Durchwachsenes Betriebsergebnis

Warsteiner Forstamt will sich wegen Klimawandel umstellen

Warstein - Eine auch für die Öffentlichkeit spürbare Auswirkung des trockenen Sommers 2018 und des massiven Borkenkäferbefalls wird ein Fichtenbestand in der Gemarkung Lottmannshardt zwischen Hirschberg und Niederbergheim passieren.

Die Bäume stehen an einem Südhang, und ihre Fällung ist so schwierig, dass dafür die L 856 gesperrt werden muss. Forstamtsleiter Edgar Rüther bezeichnete dies als „sehr komplexe Maßnahme“, ohne Zeitpunkt und Auswirkung auf den Verkehr konkret zu nennen. 

Es war ein kleines Detail seiner Ausführungen zum Betriebsergebnis des Stadtwaldes Warstein im vergangenen Jahr, das trotz des mehrfach im Verlauf der Sitzung gefallenen Begriffs „Katastrophe“ gar nicht so schlecht ausfiel. Denn die Erträge lagen mit 2,523 Millionen Euro über denen des Jahres 2017 mit 2,430 Millionen Euro, ein Plus von 3,8 Prozent. 

Unterm Strich fiel das Betriebsergebnis aber mit 1,08 Millionen Euro für 2018 um 10,8 Prozent schlechter als 2017 aus, als 1,205 Millionen Euro erzielt wurden. 

Der Überschuss pro Festmeter Holz ist von 38 auf 27 Euro zurückgegangen. 

Bei der Auflistung der einzelnen Positionen sagte Edgar Rüther, dass hohe Kosten durch die Auftragsvergabe an Unternehmer für den Holzeinschlag und das Rücken aus dem Wald angefallen seien. 

Für den Wegebau seien 20000 Euro aufgewendet worden, während in normalen Jahren der doppelte Betrag üblich sei: „Wir haben aber nur das Nötigste gemacht, um gerade erneuerte Wege nicht wieder kaputt zu machen. 

Problematisch sei der Brennholzverkauf gewesen, wegen der schlechten Qualität durch Pilzbefall habe es eine Reklamationsquote von 42 Prozent gegeben. Es sei aber mit allen Kunden eine gütliche Einigung durch angemessene Preisnachlässe erzielt worden. In diesem Jahr würden auch rund 2000 Festmeter von Käfern geschädigte Fichten bereitgestellt. Weil Fichte aber einen geringeren Brennwert habe, sei die Mengenbegrenzung aufgehoben worden. 

Ausschussmitglied Bernd Schauten interessierte, ob nicht viel Arbeit hätte gespart werden können, wenn die Kunden vorab über die schlechte Brennholzqualität informiert worden wären. Antwort von Edgar Rüther: „Dass das Brennholz solch eine schlechte Qualität haben würde, habe ich nicht geahnt!“ 

Dass die verheerenden Folgen für die Fichten durch den Borkenkäferbefall nicht das einzige Problem bleiben könnte, war Inhalt der Antwort auf die Frage von Paul Kuhlmann, der nach dem Zustand der Buchenbestände fragte: „Bei uns gibt es noch keine Hinweise, dass etwas passieren könnte wie Schleimfluss, Pilzbefall oder Bakterieninfektionen. Wir haben aber keine Gewissheit, dass unsere Bäume gesund bleiben werden“, so Rüther. Deshalb müsse sich der Forst bei den Neuanpflanzungen „breit gefächert aufstellen“. 

Allerdings gebe es auch noch das Rehwild-Problem, durch das die Wälder „entmischt“ würden. Das Wild äse die Jungpflanzen: „Wir können aber nicht jeden Quadratmeter umzäunen“. 

Eine Möglichkeit, dem Käferbefall zu entgehen, sei die Aufforstung mit anderen Baumarten als den herkömmlichen, erläuterte Förster Henning Dictus. Fichte werde bereits durch Douglasien und Weißtannen ersetzt, wobei die Weißtannen-Samen aus Slowenien und Rumänien bezogen würden: „Die Pflanzen kommen aus Klimazonen, wie sie in 30 bis 40 Jahren auch bei uns vorherrschen werden“. 

Deshalb würden auch bereits Buchensorten gepflanzt, die in trockenen Zonen gedeihen. „Wir haben aber auch schon Küstentannen gepflanzt, die einen großen Stammumfang haben und bis zu 40 Metern hoch werden“. 

Es sei auch daran gedacht, Mammutbäume auszuprobieren. Oder verschiedene Nussbaumarten. Im Raum Anröchte und Gesenke werde das bereits ausprobiert. 

„Die Küstentanne ist nicht so gut zu verwerten, aber eine Baumgeneration wird 60 bis 200 Jahre alt. Bis dahin werden sich die Leute etwas einfallen lassen haben“, erklärte dazu Forstamtsleiter Edgar Rüther.

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