Aus Versicherungsgründen

Warsteiner lässt Pferd bis zum Tode leiden: 2700 Euro Geldstrafe

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Warstein - Weil er sein schwer krankes Pferd nicht einschläfern ließ, sondern dessen Leiden aus versicherungstechnischen Gründen verlängerte, wurde ein 70- jähriger Warsteiner vor dem Amtsgericht zu einer Geldstrafe in Höhe von 2700 Euro verurteilt.

Der Handwerksmeister, der sich bis zum Ende der Verhandlung uneinsichtig zeigte, bezeichnete die Anschuldigungen als „Trauerspiel“. Ihm selbst hätten die Schmerzen seiner Stute weh getan. „Wenn man so ein Tier fast 27 Jahre begleitet hat, fügt man ihm keinen Schaden zu.“ Das sah das Gericht anders. 

Laut Anklage hatte der Züchter am frühen Abend des 14. November 2016 den Tierarzt gerufen. Sein preisgekröntes Zucht-Pferd wälzte sich mit Koliken in seiner Box. Der Mediziner verabreichte ihm hoch dosierte Schmerz- und Beruhigungsmittel. Gemeinsam mit dem Halter kam er überein, dass lediglich eine Nottötung das Tier erlösen könnte. Da es gegen Unfall und Tod versichert war, benachrichtigte der Halter seine Versicherung. 

Möglichst schneller Tod sei unumgänglich gewesen

Die wiederum vermittelte ein Telefonat zwischen ihrem Sachverständigen und dem Warsteiner und Tierarzt. Doch auch das Facharzt-Duo erachtete den möglichst schnellen Tod des Tieres als unumgänglich. Der Halter hingegen bestand auf eine schriftlichen Erlaubnis zur Nottötung, die ihm der Versicherungsarzt verweigerte. 

Eine solche stelle er grundsätzlich nicht aus, klärte er auf und bestätigte gestern im Zeugenstand: „Es muss reichen, wenn ich die Freigabe mündlich erteile, weil die Ursache bei der späteren Sektion sowieso nachgewiesen wird.“ Doch darauf wollte sich der Pferdebesitzer nicht verlassen. 

"Ich habe immer alles schriftlich gemacht"

„Ich bin Handwerksmeister und habe immer alles schriftlich gemacht.“ Schließlich lag die Versicherungssumme bei 20.000 Euro. Am Morgen des zweiten Tages meldete sich die Sachbearbeiterin und wollte wissen, ob das Tier schon gestorben sei. Ihr lag der Bericht des Arztes noch nicht vor. 

Entgegen den Behauptungen des Angeklagten will sie die Nottötung nicht verweigert haben: „Das könnte ich gar nicht. Wir haben zwar ein Interesse an Schadensminderung aber wenn der Schadensfall eintritt, dann tritt er ein.“ Inzwischen hatte die Wirkung des Schmerzmittels nachgelassen. Das Gericht ging davon aus, dass das Pferd am 15. November qualvoll und ohne medizinische Erleichterung verendete. 

Angeklagte stellt seine Interessen über Wohl des Tieres

Schon am Abend zuvor, nach dem ausdrücklichen Rat des Warsteiner Tierarztes, hätte der Halter sein Einverständnis zur Euthanasie geben müssen. Davon war nicht nur der Staatsanwalt überzeugt. Der Angeklagte habe seine eigenen Interessen über das Recht des Tieres auf körperliches Wohlbefinden gestellt. Kein gutes Licht auf die Tierliebe des Beschuldigten warf die Aussage der Amtstierärztin. 

Sie berichtete von mehreren Anzeigen gegen den Warsteiner. Angeblich habe er seine Tiere im Sommer nicht ausreichend mit Wasser versorgt und ihnen im Winter zu wenig Auslauf ermöglicht. Beweisen können habe man diese Verstöße allerdings nicht. „Ein ungutes Gefühl blieb aber zurück.“ Am Ende sah Richterin Schmidt-Wegener den „Verstoß gegen das Tierschutzgesetz durch Unterlassen“ bestätigt. 

"Sie haben das Tier weiter leiden lassen"

„Sie haben die Nottötung verweigert und das Tier dadurch weiter leiden lassen“, warf sie dem Angeklagten vor. Wahrscheinlich, so fügte sie hinzu, „musste es über Stunden in der Box liegen aus Angst, dass die Versicherung die 20.000 Euro nicht zahlt.“ Der Beschuldigte sagte in seinem Schlusswort: „Ich bin der Ansicht nach bestem Wissen und Gewissen alles getan und dem Tier keinen Schaden zugefügt zu haben!“

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