zeugnisse, die werden am nächsten Freitag beim Materialtausch ausgegeben.

Sekundarschule

Aber auch die weiterführenden Schulen sind gerüstet: Die Sekundarschule, so Schulleiter Marcus Schiffer, verteilt die Zeugnisse erst am ersten Tag des Präsenzunterrichts. Am Freitag erhalten die Schülerinnen und Schüler sie erst als digitale Version über iServ. Wenn Eltern zum Beispiel für Bewerbungszeugnisse ein anderes Procedere wünschen, werden sie aber per Post verschickt oder sie können sie abholen. Was den Unterricht angeht, sagt er: „Wir sind mehr als zufrieden mit der digitalen Infrastruktur.“ Nach den „üblichen Kinderkrankheiten“ wie der Überlastung des Netzes in der ersten Woche nach den Ferien, habe sich das mittlerweile eingespielt und mittlerweile ist er sehr stolz auf Kinder und Eltern, wie gut sie die Situation meistern und was sie mittlerweile für eine Medienkompetenz erlangt haben. Über die Homepage hält er sie auf dem Laufenden, den Unterricht bestreiten sie über Padlets, verpflichtende Videokonferenzen, Projektarbeiten und Dokumentationen davon, die digital überprüft werden.

Zeugnisausgabe „to go“ am offenen Fenster: Jan Harlaß, mit Dagmar Wiethoff Stufenleitung, händigte am Freitag den Schülerinnen und Schülern der Stufe Q2 des Europa-Gymnasiums Warstein, im Bild Nele Gerke, im 2-Minuten-Takt die Laufbahnbescheinigungen, Klausuren, Stufenpullover und Masken aus.

Europa-Gymnasium

Auch Bernd Belecke, Schulleiter des Europa-Gymnasiums, ist „soweit zufrieden“: Im Laufe der letzten Woche habe sich alles eingespielt, für den Stoff nutzen sie drei Tools und damit kommen die Kinder und Jugendlichen gut zurecht. Zu Beginn jeder Unterrichtsstunde melden sich die Schülerinnen und Schüler bei der Lehrkraft an, dann gibt es Informationen und es folgen Einzel- oder Gruppenarbeit oder Plenumssitzungen. Die Q2 habe am gestrigen Freitag schon die Laufbahnbescheinigungen erhalten, indem sie im zeitlichen Abstand bestellt wurden. Ähnliches hatte er ursprünglich auch für nächste Woche überlegt, den Plan dann aber doch geändert. Die Tüten mit allem, was sich so an Klassenarbeiten und Portfolios angesammelt hat, wird erst nach dem Ende der Distanzzeit überreicht. Auch die Zeugnisse auf Papier. Auf ihre Noten müssen die Gymnasiasten aber nicht verzichten, am kommenden Freitag gibt es zunächst die digitale Version.

Grimmeschule

Vor allem aber Antje Aßmann ist auf „ihre“ Grimmeschule ziemlich stolz: „Wir haben uns seit dem ersten Lockdown stark weiterentwickelt.“ Während im ersten Lockdown nur Arbeitsblätter herausgegeben wurden, hat die Förderschule jetzt alle Schüler abgefragt, ob sie ein Endgerät haben und nur einer wird analog mit Papierausdrucken versorgt. Bei allen anderen der rund 70 Schüler läuft’s. Das liegt nicht zuletzt am großen Engagement der Lehrkräfte: Von 8 bis 15.30 Uhr stehen sie für Telefonate, WhatsApp-Nachrichten und Co. bereit, die meisten auch noch in den Abend hinein. Das bräuchten die meisten Förderschüler auch. „Jeder Kollege telefoniert mindestens einmal pro Woche mit jedem Schüler.“ Die meisten auch öfter. Die Rückmeldung der Eltern? Die sind „sehr zufrieden“. Jeden Tag werden die Aufgaben eingesammelt, am nächsten Tag gibt es direkt die Rückmeldung. Wie die Zeugnisse übergeben werden, entscheidet sich aber erst am Montag: entweder per Post oder sie werden abgeholt.

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